Estewanderweg

Entdeckertour: Die große Ruhe am kleinen Fluss

| Lesedauer: 7 Minuten
Axel Tiedemann
Vater und Tochter bei einer kleinen Wanderpause am stillen Fluss. Die Este bietet immer wieder schöne Stellen, um inne zu halten.

Vater und Tochter bei einer kleinen Wanderpause am stillen Fluss. Die Este bietet immer wieder schöne Stellen, um inne zu halten.

Foto: Bendix Tiedemann / AT

Serie: Wege, um Ruhe zu finden – heute: Axel Tiedemann erkundet mit seiner Tochter die Tour von Buxtehude nach Moisburg.

Buxtehude.  Keine Konzerte mehr, keine Festivals, keine Clubs, kein Treffen mit Freunden: Für junge Erwachsene ist die Corona-Pause gerade eine harte Zeit. Und da kann man schon einmal auf andere Gedanken kommen: Zum Beispiel mit dem eigenen Vater zu wandern. Mal raus aus der Wohnung, ein kurzer Trip in die Natur vor der Haustür.

Dorthin, wo man vielleicht das letzte Mal vor zehn Jahren mit den Eltern war. Und daher sind sie nun wieder unterwegs, der Vater (58) und die Tochter (18), er in Wanderstiefeln, sie in weißen Sneakern. Auf einer knapp dreistündigen Entdeckertour durch das Estetal zwischen Moisburg und Buxtehude.

Der Wanderweg ist gut ausgeschildert

Hier führt der gut ausgeschilderte Estewanderweg auf knapp zwölf Kilometern immer in der Nähe dieses Flusses entlang, mal durch Wälder, mal durch eine sumpfige Auenlandschaft und dann wieder vorbei an weitläufigen Wiesenhügeln, die während der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren entstanden sind.

Damals, in einer Periode mit vielen, teils auch schnellen Klimawandeln, herrschte hier eine nahezu baumlose Tundra-Landschaft mit fast ganzjährig durchgefrorenen Böden vor. Nur im Sommer tauten die obersten Boden-Schichten ab, glitten auf dem harten Permafrost darunter talwärts und flachten so die eigentlich steilen Endmoränenzüge vorheriger Gletschervorstöße ab.

Die Tour startet in Buxtehude-Ottensen

Start unserer Tour ist ein Parkplatz an einer früheren Sandkuhle links am Ortsausgang (Richtung Nindorf) des Buxtehuder Ortsteils Ottensen. Man könnte auch vom Buxtehuder „Soldatenwald“ auf dem früheren Truppenübungsgelände starten, doch dieses stadtnahe Wäldchen erinnert in diesen Tagen fast schon an den Hamburger Stadtpark, so viele Menschen sind da plötzlich unterwegs. Zu viele für etwas Corona-Ruhe, die man sich jetzt wünscht.

Also lieber den abgelegenen Parkplatz wählen. Zunächst geht es von dort etwa 500 Meter talwärts Richtung Este, die auf einer Länge von gut 60 Kilometern von der Nordheide bis zur Mündung in die Elbe bei Cranz fließt. Ganz heran kommen wir jetzt aber noch nicht, der Weg führt zunächst um die Kiesgrube herum, kurz wieder zur Straße und dann nach kleiner Schleife wieder zurück ins Estetal. Klingt kompliziert, ist aber mit kleinen gelben Dreiecken an Bäumen gut markiert.

Es geht durch lichte Wälder und prallgrüne Wiesen

Nun geht es durch lichte Wälder und vorbei an prallgrünen Weiden. Man ahnt den Fluss, sieht ihn aber immer noch nicht. Aber man bekommt plötzlich ein ganz neues Gespür für diese Landschaft: Innehalten, stehenbleiben, Luft atmen, Sonne im Gesicht spüren, irgendwo zwitschert kurz ein Vogel. Wie still das alles ist! Wie ungewöhnlich still.

Hier im Süden der Metropole setzen sonst bei schönem Wetter und den dann vorherrschenden Ostwinden die Flieger mit Ziel Fuhlsbüttel oder zur näheren Airbus-Piste in Finkenwerder schon zum Landeanflug an. Jetzt ist das Dröhnen vom Himmel weg, der totale Lockdown in der Reisebranche bringt der kleinen Reise vor der Haustür ganz neue Erlebnisse.

Gelbe Dreiecke weisen sicher den Weg

Zweimal macht der Este-Wanderweg solche Schleifen, die heraus aus dem Tal bis hoch zur Straße führen; wenn man sich immer an den gelben Dreiecken orientiert, kann nichts passieren. Zudem bieten diese kleinen Anstiege auch noch ein besonderes Erlebnis: Von oben reicht der Blick über die Wälder weit; den Buxtehuder Kirchturm kann man von hier erkennen, klar. Aber auch Blankenese, manche fernen Windräder und sogar die riesige weiße Wolke, die aus dem Kraftwerk Moorburg quillt und von hier aussieht wie ein Waldbrand.

Nach der zweiten Schleife geht es dann wieder zurück ins Estetal, vorbei an einem großen Fischteich, wo die Babyboomer-Generation der Region noch das Schwimmen gelernt hat. Jetzt ist das verboten, wie so vieles im heutigen EU-Naturschutzgebiet Estetal. Wandern, immerhin, ist aber noch erlaubt.

Etwa 20 Minuten nach dem malerischen Teich erreichen wir die Estebrücke bei Moisburg. Ein idealer Platz für eine Rast am glucksenden Flüsschen. Hier ist die Este noch ein reiner Heidefluss mit flachem aber klarem Wasser. Herrlich, einfach mal die Socken und Schuhe ausziehen und die Füße im Fluss abkühlen lassen.

Wendemarke an der Moisburger Brücke

Von der Moisburger Brücke führt der Este-Wanderweg nun zurück. Hier verläuft er aber meist durch Fichten- und Kiefernwälder auf einem Geestrücken. Teilweise wird er dann zu einem ziemlich schmalen Pfad auf dem Höhenzug am Rand des Flusstals. Immer wieder bieten sich nun bald Blicke von oben auf das kurvenreiche Gewässer.

Nach einiger Zeit und einem kleinen matschigen Wiesenabschnitt erreichen wir das Estedorf Heimbruch, das mit seinen pittoresken Fachwerkhäusern ebenfalls ganz aus der Zeit gefallen scheint. Ein kleiner Schlenker, immer noch gut markiert, und wir stehen erneut vor einer hölzernen Estebrücke. Von dort geht es dann erst wieder durch einen Auenwald, vorbei an sumpfigen Teichen und zu einem langen, sandigen Weg, der wieder bergan verläuft.

Abseits des Wegs locken kleine Entdeckertouren

Wer möchte, kann hier aber noch auf Entdeckertour gehen. Rechts vom eigentlichen Este-Wanderweg lassen sich im dichten Wald auf einer Anhöhe mehrere Erdwälle erkennen. Sie sind die Reste einer Burganlage, die vermutlich einmal eine sächsische Fliehburg gewesen war. Man muss allerdings schon viel Fantasie und Entdeckergeist aufbringen, und sich durchs Gestrüpp schlagen, nur um „irgendwelche“ Wälle zu sehen, wie die Tochter grummelt, deren Sneaker vielleicht schlammgrau, aber längst nicht mehr weiß sind.

Also zurück zum sandigen Weg, der nun doch lange und anstrengend hoch bis zum Parkplatz führen sollte. Und dann ist er wieder da, der fast schon vergessene Satz, der aber so schöne Erinnerungen bringt: „Papa, sind wir bald da?“ Sind wir, nur noch ein paar Minuten!

Länge: knapp zwölf Kilometer, zwei bis drei Stunden.

Beschaffenheit: Meist einfach zu gehende Wege, manchmal aber auch schmale Waldpfade, einige wenige Passagen, die besonders nach Regenfällen etwas matschig sein können. Kleine gelbe Markierungen kennzeichnen den Weg durch Wald, über die Geest und sanfte Hügel, meist sind diese Hinweise schlicht auf Bäume gepinselt.

Verlauf: Parkplatz am Ortsausgang Richtung Buxtehude-Ottensen. Der Platz befindet sich links in Fahrtrichtung Nindorf auf dem obersten Punkt einer Anhöhe. Zunächst von dort auf der Westseite der Este mit zwei Schleifen hoch zur Straße Ottensen – Nindorf. Dann zurück ins Estetal zur Holzbrücke bei Moisburg. Auf der östlichen Seite zurück bis zur Brücke in Heimbruch und dann bergan neben einer früheren Sandkuhle zum Ausgangspunkt.

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