Trotz Corona

Raus in die Natur! Wege, um Ruhe zu finden

Wandern im Rosengartenforst, hier beim sagenumwobenen Karlstein

Wandern im Rosengartenforst, hier beim sagenumwobenen Karlstein

Foto: Axel Tiedemann / AT

Gerade jetzt drängt es einen hin und wieder raus in die Natur – ohne dabei anderen zu nahe zu kommen. Ein Überblick von Wanderrunden.

Bei dem Wort „Heidschnuckenweg“ denkt man schnell an Bilder von blühender Heide, Wacholderbüschen und windschiefen Katen beim Wilseder Berg. Der mehr als 200 Kilometer lange Wanderweg gilt als einer der schönsten Deutschlands und führt von der Fischbeker Heide bis nach Celle — und dabei eben auch quer durch den länderübergreifenden Regionalpark Rosengarten.

Man muss also nicht die große Tour unternehmen, sondern kann den berühmten Weg mit einer Schleife im dichten Wald vor der Haustür an einem Nachmittag erleben. Jedenfalls ein Stück davon.

Startpunkt für diese „Heidschnucken-Schleife“ ist der ausgeschilderte Parkplatz am Karlstein an der Rosengartenstraße zwischen Elstorf-Bachheide und Sieversen. Wir folgen von dort nicht dem Schild zu dem berühmten Stein, sondern nehmen den linken Waldweg. Nach einigen Metern kreuzt dort der Heidschnuckenweg – gekennzeichnet mit einem „H“ auf einem Baum.

Ein schmaler, gut markierter Pfad

Auch ein Kreuz sieht man dort – das ist die Markierung für den europäischen Fernwanderweg E1, der vom Nordkap bis Süditalien führt. Hier biegt unsere Schleife nach links und Richtung Norden auf den Heidschnuckenweg: ein schmaler, gut markierter Pfad im dichten Wald.

Teilweise gibt es am Anfang steile Passagen und man merkt schnell, dass der Rosengarten geologisch Teil der Schwarzen Berge ist: Der Höhenzug entstand in der vorletzten Eiszeit (Saale-Eiszeit) vor einigen hunderttausend Jahren, als bei einem Gletschervorstoß riesige Mengen Sand und Geröll bis weit nach Norddeutschland geschoben wurden. Als Endmoräne bezeichnen Geologen solche Erhebungen.

Wir folgen jetzt immer weiter der Markierung und wandern durch dichten Nadelwald mit wenigen Buchen, der aber längst nicht mehr der eigentliche „Urwald“ ist: Eigentlich würden überwiegend Buchen wachsen, wie an anderer Stelle in dem Forst.

Doch in früheren Jahrhunderten hat der Mensch durch Waldweide und Holzeinschlag viele Hügel mit ihren eher nährstoffarmen Böden zu einer fast baumlosen Landschaft umgewandelt. Der „Rosengarten“ hat daher seinen Namen nicht von einem wunderschönen Garten. Die Bezeichnung geht auf das Wort „ruus“ zurück, was so etwas wie „unwirtlich“ oder „kaum nutzbar“ bedeutet.

Plötzlich eine einsame Waldsiedlung

Etwa nach einer Stunde führt der Heidschnuckenweg plötzlich in eine einsame Waldsiedlung: die Tempelberg-Siedlung ist eine Enklave der Gemeinde Neu Wulmstorf. Ein kurzes Stück folgen wir noch den „H“-Markierungen zwischen den Häusern, dann zweigt der Heidschnuckenweg nach links ab. Man könnte nun dort bis in die Fischbeker Heide und weiter bis zur S-Bahn gehen, was ein idealer Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr darstellt. Doch das ist in diesen Corona-Tagen kein Vorteil mehr.

Unser Weg führt weiter geradeaus auf Hamburger Staatsgebiet bis zu einem Schild mit Hinweisen zu weiteren Wanderwegen. Hier folgt man nun dem Weg in Richtung „Museum Kiekeberg“ und „archäologischer Wanderpfad“, der nach knapp 200 Metern erreicht ist und eine interessante Abwechslung darstellt. Man entdeckt hier Hügelgräber.

Ein Schauplatz heidnischer Riten

Erklär-Tafeln erläutern, wie die Menschen von der Steinzeit bis in die Bronzezeit ihre Angehörigen begraben haben. In den Hügelresten wurden auch ungewöhnlich große Menge von Keramik der späteren Trichterbecherkultur gefunden, was darauf hin deutet, dass nach der zwangsweisen Einführung des Christentums unter Karl dem Großen (747 bis 814) dieser Platz hier vermutlich ein Schauplatz heidnischer Riten war.

Man folgt dem Weg und den Tafeln weiter und erreicht eine Waldwiese: auch das ist ein altes Bestattungsfeld aus der Eisenzeit. An dieser Wiese biegt unsere Schleife scharf nach rechts und führt auf einem Weg zwischen Wiese und dem Wald, in dem nun einige kleine, windschiefe Häuschen zu erkennen sind. Vorbei geht es an einem verwitterten Straßenschild „Stadtweg“, das hier seltsam verloren wirkt.

Am Ende der Wiese biegt man dann nach links auf einen steinigen Waldweg, der meist bergab führt und schließlich an einem breiteren, sandigen Weg endet. An der Einbiegung gehen wir scharf nach rechts und wandern gefühlt zurück Richtung Tempelberg-Siedlung.

Landzunge nach Niedersachsen

Meist geht es nun bergan. Hier bietet sich ein interessanter, aber schwierig zu findender Abstecher an: Das Hamburger Staatsgebiet ragt an dieser Ecke wie eine schmale Landzunge nach Niedersachsen hinein. Am Ende dieser Landzunge erhebt sich der Hasselbrack, die mit 116 Metern höchste Erhebung Hamburgs. Zwar kann man wegen des dichten Waldes dort keine dolle Aussicht genießen, aber es gibt Gipfelkreuz und Gipfelbuch und Gedenkstein.

Aber Achtung: der schmale Pfad hinauf ist aus Naturschutzgründen nicht ausgeschildert. Im Grunde findet man den Hasselbrack nur mit GPS-Handy und Karte. Ob mit oder ohne Abstecher: Unserer eigentlicher Weg führt den sandigen, breiten Weg weiter hinauf, man ignoriert Abzweigungen bis schließlich wieder der Heidschnuckenweg mit seinen Markierungen kreuzt. Hier biegt man nun nach links und wandert den schon bekannten Weg in anderer Richtung zurück, bis der Karlstein-Parkplatz erreicht ist. Man kann nun noch einen kleinen Abstecher zum legendären Karlstein unternehmen.

Der mächtige Granitklotz ist ebenfalls von den Eiszeit-Gletschern heran transportiert worden und liegt markant oben auf einem Hügel. Der Sage nach soll Karl der Große bei der Niederschlagung der „heidnischen“ Sachsen hier mit Pferdehuf und Schwert seine Spuren im Gestein hinterlassen haben, als er wütend in die Schlacht stürmte. Nun ja, vermutlich war es eher die Verwitterung — aber ein bisschen Mythos und Sage zum Schluss sind ja auch nicht schlecht.

Heidschnucken-Schleife

Länge: knapp zwölf Kilometer, etwa 2,5 bis 3 Stunden Wanderzeit

Charakter: Überwiegend Waldweg mit teils steilen Passagen und vielen Baumwurzeln, Wanderstiefel sind da empfohlen. Für einen möglichen Abstecher zu Hamburgs höchsten Punkt sollte man ein GPS-fähiges Handy mitnehmen. Auch bei schmuddeligen Wetter ist man hier im Wald allerdings gut geschützt. Versorgungsmöglichkeiten gibt es unterwegs nicht, etwas Proviant und eine Trinkflasche sind daher eine gute Idee. Start und Ziel: Für beides ist der Karlstein-Parkplatz an der Rosengartenstraße zwischen Elstorf-Bachheide in der Gemeinde Neu Wulmstorf und Sieversen in der Gemeinde Rosengarten.

Verlauf: Der Weg führt zu großen Teilen auf einem kleinen Abschnitt des gut markierten Heidschnuckenweges vom Parkplatz zur Neu Wulmstorfer Tempelberg-Siedlung, weiter in das Naturschutzgebiet Fischbeker Heide und zurück zum Heidschnuckenweg über einen einsamen Waldweg an der Landesgrenze.

Besonderheiten: Archäologischer Wanderpfad mit Hügelgräbern und mythischen Plätzen, die einsame Waldsiedlung Tempelberg und der Karlstein mit seiner Sage von Karl dem Großen.