Harburg
Niedersachsen

Coronavirus: Krankenhäuser steigern ihre Bettenzahlen

Coronavirus: Der Landkreis Harburg hat seit Montag jeweils ein Testzentrum (offiziell Abstrichzentrum) in Winsen und Buchholz. In Winsen ist der Container direkt vor der Notfallaufnahme am Krankenhaus platziert worden.

Coronavirus: Der Landkreis Harburg hat seit Montag jeweils ein Testzentrum (offiziell Abstrichzentrum) in Winsen und Buchholz. In Winsen ist der Container direkt vor der Notfallaufnahme am Krankenhaus platziert worden.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Die Kliniken zwischen Stade und Lüneburg bereiten sich auf mehr ernsthaft erkrankte Corona-Patienten vor.

Buchholz/Buxtehude.  In den Landkreisen Harburg und Stade werden derzeit die Möglichkeiten ausgebaut, um auf eine befürchtete Verschärfung der Corona-Krise vorbereitet zu sein. Gestern kam dazu im Landkreis Harburg eine Runde von Winsener Kreisverwaltung und den Vertretern der Kreis-Kliniken zusammen. Dabei habe man sich zunächst auf eine „deutliche“ Ausweitung der Regel-Kapazitäten verständigt, hieß es im Winsener Kreishaus. Behelfs-Krankenhäuser seien in diesem „ersten Schritt“ noch nicht beschlossen worden, aber nicht ausgeschlossen.

Für provisorische Krankenhäuser gibt es nur eine Vorplanung

Und auch im benachbarten Landkreis Stade bereitet sich der Corona-Krisenstab auf einen Anstieg der Zahlen vor. Sollten die Kapazitäten in den beiden Häusern der Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude nicht mehr ausreichen, gebe es auch eine „Vorplanung“ für provisorische Notfall-Krankenhäuser, aber noch keinen konkreten Standort, sagte ein Sprecher dem Abendblatt.

Fallzahlen steigen weiter

Unterdessen steigen in beiden Landkreisen die Zahlen der registrierten Corona-Infizierten weiter: Nach letzten Stand waren es im Kreis Harburg 126, zwölf mehr als am Vortag, 15 Patienten sind aber auch wieder gesund. Und der Landkreis Stade meldete mit Stand Donnerstag 74 positiv getestete Fälle und damit neun mehr als am Vortag. 18 Corona-Patienten im Kreis Stade gelten nach negativen Tests wieder als gesund.

In der Regel gilt, dass die von dem neuartigen Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 laut Robert-Koch-Institut in etwa sechs Prozent der Fälle einen sehr schweren bis lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann. Mehr Fälle bedeutet dann mehr Patienten, die intensiv behandelt werden müssen.

36 Betten mit Beatmungsgeräten in Winsen und Buchholz

In den beiden Kreis-Krankenhäusern Winsen und Buchholz stehen jetzt insgesamt 36 Betten mit Beatmungsgeräten bereit. „Damit haben wir die Zahl verdoppelt“, sagte der Geschäftsführer der Häuser, Norbert Böttcher. In Winsen werden derzeit acht Verdachtsfälle auf den Corona-Virus behandelt, zwei Patienten sind erkrankt. Einer von ihnen liegt auf der Intensivstation.

Kittel und Masken sind ausreichend auf Lager

Die Lage auf dem Markt für Einmalartikel wie Kittel und Masken habe sich für die Kliniken etwas entspannt, so Böttcher. Der Vorrat werde von zwei Wochen auf einen Monat ausgebaut. Ein hoher Bedarf besteht weiter an Desinfektionsmitteln. Einige Mitarbeiter, insgesamt weniger als zehn, wurden inzwischen positiv auf den Virus getestet. Sie sind in Quarantäne zu Hause. „Sie haben sich nachweislich außerhalb der Krankenhäuser angesteckt. Bei der Arbeit im Krankenhaus besteht weiter nicht das Risiko, sich anzustecken“, sagte Christian Pott, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Buchholz. Für Besucher gilt weiter: Sie haben bis auf Ausnahmefälle keinen Zutritt zu den Kliniken.

Lüneburg schafft zusätzliche Bettenkapazitäten

Und auch in Lüneburg laufen in den Häusern der Gesundheitsholding GmbH die Vorbereitungen: In der Psychiatrischen Klinik seien beispielsweise drei Stationen „freigezogen“ worden, meldete das Unternehmens. „Wenn die Kapazitäten des Klinikums erschöpft sind, können wir hier Patienten versorgen, die keine intensivmedizinische aber eine klinische Versorgung benötigen“, sagt Geschäftsführer Rolf Sauer.

400 Betten für Coronapatienten im Kreis Stade

Im Landkreis Stade haben die beiden Häuser der Elbe Kliniken indes ihre Auslastung auf 50 Prozent heruntergefahren, wie ein Sprecher des Elbklinikums sagte. Alle verschiebbaren Operationen seien verschoben worden. 400 Betten stünden daher jetzt für mögliche Corona-Patienten zur Verfügung. In Stade wurde dazu ein ganzes Stockwerk freigeräumt, um einen möglichst gut isolierten Bereich zu erhalten. Normalerweise seien Buxtehude und Stade mit fast 100 Prozent ausgelastet.

Anfang der Woche gab es im Landkreis Stade allerdings erst 19 Beatmungsgeräte, die bei schwerem Verlauf lebenswichtig werden können. Inzwischen habe man sechs nachbestellen können und habe weitere in Aussicht, so der Sprecher. Auch Schutzkleidung gebe es noch im Bestand, weitere sei bestellt. Allerdings macht den Kliniken im Kampf gegen das Corona-Virus hier zunehmend die Preisentwicklung den Einkauf schwer. So sei der Preis für einfache Mundschutz-Masken um etwa das Zwölffache gestiegen, hieß es beim Elbklinikum.

Bei einer solchen Entwicklung werde der von der Bundesregierung als Pauschale pro Patient vorgesehene Betrag von 50 Euro nicht ausreichen, kritisiert daher Elbe Kliniken-Geschäftsführer Siegfried Ristau: Und auch die aus Bundesmitteln beschaffte persönliche Schutzausrüstung habe die Kliniken zudem noch nicht erreicht. Ristau: „Wie lange unsere Bestände halten, hängt stark davon ab, wie schnell und wie stark sich die Lage verschärft.“