Harburg
Geisterhaft

Im Yachthafen Finkenwerder herrscht gähnende Leere

Viele Stege sind schon wieder im Wasser – doch dann wurde der Start der Segelsaison gestoppt.

Viele Stege sind schon wieder im Wasser – doch dann wurde der Start der Segelsaison gestoppt.

Foto: Axel Tiedemann / HA

Die meisten Schiffe sind noch immer im Winterlager. Nur viele Stege wurden schon gelegt. Segler rechnen mit Saison-Ausfall.

Finkenwerder.  Ein sonniger Spätmärz-Tag am Rüschkanal auf Finkenwerder: Hier in dem nach Wedel zweitgrößten Yachthafen an der Elbe herrscht sonst zum jetzigen Saisonbeginn Hochbetrieb: In den Hallen der dort ansässigen acht Vereine werkeln dann die Eigner, gemeinsam legt man die Stege aus, bringt die Jachten auf den Rampen oder per Kran ins Wasser. Jetzt ist es dort so ruhig wie an einem frostigen Wintertag. Kaum ein Boot liegt im Wasser, die Hallen sind geschlossen, kein Mensch bastelt an einem Schiff. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Virus-Verbreitung haben eben auch den Wassersport an der Elbe getroffen.

Die Anlagen der Vereine sind gesperrt

„Anlage gesperrt“, ist auf einem großen Schild am Eingangs-Gittertor eines Vereinsgeländes zu lesen. Dahinter wirbelt der Wind auf dem menschenleeren Gelände ein Stück Plastik zwischen den mit Planen verhüllten Booten. „Wer weiß, vielleicht fällt sogar die gesamte Saison aus“, sagt der Obmann der Segelabteilung im TuS Finkenwerder, Holger Tormählen. Gut 170 der rund 450 im Finkenwerder Rüschkanal beheimaten Segel- und Motorjachten gehören zum TuS, der damit der größte Verein im gemeinsamen Hafen ist. Vor einigen Tagen, so berichtet Tormählen, hätten die Vereinsmitglieder noch die ersten Steg-Anlagen aus ihrem Winterlager ins Wasser gebracht. Doch dann mussten mit der Allgemeinverfügung zur Corona-Eindämmung auch Sportanlagen geschlossen werden — wozu eben auch Jachthäfen von Vereinen zählen.

Kontaktverbot macht gemeinsames Arbeiten unmöglich

Mit dem Kontaktverbot ist nun das gemeinsame Arbeiten auf dem Vereinsgelände nicht mehr möglich. „Wir haben uns da im Hafen für eine einheitliche Lösung abgesprochen“, so Tormählen. Auch in den Hallen und selbst im Freigelände dürfe daher nicht mehr gearbeitet werden. Ein Bild, wie es sich derzeit überall entlang der Elbe bietet. Die vielen Vereinshäfen sind hier teils mit Absperrband geschlossen, die Boote liegen verhüllt an Land. „Wo sollte man dann auch hin?“, fragt TuS-Segelobmann Tormählen. Denn auch die Ostsee-Häfen, vielfach Ziel von Hamburger Seglern, sind geschlossen, die Einreise wie nach Dänemark verboten.

Zulieferer haben noch zu tun

Noch bekommen diesen jähen Stopp der Saison die vielen Zulieferbetriebe offensichtlich noch nicht voll zu spüren. „Als Gewerbebetrieb dürfen wir weiter arbeiten und sind noch ausgelastet“, heißt es beispielsweise beim einem Altländer-Bootsmotorenservice. Nur bei Außenterminen gebe es Einschränkungen. Die Stader Segelwerkstatt hat indes ihren Betrieb für den Kundenverkehr eingestellt, wie es in ihrem Newsletter heißt. Aufträge würden aber telefonisch angenommen und neue Segel oder Reparaturen dann ausgeliefert.

Gearbeitet werden darf auch noch in den gewerblichen Werfthäfen wie bei Hoyer auf Finkenwerder. Hier werden auch noch Kunden-Boote mit dem Kran zu Wasser gelassen. „Wir machen das aber unter Ausschluss der Eigner“, heißt es dort auf Nachfrage. Noch habe man zu tun, so die Auskunft.

Wie lange dieser Zustand noch andauern kann — darauf weiß auch Segel-Obmann Tormählen keine Antwort. Vorerst soll die Sperrung für Finkenwerder bis 30. April gelten. Man gehe aber davon aus, dass das noch verlängert wird, so Tormählen: „Das ist natürlich traurig, in der jetzigen Situation aber absolut einsehbar. Es gibt Schlimmeres, als wenn mal eine Saison ausfällt.“