Harburg

Wie ein Hausarzt die Krise erlebt

Der Allgemeinmediziner Norbert Eckhardt hat seine Praxis in Fischbek und engagiert sich für die SPD in Neu Wulmstorf

Der Allgemeinmediziner Norbert Eckhardt hat seine Praxis in Fischbek und engagiert sich für die SPD in Neu Wulmstorf

Foto: Axel Tiedemann / AT

Seit 25 Jahren ist Dr. Norbert Eckhardt Hausarzt im Hamburger Süden. Seine Fischbeker Praxis zählt zu einer der größten in Hamburg

Fischbek . Seit 25 Jahren ist Dr. Norbert Eckhardt niedergelassener Hausarzt im Hamburger Süden. Seine Fischbeker Praxis zählt mit bis zu 1300 Patienten zu einer der größten ihrer Art in Hamburg. In seinem Wohnort Neu Wulmstorf engagiert sich Eckhardt zudem für die Landkreis-SPD und ist dort Fachmann für gesundheitspolitischen Fragen. Oft wies er darauf hin, dass die Ärzteversorgung im Süderelberaum kaum mit der dynamischen Bevölkerungswachstum hier Schritt halten könne. Wie erlebt der erfahrene Arzt die Covid-Krise?

Herr Dr. Eckhardt. Wie sieht es jetzt im Praxis-Alltag aus: Corona, Erkältungen, andere Krankheiten — kommt jetzt vieles auf einmal, erleben sie einen noch größeren Ansturm als sonst schon?

Dr. Norbert Eckhardt: Nein, in der Praxis selbst ist jetzt eigentlich wenig los. Und ich habe wieder jede Menge Zeit für die Menschen: Tumor-Patienten, welche mit Herz- oder Kreislaufkrankheiten.

Woran liegt das, kommen nicht viele Leute mit Angst vor einer Infizierung mit dem neuartigen Corona-Virus zu Ihnen?

Wir haben hier metergroße Schilder aufgestellt, dass man mit Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen nicht die Praxis kommen soll.

Warum?

Um andere nicht zu gefährden. Wir können direkt wenig machen, weil wir kaum noch Schutzkleidung besitzen, ein paar Handschuhe und Kittel noch, aber gar keine Schutzbrillen mehr. Das soll zwar alles zentral bestellt sein, ist aber nicht angekommen. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für manche Medikamente, die nicht mehr geliefert werden. Das kommt heute fast alles aus Asien. Ein bekanntes Schmerzmittel, das jetzt in Indien hergestellt wird, etwa. Oder auch manche Antidepressiva.

Wie wird nun bei Erkältungsanzeichen verfahren?

Wir fragen am Telefon nach bestimmten Vorgaben die Symptome ab: Trockener Husten, Fieber, Schlappheitsgefühl aber nicht unbedingt Schnupfen: so etwas kann auf eine Corona-Infektion hinweisen. Und wenn die Leute dann noch aus einem der Risikogebiete wie Italien aus dem Urlaub kommen, empfehlen wir einen Test. Da aber alle offiziellen Stellen hoffnungslos überlastet sind, immer am besten die Hausärzte anrufen. Das ist zur Zeit unser Hauptjob, eher der meiner Mitarbeiter. Die Ohren klingeln, der Hörer raucht. Ich übernehme dann die, wo es uneindeutig ist. Meine Mitarbeiter müssen derzeit viel mehr schuften als ich.

Wie läuft das weitere Verfahren nach einem solchen telefonischen Kontakt ab, wie bekommt man einen solchen Test?

Über den ärztlichen Notdienst. Aber die Patienten kommen dort per Telefon oft nicht mehr durch, deshalb machen wir das, wir haben einige Geheimnummern. Und beim Notdienst haben sie noch Schutzbekleidung und fahren direkt zu den Menschen, um einen Abstrich vor zunehmen. Das ist in Hamburg eigentlich sehr gut organisiert. Besser, wie ich finde, als in Niedersachsen bisher, wo die Leute letzte Woche noch mit Überweisungen zu Testzentren wie in Stade selbst fahren mussten.

Wie erfahren Sie, ob einer Ihrer Patienten positiv getestet wurde?

Ich erfahre es gar nicht und muss hinterher telefonieren. Aber das ist dann auch nicht mehr meine Aufgabe, das übernimmt dann das Gesundheitsamt.

Und wie ist es jetzt mit normalen einfachen Erkältungen?

Da können Ärzte jetzt nach einem Telefongespräch die Krankschreibung ausstellen. Dadurch fallen in der Praxis jetzt die ganzen Leute weg, die eigentlich keinen Arzt sehen müssen, aber eine Krankschreibung brauchen und die Praxis verstopfen.

Könnte man so etwas nicht auch außerhalb von Krisenzeiten so regeln, um die Praxen zu entlasten?

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz AU, per Telefon ist normalerweise verboten. Weniger Menschen in der Praxis, die auch meine Oma behandeln könnte, wären aber sicher sinnvoll.

Haben Sie schon Corona-Patienten, die telefonisch mit Ihnen in Kontakt stehen?

Einen 70-Jährigen, der war in Südtirol.

Und was sind dann die Anzeichen, dass es schlechter verläuft und man eventuell ins Krankenhaus muss?

Wenn die Atem-Not größer wird, das Fieber anhaltend ist. Oft wird es in der zweiten Woche noch einmal schlechter.