Jugendzentrum

Das „Meckziko“ hat eine neue Chefin

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Lena Thiele
Das Jugendzentrum „Meckziko“ in Meckelfeld hat eine neue Leiterin: Susanne Thömen (42), hier mit Honorarkraft Justin Kneifel (22) am Kickertisch.

Das Jugendzentrum „Meckziko“ in Meckelfeld hat eine neue Leiterin: Susanne Thömen (42), hier mit Honorarkraft Justin Kneifel (22) am Kickertisch.

Foto: Lena Thiele

Susanne Thömen arbeitet seit 18 Jahren im Meckelfelder Jugendzentrum. Als Leiterin will sie die Elternarbeit ausbauen.

Meckelfeld. Wer einmal im „Meckziko“ war, komme nicht mehr weg. Dieser Spruch kursiere in dem Meckelfelder Jugendzentrum, sagt Susanne Thömen mit einem Lachen. Seit 18 Jahren begleitet die Erzieherin hier Jugendliche, zum Jahresbeginn hat sie nun die Leitung der Einrichtung am Appenstedter Weg übernommen. Sie folgt auf Markus Heinrich, der nun den Bereich Jugendpflege bei der Gemeinde Seevetal leitet. Zum „Meckziko“-Team zählen zwei weitere fest angestellte Erzieher – eine dieser Stellen wird zurzeit neu besetzt –, eine Hauswirtschaftskraft und mehrere Honorarkräfte.

Als neue Leiterin will Susanne Thömen einige Neuerungen einbringen, das bestehende Konzept aber beibehalten. Die beiden Schwerpunkte des „Meckziko“ bleiben bestehen: Der Hausaufgabentreff ab 11.30 Uhr, den vor allem Schüler der fünften bis zehnten Klassen besuchen, und der offene Bereich von 16 bis 20 Uhr, den auch ältere Jugendliche nutzen. Etwa 35 Kinder aus der nahe gelegenen Oberschule, dem Gymnasium und der Buchholzer Förderschule kommen montags bis donnerstags zum Mittagessen hierher. An diesem Tag gibt es Hühnchen-Enchiladas und zum Nachtisch Grießbrei, wie auf einer Tafel an der Wand neben der Küche zu lesen ist.

Mit einfachen Mitteln gesund ernähren

„Wir haben wahnsinniges Glück, dass das Essen hier frisch zubereitet wird“, sagt Susanne Thömen. Der gelernten Erzieherin ist es nicht nur wichtig, dass alle gemeinsam an einem Tisch essen. Sie will auch, dass die jungen Besucher lernen, wie man sich mit einfachen Mitteln gut ernähren kann. Deshalb hat sie zusätzlich das gemeinsame Kochen am Mittwoch eingeführt. „Da machen wir es uns richtig schön. Das ist immer ein begehrter Tag.“

Zu den regelmäßigen Angeboten zählen Hallenfußball, Chorsingen und ein Keramikkursus. Die Ergebnisse dieses Kreativangebots füllen bereits mehrere Regale. In der großen Halle – dem „Herzstück“ des Hauses, wie Susanne Thömen es nennt – stehen Sofas, Kickertische und ein großer Billardtisch. An der Wand hängen eine Dartscheibe und ein großer Bildschirm. Im Obergeschoss gibt es ein Tonstudio, einen Übungsraum für Bands und einen Bewegungsraum. Wer sich für einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum bewerben will, erhält im „Meckziko“ Unterstützung. Die Betreuer gucken mit über die Unterlagen, geben Tipps und üben mit den Jugendlichen auch Bewerbungsgespräche.

Im Verlauf der Jahre hat Susanne Thömen beobachtet, dass die jungen Menschen nicht nur bei der Zukunftsplanung zunehmend Orientierung suchen. Auch durch die Medienwelt und vermeintlich perfekte Influencer seien viele Jugendliche verunsichert. „Sie fragen sich, wo sie hingehören, was gut ist und was schlecht“, sagt sie. „Viele erwarten, dass die Zukunft ruhmreich sein muss. Wir versuchen ihnen zu zeigen, dass auch ein Handwerker einen tollen Beruf hat und genug Geld für ein schönes Leben verdienen kann. Sie sollen genau gucken, was sie selbst gut können. Diese Basis zu schaffen, dass die Jugendlichen sich selbst gut aufstellen, das ist eine unserer größten Aufgaben.“

Selbstbehauptungskursus für Mädchen im Angebot

Ein besonders Anliegen ist ihr die Mädchenarbeit. Einmal im Jahr gibt es eine Poolparty für Mädchen und im Selbstbehauptungskursus geht es um die eigenen Stärken. Auch einen Schwimmkursus nur für Mädchen hat es schon gegeben, dafür wurde extra die Schwimmhalle gesperrt. So konnten auch Schülerinnen teilnehmen, die normalerweise kein Schwimmbad besuchen dürfen – eine der kulturellen Herausforderungen, vor denen die Mitarbeiter im „Meckziko“ immer wieder stehen. Demnächst steht ein „Schokotag“ an. Es werde natürlich Schokolade zum Essen geben, sagt die Pädagogin. „Aber wir werden uns auch mit der ‘Schokoladenseite’ beschäftigen, die viele Mädchen gern von sich in den sozialen Medien zeigen wollen, und uns mit der Frage beschäftigen, welche Fotos sie von sich selbst ins Netz stellen.“

Ausbauen will die neue Leiterin auch die Elternarbeit. Damit sich Gespräche mit Müttern und Vätern nicht vor allem um Schwierigkeiten drehen, will sie unkomplizierte Treffen anbieten – ohne Aufwand, ohne Verpflichtung, ohne größere Kosten. So wie in dieser Woche ein gemeinsames Abendbrot mit Jugendlichen und Eltern, bei denen sie Zeit miteinander verbringen und sich über schöne Dinge austauschen konnten.

Diskutieren gehört zum Bildungsauftrag

Natürlich werde in dem Jugendzentrum häufig diskutiert, sagt Susanne Thömen. „Das ist unser Bildungsauftrag.“ Ebenso wichtig sei das Miteinander, das hier sehr gut funktioniere. „Es hat sich toll entwickelt, wie die Jüngeren und die Älteren miteinander umgehen. Ich denke, alle schätzen diese familiäre Atmosphäre bei uns.“ Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter jeden Besucher per Handschlag begrüßen, und damit willkommen heißen. In diesen Tagen muss die wertschätzende Geste allerdings pausieren – das Coronavirus ist auch hier Gesprächsthema.

Von so etwas lässt sich Susanne Thömen nicht aus der Ruhe bringen. „Die Arbeit mit den Jugendlichen hält jung, man ist immer am Puls der Zeit“, sagt die 42-Jährige, die die Veränderung liebt und mit ihrem Team viel ausprobiert. Zudem investieren sie viel Zeit in die Beziehungsarbeit, hören in Ruhe zu, wenn es um Freundschaften, Leistungsdruck und Knatsch mit den Eltern geht. All das kommt offenbar gut an bei den jungen Besuchern des „Meckziko“, die ihre Wertschätzung auch zeigen, wie Susanne Thömen betont. „Es ist toll, welche Herzlichkeit die Jugendlichen uns hier entgegen bringen.“

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