Virus Covid-19

Corona-Verdachtsfall im Landkreis Harburg aufgetreten

Ernst-Friedrich Menges ist Inhaber der Schäfer-Apotheke in der Rathausstraße und der Apotheke am Veritaskai. Das Coronavirus führt zu Engpässen bei Desinfektionsmitteln.

Ernst-Friedrich Menges ist Inhaber der Schäfer-Apotheke in der Rathausstraße und der Apotheke am Veritaskai. Das Coronavirus führt zu Engpässen bei Desinfektionsmitteln.

Foto: Rolf Zamponi

Ansturm auf Apotheken und Drogerien in Harburg – dort gehen die Desinfektionsmittel aus. Erste Flohmärkte abgesagt.

Winsen/Harburg. Im Landkreis Harburg sind die ersten drei Verdachtsfälle für eine Corona-Infektion aufgetreten. Für einen von ihnen wird nach einem Test erst für Montagnachmittag ein Ergebnis erwartet. Die beiden anderen Fälle sind bereits abgeklärt. Sie stellten sich als unbegründet heraus, wie Kreis-Sprecher Andres Wulfes am Montag mitteilte.

Covid-19: Corona-Verdachtsfall im Landkreis Harburg

Beim Gesundheitsamt gingen inzwischen viele Anrufe von besorgten Bürgern ein, sagte Wulfes. Sie fragten sich, ob ihre Symptome auf das Virus Covid-19 hinweisen oder ob sie mit dem Zug fahren dürften, berichtet der Kreis-Sprecher. „Wir bemerken also eine gewisse Verunsicherung.“ Vieles lasse sich jedoch telefonisch abklären. Entscheidend sei, ob der Anrufer zuvor Kontakt zu erkrankten Menschen hatte oder in einem der Risikogebiete unterwegs war, zu denen Regionen in China, im Iran, in Südkorea aber auch in Italien zählen.

Desinfektionsmittel für die Hände sind nach einer Stichprobe des Abendblatts kaum mehr zu haben. „Sie sind weder verfügbar noch bestellbar“, sagte der promovierte Apotheker Mario Schuler, der mit seiner Frau die Damian Apotheke am Sand führt. Auch bei der Filiale der Drogeriekette DM in der Lüneburger Straße sind die Mittel ausverkauft, bei Budnikowsky im Einkaufszentrum Arkaden wollte man sich nicht äußern.

Coronavirus im Norden: Die Desinfektionsmittel gehen zur Neige

„Wir haben immerhalb von 14 Tagen wohl 1000 Liter von Flüssigkeiten zur Desinfektion verkauft. Das ist etwa das 20-30fache der üblichen Menge. Jetzt sind unsere Vorräte erschöpft“, sagte Ernst-Friedrich Menges, Inhaber der Schäfer Apotheke in der Rathausstraße und der Apotheke am Veritaskai. Wann wieder Nachschub kommt, ist offen.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen:

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig die Hände waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Coronavirus: Ein bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten halten

Menges erwartet, dass künftig auch 13 bis 14 Standardwirkstoffe gegen Schmerzen, für Diabetiker, Kreislaufmittel oder Blutdrucksenker knapp werden könnten. Hintergrund ist, dass sie oftmals in der vom Coronavirus betroffenen chinesischen Region Hubei hergestellt werden. „Wir haben jetzt vorausschauend gehandelt und unseren Vorrat in der vergangenen Woche aufgestockt. Er ist jetzt auf einen Bedarf von einem Monat statt für üblicherweise 14 Tage ausgerichtet“, so Menges.

Apotheker: "Es gibt keinen Grund zur Panik"

Beide Apotheken-Chefs weisen erneut darauf hin, dass man mit Wasser und Seife und häufigem Händewaschen ebenfalls ausreichend gesichert ist. „Bei den Standardmedikamenten kämpfen wir ganz abgesehen von Corona schon länger mit Lieferengpässen“, heißt es aus der Damian Apotheke. Diese Engpässe sind die Folge vom Preisdruck auf dem Weltmarkt und Ausfällen bei den wenigen Herstellern in Asien. „Wir weichen dann auf andere Packungsgrößen, mögliche weitere Hersteller oder andere Wirkungsstärken aus und sprechen dies mit den verschreibenden Ärzten ab. Lösungen finden wir immer. Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte Schuler.

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Wie sich die Lage bei den Ärzten im Landkreis aktuell auswirkt, blieb am Montag vorerst unklar. Jörn Nesemann, der Vorsitzende des Vorstandes des Ärztevereins Landkreis Harburg, nahm dazu gestern nicht Stellung. Dagegen verwies Landrat Rainer Rempe darauf „nicht in Panik zu verfallen. Die Situation erfordert Besonnenheit und Disziplin.“

Kreisverwaltung bereitet sich auf steigende Infektionszahlen vor

Die zuständigen Mitarbeiter in der Kreisverwaltung beobachten die steigenden Infektionszahlen und bereiten sich auf eine mögliche weitere Ausbreitung in Norddeutschland vor. „Wir hoffen aber alle, dass es nicht dazu kommen wird“, sagt Rempe. „Wir werden alles tun, um unsere Bevölkerung zu schützen. Dafür ist der Kreis gut aufgestellt und gut vorbereitet. Das Expertengremium in der Kreisverwaltung ist in der Lage, schnell Maßnahmen zu ergreifen.“ Für die 1000 Mitarbeiter der Kreisverwaltung wurden jetzt Desinfektionsmittel geordert.

Dennoch: Die ersten Veranstaltungen in der Region wurden jetzt abgesagt: Sowohl der Nummernflohmarkt im Kindergarten Wulfsen als auch der Kinderkleider-Basar des MTV Hoopte finden nicht statt. „Die Besucher können sich in den Sporthallen kaum aus dem Weg gehen“, sagte die Vereinsvorsitzende Sigrid Harms. „Das können wir nicht machen.“ Nächster Termin ist der 12. September.

Coronavirus breitet sich aus: Was Ärzte tun

Eine Orientierungshilfe des Robert Koch Instituts (RKI) regelt, wie Ärzte einen Covid-19-Verdacht in ihren Praxen abklären sollen und welche Maßnahmen gegebenenfalls zu ergreifen sind.

Bei der Aufnahme erhält der Patient sofort einen Mund-Nasen-Schutz. Zeigt er Symptome und war zudem in einem Risikogebiet oder hatte Kontakt zu einem Erkrankten, wird er isoliert.

Ein begründeter Verdachtsfall wird gemeldet. Der Patient kommt in Schutzkleidung in einen separaten Raum. Bei schwerer Erkrankung oder bestätigtem Verdacht wird er im Krankenhaus behandelt.

Das Bundesgesundheitsministerium informiert unter Telefon 030/346 465 100, das RKI im Internet auf www.rki.de/covid-19.