Bürgerschaftswahl in Harburg

Sie ziehen für den Süden ins neue Parlament

| Lesedauer: 6 Minuten
Lars Hansen
Die Bürgerschaft tagt im Hamburger Rathaus und muss sich jetzt in neuer Besetzung zusammenfinden

Die Bürgerschaft tagt im Hamburger Rathaus und muss sich jetzt in neuer Besetzung zusammenfinden

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die Bezirke Harburg und Süderelbe sind stark in der neuen Bürgerschaft vertreten. Doch es gibt Besonderheiten.

Harburg.  Die mittlerweile komplett ausgezählte Bürgerschaftswahl bringt auch für den Bezirk Harburg und sein direktes Umfeld deutliche Veränderungen mit sich. Sören Schumacher (SPD), Britta Herrmann (Grüne) und Birgit Stöver (CDU) ziehen für den Wahlkreis Harburg, Matthias Czech (SPD), Gudrun Schittek (Grüne) und André Trepoll (CDU) für den Wahlkreis Süderelbe in die Bürgerschaft ein. Zu den sechs direkt gewählten Abgeordneten aus Harburg und Süderelbe kommen neun, die über die Landeslistenplätze und Landes-Persönlichkeitsstimmen ins Parlament gewählt wurden.

Über die SPD-Landesliste ziehen Melanie Leonhard, Claudia Loss, Sami Musa und Michael Weinreich ins Rathaus ein, bei den Grünen ist Miriam Block Landeslistenabgeordnete geworden, von der Linken-Liste kommen die Wilhelmsburgerin Stephanie Rose und die Harburgerin Sabine Boeddinghaus, von der AfD Monika Winkler und Olga Petersen. Dazu gesellen sich der Finkenwerder Sozialdemokrat Ralf Neubauer und der Wilhelmsburger Grüne Gerrit Fuß im Wahlkreis Finkenwerder, Wilhelmsburg und Billstedt.

Wilhelmsburg entsendet drei Abgeordnete

Wilhelmsburg ist mit Fuß (direkt im Wahlkreis gewählt), Weinreich und Rose (beide mit Personenstimmen der Landesliste gewählt) mit gleich drei Abgeordneten vertreten. Auffallend ist ein Effekt, der eigentlich umgekehrt sein sollte: In den Wahlkreisen Harburg und Süderelbe haben die SPD-Direkt-Kandidaten weniger Stimmen geholt als die Landesliste ihrer Partei, während die CDU-Abgeordneten die Landeslistenergebnisse ihrer Partei übertrafen. Im Wahlkreis Harburg erreichte die SPD-Landesliste 40,7 Prozent und die CDU 11,1 Prozent. Ging es allerdings darum, welche Personen den Wahlkreis vertreten sollen, sackte die SPD auf knapp über 35 und die CDU holte mehr als 17 Prozent.

Kandidaten der CDU ziehen in Harburg und Süderelbe

Ähnlich die Situation in Süderelbe: 43,9 Prozent SPD und 13,7 CDU auf der Landesliste, aber bei der SPD nur 37,4 und bei der CDU stolze 20,7 Prozent für die jeweiligen Kandidaten. „Das freut mich natürlich für Bürgermeister Peter Tschentscher“, sagt Sören Schumacher, SPD-Spitzenkandidat im Wahlkreis Harburg, „denn er hat hier ja sogar ein höheres Ergebnis eingefahren als im Hamburger Schnitt. Und ich glaube viele Menschen, die sonst nicht SPD gewählt hätten haben ihre Stimme explizit für ihn abgegeben, damit er Bürgermeister bleibt und nicht etwa eine Grüne Bürgermeisterin wird. Diese Wähler haben sich dann bei den Wahlkreisabgeordneten wohl noch einmal anders entschieden.“ Schumacher glaubt, dass es wohl nicht allen SPD-Abgeordneten gelungen sei, den Wählern zu vermitteln, dass sie in den vergangenen fünf Jahren etwas für Harburg bewegt haben.

„Dabei ist es einiges“, sagt Schumacher. „Die Sanierungsmittel für die Harburger Innenstadt, Eißendorf und Wilstorf, die Restaurierung des Sportplatzes Außenmühle, die Ansiedlung des Fraunhofer-Instituts – das sind alles Ergebnisse beharrlicher politischer Arbeit.“ Schumachers Wahlkampfgegnerin von der CDU war Birgit Stöver. „Ich glaube, wir haben eine Menge richtig gemacht“, sagt sie. „Angefangen bei der Vielfältigkeit unser Wahlkampfliste über freche und pointierte Slogans, bis hin zu schlichtem Fleiß: Immerhin haben wir 750 Plakate aufgestellt und 20.000 Flyer verteilt. Letztlich ist es auch so, dass wir über die Verschiedenheit der Kandidaten weit und tief im Wahlkreis vernetzt sind. Das hat uns Stimmen gebracht.“

Matthias Czech, SPD-Spitzenkandidat in Süderelbe, sieht die Gründe für die Diskrepanz zwischen dem Landeslisten- und dem Kandidatenergebnis im Wahlkreis ähnlich, wie sein Genosse Schumacher: „Zum einen wollten viele Wähler, dass der Bürgermeister Bürgermeister bleibt, zum anderen aber gab es hier Kandidaten, die es versäumt haben, sich als Abgeordnete einen Namen zu machen.“

Als Oppositionsführer Präsenz in den Medien

Einen Namen hat sein CDU-Gegenkandidat André Trepoll auf alle Fälle: „Ich hatte hier den Vorteil, dass ich fünf Jahre lang als Oppositionsführer eine gute Medienpräsenz hatte“, analysiert der CDU-Fraktionsvorsitzende der vergangenen Legislatur sein Ergebnis. „Deshalb konnte ich die Anzahl meiner Stimmen auch noch einmal steigern. Aber dazu kommt dann eben auch, dass ich hier in der Region seit meinem 16. Lebensjahr politisch aktiv und deshalb mittlerweile bekannt bin. Wahrscheinlich spielt auch noch hinein, dass wir eine laute und kritische Opposition waren, also unseren Job gut gemacht haben. Aber das will ich jetzt selbst nicht beurteilen.“

Erstmals seit fünf Jahren gibt es ab dem 18. März wieder Grünen-Abgeordnete aus dem Hamburger Süden in der Bürgerschaft.

In den Wahlkreisen war die Partei zuvor gegen SPD und CDU chancenlos gewesen und auf der Grünen-Landesliste hatten sich die Harburger 2015 nicht gegen die Hamburger Konkurrenz behaupten können und nur chancenlose Plätze erhalten. Jetzt sieht das schon anders aus: Drei Wahlkreismandate – allesamt der SPD abgerungen – und ein Landeslistenmandat ergeben einen starken Süd-Block in der 31-köpfigen Grünen-Bürgerschaftsfraktion.

„Es gibt viele Harburgerinnen und Harburger, die uns am ehesten zutrauen, die Aufgaben, die im Hamburger Süden anstehen, gleichzeitig energisch und doch mit Bedacht durchzusetzen“, sagt Britta Herrmann, zukünftig Abgeordnete für den Wahlkreis Harburg. „Ob das nun die Verkehrswende ist, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am politischen Geschehen oder aber ein Wohnungsbaukonzept, dass die Befriedigung des großen Bedarfs an Familien-wohnraum mit dem ökologischen Anspruch schonender Nachverdichtung verbindet.“

In der ersten Fassung des Artikels war die Linken-Abgeordnete Stephanie Rose vergessen worden. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg