Harburg
Stadtentwicklung

Szenetreff am Wasser: Harburg bekommt einen neuen Beachclub

In Harburg soll ein neuer Beachclub entstehen. Am Treidelweg untersucht ein Taucherteam den Hafengrund vor der Kaimauer nach Kampfmittel-Altlasten.

In Harburg soll ein neuer Beachclub entstehen. Am Treidelweg untersucht ein Taucherteam den Hafengrund vor der Kaimauer nach Kampfmittel-Altlasten.

Foto: Angelika Hillmer/HA

Viele Pläne, die im Stadtentwicklungsausschuss verkündet wurden: Hilke Likörfabrik ist zu retten, Innovationspark wird ausgebaut.

Harburg. Im Sommer 2022 wird Harburg wieder einen Beachclub haben. Das kündigte Harburgs neuer Baudezernent Hans Christian Lied im Stadtentwicklungsausschuss an. Doch zuvor muss am neuen Standort am Treidelweg die marode Kaimauer aus dem Jahr 1919 denkmalschutzgerecht erneuert werden. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen und werden eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Zum Jahresbeginn 2022 soll dann die Fläche an einen Beachclub-Betreiber übergeben werden.

Derzeit untersuchen Taucher den Hafengrund vor der 285 Meter langen Kaimauer nach Kampfmitteln ab. Die Mauer selbst steht auf stark beschädigten Holzpfählen. Landseitig ist an mehreren Stellen der Boden abgesackt – dieser Kaiabschnitt sei dringend sanierungsbedürftig, sagte Uwe Pfeiffer vom Ingenieurbüro Sellhorn im Ausschuss.

Das Büro hat die Baumaßnahme geplant, für die 5,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Kaikante soll mit einer Spundwand gesichert werden. An sie wird dann eine Backsteinmauer angehängt, die dem historischen Vorbild im Verlauf und mit ihrer Ausstattung möglichst nahekommt.

Öffentlicher Weg wird Beachclub vom Wasser trennen

Am Kai sollen später wieder Sportboote anlegen. Deshalb wird es zwischen der Wasserfläche und dem Beachclub einen etwa sechs Meter breiten Streifen geben, mit Pollern oder Ringen zum Festmachen der Boote und einem öffentlichen Weg.

Die Landfläche dahinter gehört der Stadt und wird mit der Vorgabe, dort einen Beachclub zu betreiben, öffentlich ausgeschrieben werden. Diese Ausschreibung solle möglichst bald erfolgen, sagte Britta Herrmann (Grüne) in der Ausschusssitzung: „Es gilt zu verhindern, dass wir 2022 eine fertige Fläche haben, aber der Betreiber noch nicht gefunden ist.“

Ein möglicher Betreiber ist der Harburger Gastronom und Veranstaltungsmacher Heiko Hornbacher. Er hatte den Veritas Beach zum beliebten Harburger Treffpunkt gemacht. Der Beachclub musste im Oktober 2015 einem Hotelneubau weichen, der bis heute nicht begonnen wurde. „Wir haben große Ambitionen, am Treidelweg etwas zu machen“, sagte Hornbacher dem Abendblatt.

„Aber wir werden uns nur bewerben, wenn die in der Ausschreibung genannten Rahmenbedingungen stimmen. Wir müssen am Treidelweg wieder einen neuen attraktiven Ort aufbauen. Nach so langer Zeit ist der alte Veritas Beach eingeschlafen. Wir haben nur 180 Tage im Jahr, um unsere Einnahmen zu erwirtschaften – und auch im Sommer scheint in Hamburg nicht immer die Sonne.“

Die alte Likörfabrik Hilke ist noch zu retten

Um alte Mauern ging es auch, als Anna Joss, Referatsleiterin Praktische Baudenkmalpflege im Hamburger Denkmalschutzamt, den neusten Stand zum Thema „Erhalt der Likörfabrik Hilke“ darstellte. Das seit den 1990er Jahren leerstehende Gebäudeensemble war bereits mehrfach Zankapfel, zunächst zwischen privaten Grundstückserwerbern, zuletzt zwischen Besitzer Arne Weber und der Stadt Hamburg. Weber hatte im September einen Abrissantrag für die Gebäude eingereicht. Das Denkmalschutzamt ist strikt dagegen: „Der Erhalt dieses Ensembles ist von großer Wichtigkeit, nicht nur für Harburg, sondern für ganz Hamburg“, sagte Joss.

Die zwei Vorderhäuser am Karnapp 15 und 16 sowie die dahinterliegende Fabrik sind ein Spiegel der frühen Industrialisierungsperiode Harburgs. Die Fabrik entstand 1833, die Vorderhäuser 1865 und 1899, das ältere als Kontor- und Wohnhaus der Likörfabrik, das jüngere als reines Wohnhaus. Seit der Schließung des Werks 1985 wurde nur wenig für den Erhalt der Gebäude getan.

Sie sind vom Hausschwamm befallen und die Dächer nur notdürftig mit Kunststoffplanen abgedichtet. Befürworter des Erhalts der Häuser fürchteten, dass die Gebäude womöglich nicht mehr zu retten sind.

Da konnte Anna Joss Entwarnung geben: „Wir haben eine Begehung der Häuser durchgeführt und ihr Zustand ist deutlich besser, als wir erwartet hatten“, sagte sie. Der detaillierte Bericht des Statikers stünde zwar noch aus, aber das würde nichts an der Einschätzung ändern, dass die Gebäude nicht einsturzgefährdet seien. „Und deshalb müssen wir als Denkmalschutzamt dem Abrissersuchen widersprechen!“

Die Hilke-Gebäude lassen vielfältige Nutzung zu

Damit hat der Abrissantrag kaum noch Chancen. Auf Wunsch des Denkmalschutzes und der Bezirksversammlung verhandeln der LIG (Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen) und das Bezirksamt derzeit ohnehin mit dem Besitzer über einen Ankauf des Ensembles.

„Die Gebäude lassen vielfältige Nutzungsarten zu, die mit dem Denkmalschutz konform wären“, sagte Joss, „kulturelle oder gastronomische Verwendung, eine Nutzung als Büros oder alles gleichzeitig.“

Nur der Idee, dort ein Wohnprojekt einzurichten, musste eine Absage erteilt werden, wenn auch nicht vom Denkmalschutz-, sondern vom Bezirksamt: „Wegen des Lärms durch die Bahnstrecke kann man am Karnapp keine neuen Wohnungen genehmigen“, sagt der scheidende Baudezernent Jörg Penner.

Die Verhandlungen mit Weber seien auf einem guten Weg, so Penner: „Wir sind im Gespräch. Von der ursprünglichen Preisvorstellung ist Herr Weber abgegangen. Es sieht so aus, als könnten wir uns einig werden.“

Technologiezentrum soll Forschungsstandorte verbinden

Andernorts im Binnenhafen baut Weber gerade den Hamburg Innovation Port. Dieser ist Teil ein Konzepts, das die Forschungs- und Technologiezentren des Bezirks zusammenfasst, zum „Innovationspark Harburg“. Er reicht vom Daimler-Werk und dem hit-Technopark im Westen bis zum neuen Technologie-Areal an der Schlachthofstraße. Eine größere Fläche Am Radeland könnte eine Brücke zwischen den westlichen Standorten und denen in der Harburger City schlagen, referierte Dagmar Overbeck von der städtischen Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft im Ausschuss.

Das gesamte Plangebiet reicht von Kleingärten über eine Naturschutzfläche bis zu zwei Grundstücken, die die östliche Spitze des Areals bilden. Die jeweils fünf Hektar großen Flächen sind noch in Privathand. Overbeck: „Die Stadt möchte sie aufkaufen und entwickeln, um dort ein Technologiezentrum zu errichten. Doch dazu muss zunächst Baurecht geschaffen werden.

Noch ist die Fläche Am Radeland Hafenentwicklungsgebiet.“ In fernerer Zukunft sollen die beiden westlich angrenzenden Grünbereiche in den Innovationspark integriert werden.