Harburg
Mittelstandunion

Unternehmensberater bringt Mittelstand auf neuen Kurs

Frank Thöle-Pries, der neue Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Harburg-Land in seinem Büro in Holm-Seppensen.

Frank Thöle-Pries, der neue Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Harburg-Land in seinem Büro in Holm-Seppensen.

Foto: Rolf Zamponi

Seit Anfang 2020 ist Frank Thöle-Pries Chef des CDU-Wirtschaftsverbands. Er schlägt vor, Gründer mit einen Fonds zu fördern.

Holm-Seppensen.  Sein Weg an die Spitze der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Harburg-Land gelang ihm in erstaunlich kurzer Zeit. Im Februar 2018 in die CDU und im Mai in die MIT eingetreten, im Februar 2019 MIT-Schatzmeister und nach dem Rücktritt von Wilfried Uhlmann zunächst mit den stellvertretenden Vorsitzenden Heiner Austrup und Carsten Tippe im Team an der Spitze.

Mann der Wirtschaft und der Feuerwehr

Anfang des Jahres dann mit einer Gegenstimme zum Vorsitzenden gewählt: Frank Thöle-Pries hat sich nicht lange bitten lassen. Weil sich der Unternehmensberater, wie er sagt, dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Nicht nur als Mann der Wirtschaft, sondern auch bei der Feuerwehr, in der er seit Anfang 2019 nach 30 Jahren Pause wieder aktiv ist. Der Melder für die Wehr in Holm liegt auf seinem Schreibtisch, springt an diesem frühen Nachmittag aber nicht an.

MIT erhält neues Konzept

So bleibt Zeit genug für Thöle-Pries, das Konzept für die MIT der Zukunft zu erklären. Drei Themen sollen künftig in drei Arbeitskreisen angesiedelt werden. Da ist die Öffentlichkeitsarbeit, mit der die MIT, als Ansprechpartner für den Mittelstand, Themen der Firmen vorantreiben will. Als zweites die politische Arbeit. Sie soll vom Umweltschutz, getrieben durch Innovationen statt Verboten, über Wohnen, Schulen und die ärztliche Versorgung bis zum Verkehr im Landkreis reichen.

Zudem soll der Arbeitskreis Finanzierungsmodelle für Start ups und neugegründete Handwerksfirmen anregen. „Ein Vorschlag ist ein Fonds, der das notwendige Risikokapital bereitstellt und mit einem Garantiezins ausgestattet wird“, sagt Thöle-Pries. „Wirtschaft funktioniert, wenn Menschen hier leben wollen und arbeiten können.“

Die Idee: Ein Mentoren-Programm für Gründer

Das dritte Thema sind mehr und hochwertigere Veranstaltungen der MIT. Angepeilt werden mindestens fünf in diesem Jahr und dazu neue Angebote. Eines davon könnte ein Mentoren-Programm für Gründer sein. Das entsprechende Know-how von erfahrenen Unternehmern sei unter den Mitgliedern der Wirtschaftsvereinigung vorhanden.

Stichwort Know-how und Erfahrung. Auf sie kann Thöle-Pries vor allem beim Thema Digitalisierung verweisen. So befasst sich der aus Quakenbrück stammende ausgebildete Steuerfachmann und Bilanzbuchhalter seit 2003 mit solchen Projekten.

Zunächst in der kaufmännischen Leitung des Sportgeräte-Großhändlers Zebco in Tostedt, dann beim italienischen Pharma-Firma Chiesi in Hamburg und schließlich als Leiter des Konzern-Controllings und Mitglieds der Geschäftsleitung des Presse-Logistikers Ohl von der Hamburger Kehrwieder-Spitze aus. „Bei der Digitalisierung sollten Fragen danach, warum man sie einsetzt und was man mit ihr erreichen will, im Mittelpunkt stehen“, sagt der 49-Jährige. Solche Fragen blieben aber bei den Verhandlungen zwischen dem Software-Entwickler, dem IT-Dienstleister und der Firma als Kunden bei der Auftragsvergabe oftmals außen vor. „Als Unternehmensberater versuche ich, für beide Seiten zu übersetzen, so dass Projekte zum Ziel führen.“

Abläufe vereinfachen und auf die Kunden hören

Gerade bei mittelständischen Firmen, die stark auf das Tagesgeschäft ausgerichtet sind und wenig Zeit für langfristige Planungen haben, keine leichte Aufgabe. Vor allem für vom Inhaber geführte Unternehmen war Thöle-Pries fast sechs Jahre lang, von 2012 bis 2017, bei zwei Arbeitgebern als Unternehmensberater unterwegs. Er versuchte Abläufe zu vereinfachen, Zukäufe zu verdauen und nachhaltige Erfolge vorzubereiten. „Meine zuvor erworbenen Führungserfahrungen halfen mir, weil ich auch die Sprache der Kunden verstehe.“

Fast jeden Tag war er unterwegs, immer wieder neue Firmen, neue Städte und neue Hotels. Bis sein Vater plötzlich verstarb. Seine Betroffenheit leitete für ihn eine Wende ein. Thöle-Pries will nicht mehr von Projekt zu Projekt hetzen, sondern seinen Weg, seine Termine selbst bestimmen. Seine Beratungsfirma gründet er 2017 nach seinen Grundsätzen: Business Performance Management (BPM) Solutions, übersetzt: Langfristige Sicherung und nachhaltige Steigerung der Unternehmensproduktivität. „Nicht immer mehr und immer schneller arbeiten und den Druck erhöhen, sondern das Richtige tun,“ ist sein Credo.

Seit 2017 Mitglieder der Buchholzer Wirtschaftsrunde

Als Unternehmer ist Thöle-Pries gut beschäftigt, will aber weiter allein agieren. Er arbeitet mit Kollegen zusammen, schmiedet an seinem Netzwerk im deutschsprachigen Raum und kann sich so bei Bedarf für Projekte Kompetenz dazu holen. Seit 2017 gehört der Berater der Buchholzer Wirtschaftsrunde an. Die Familie hat Wurzeln geschlagen, wohnt in einer Doppelhaushälfte in Holm-Seppensen. Der Weg zum Büro lässt sich mit dem Fahrrad bewältigen.

Gern würde der neue MIT-Chef neben seinen Aufgaben dort wieder mit dem Golfspielen anfangen. Aber er genießt es nach dem rastlosen Reisen als Ratgeber auch, „einfach zu Hause“ zu sein. „Die Familie ist meine Leidenschaft.“ Zu ihre gehören Tochter, Sohn und Ehefrau Kathrin, mit der er seit 2004 verheiratet ist. Urlaube führen an die Schlei oder die Ostsee und damit zu Zielen, die in nicht mehr als zwei Stunden erreichbar sind. Frank Thöle-Pries ist lange genug lange unterwegs gewesen.