Amtsgericht Harburg

Fußgänger bei Einsatz totgefahren – Polizist wird verurteilt

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Malte Born
Polizeibeamter Gregor L. (l.) wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. 

Polizeibeamter Gregor L. (l.) wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. 

Foto: Jan-Eric Lindner / HA

Richterin erkennt auf fahrlässige Tötung. Der Streifenwagen hatte mit 125 km/h einen jungen Mann erfasst und getötet.

Hamburg. Vor dem Amtsgericht Harburg ist am Mittwoch ein 36 Jahre alter Polizist zu einer Geldstrafe in Höhe von 7200 Euro verurteilt worden. Die Richterin sah den Vorwurf der fahrlässigen Tötung bestätigt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von acht Monaten gefordert. Der Beamte war am 11. Mai 2019 gegen 19.10 Uhr mit mindestens 125 km/h über die Harburger Chaussee im Stadtteil Wilhelmsburg gerast.

Der Polizist war per Funkspruch als Verstärkung bei der Verfolgung eines flüchtigen Sexualstraftäters angefordert worden. Dabei hatte er die Verkehrssituation als günstig wahrgenommen und entsprechend beschleunigt. Als dann ein Fußgänger die Fahrbahn überqueren wollte, kam es zu dem tödlichen Unfall.

In ihrem Urteilsspruch folgte die Richterin der Beweisführung der Staatsanwaltschaft. Insbesondere verwies sie in ihrem Urteil auf die Einschätzung des Sachverständigen: „Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h wäre der Unfall vermeidbar gewesen.“ Diese Geschwindigkeit stellt zugleich auch die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit in der konkreten Einsatzsituation dar, die nur in begründeten Ausnahmesituationen überschritten werden darf. „Ich kann in diesem Fall nichts sehen, was eine höhere Geschwindigkeit rechtfertigt“, sagte die Richterin in ihrem Urteil. Sie hob ebenfalls die unübersichtliche Verkehrssituation am Unfallort hervor. Der Beamte sei somit der fahrlässigen Tötung schuldig.

Mit anderen Raser-Prozessen nicht vergleichbar

Für die Höhe des Strafmaßes wertete die Richterin zugunsten des Angeklagten, dass dieser nicht vorbestraft ist und von allen Zeugen als gewissenhafter Polizist beschrieben worden war. Außerdem habe es sich um eine konkrete Einsatzsituation gehandelt. Der Beamte sei nicht ohne Grund zu schnell gefahren: „Sie wollten etwas Gutes tun.“ Damit sei der Fall nicht mit anderen Raser-Prozessen vergleichbar.

Der Polizeibeamte nahm das Urteil gefasst auf. Zum Abschluss des Prozesses hatte er der Familie des Opfers, die als Nebenklägerin aufgetreten war, sein Bedauern für den Vorfall ausgedrückt. Auch diese Reue nahm die Richterin strafmildernd in ihr Urteil auf.

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