Harburg
Verkehrsplanung

Erfolg für Anwohner: Ehestorfer Heuweg bekommt Blockverkehr

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Jägerhof wurden die neuen Pläne vorgestellt. Hans Grote erklärte den Blockverkehr.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Jägerhof wurden die neuen Pläne vorgestellt. Hans Grote erklärte den Blockverkehr.

Foto: Lars Hansen / xl

Polizei, LSBG und Verkehrsbehörde lehnten Baustellenampeln bislang ab. Jetzt kam die Wende. Doch die steht unter Vorbehalt.

Hamburg. Die Verkehrsbehörden lenken ein: Im zweiten Bauabschnitt des Vollsanierung des Ehestorfer Heuwegs ist nun über weite Phasen weder eine Vollsperrung noch eine Einbahnstraße mit täglichem Richtungswechsel mehr vorgesehen. Stattdessen soll es einen Blockverkehr geben: einspurige Verkehrsführung, deren Richtung durch eine Ampel vorgegeben wird und sehr viel häufiger wechselt als einmal pro Tag.

Damit haben sich die Anwohner und Auswärtigen, die diese Lösung lautstark gefordert haben, durchgesetzt.

Regelung steht unter Vorbehalt

Vorerst, jedenfalls, denn die Blockverkehrsregelung steht unter vielen Vorbehalten: Sollte es durch den Blockverkehr zu übermäßigen Staus kommen, steht die Lösung zur Disposition.

Sollte sich aufgrund des Blockverkehrs gar ein Unfall ereignen, ist sofort Schluss mit dem Richtungswechsel und es wird zum ursprünglichen Einbahnstraßensystem zurückgekehrt.

Blockverkehr hat viele Tücken und Gefahren

Tücken und Gefahrenquellen hat die Lösung reichlich zu bieten: Der Radverkehr muss beispielsweise aus Platzgründen die Fahrbahn mitbenutzen. Entsprechend lange muss auch die sogenannte „Räumphase“ abgewartet werden, in der der Fahrzeugblock der einen Richtung aus der Engstelle herausfährt, bis die andere Richtung grünes Licht erhält. Die Ingenieure des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) rechnen mit Rotphasen von bis zu vier Minuten pro Richtung.

Dazu kommen Phasen, in denen beide Richtungen rotes Licht haben, weil ein Baufahrzeug aus der Baustelle auf die Fahrbahn rangiert oder in die Baustelle hineinfährt oder weil ein Auto aus einer Nebenstraße auf die Fahrbahn einbiegt. Die Nebenstraßen werden mit Bedarfsampeln ausgestattet, die auf beiden Seiten der Baustelle auf Rot schalten und nach einer Räumphase dann den Anlieger einbiegen lassen, der wiederum eine eigene Räumphase benötigt. Das werden dann in zumindest einer Richtung mehr, als vier Minuten.

Für die Anlieger wird es sehr kompliziert

Noch komplizierter wird es für die direkten Anlieger des Ehestorfer Heuwegs: Sie sollen an ihrer Ausfahrt erst einmal den nächsten Block abwarten, um zu wissen, ob sie in ihre gewünschte Richtung das Grundstück verlassen können oder dafür den übernächsten Block abwarten müssen. Tun sie das nicht, steigt die Unfallgefahr immens. Üblicherweise ist ein Blockverkehrsabschnitt höchstens 150 Meter lang. Die fünf Baulose des zweiten Bauabschnitts am Heuweg sind allerdings deutlich länger: Bis zu 300 Meter.

Hans Grote, Planungsingenieur beim LSBG, weiß um all diese Tücken. „Sie sind der Grund, warum wir den Blockverkehr bislang stets abgelehnt haben“, sagt er. „Aus verkehrstechnischer Sicht überwiegen auch immer noch die Bedenken. Und im letzten Abschnitt, dem Anschluss an die B 73, ist Blockverkehr gar nicht möglich. Da müssen wir uns noch etwas einfallen lassen.“

Warum dann trotz der Bedenken der Blockverkehr? „Das war eine politische Entscheidung“, sagt einer, der es wissen muss, Hamburgs Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof. „Wir wollten den Anwohnern entgegenkommen, nachdem sich der Bau durch die Bergwerkssanierung verzögert hatte.“

Bauarbeiten werden sich weiter in die Länge ziehen

Die Blockverkehrslösung ist nicht nur komplizierter – und damit teurer – als die ursprünglich geplante Vorgehensweise. Sie zieht die Sanierung auch ein weiteres Stück in die Länge. Ende 2021 soll nun alles fertig sein. Der allererste Plan, eine neunmonatige Vollsperrung, wäre bereits jetzt beendet gewesen. Dann stünde der Ehestorfer Heuweg auch zu Beginn des langwierigen Ausbaus der A 7 südlich des Elbtunnels Mitte dieses Jahres schon als vollwertige Ausweichstrecke zur Verfügung.

„Leistungsfähig ist die diese Lösung natürlich nicht“, sagt Rieckhof. „Sie ist deshalb auch nur für die unmittelbaren Anlieger gedacht. Der Durchgangsverkehr soll möglichst weiter über die A 7 ausweichen, auch wenn wir niemanden dazu zwingen können. Sonst kommt es an den Ampeln doch zu langen Staus.“

400 Anwohner hören voller Skepsis zu

Am Abend stellte der LSBG seine Pläne den Anliegern im Gasthaus Jägerhof vor. Gut 400 waren gekommen, deutlich mehr, als der Saal Plätze hat. Die Nachricht vom Blockverkehr wurde mit Genugtuung aufgenommen.

Dass der letzte Abschnitt allerdings ausgenommen sein sollte, wollten die Anwohner nicht hinnehmen. „Es muss ständig die Erreichbarkeit der B 73 gegeben sein“, forderte der Rentner Uwe Hansen, Anwohner und Sprecher der Bürgerinitiative Ehestorfer Heuweg.

Forderung nach digitaler Steuerung der Ampeln

Allerdings war es weniger die Zukunft und mehr die Vergangenheit der Baustelle, die seinen Vortrag bestimmte. Die Ärgernisse der Vergangenheit sorgen dafür, dass viele Anwohner dem Zeitplan des zweiten Bauabschnitts keinen Glauben schenken. „Sie haben jetzt elf Monate für 600 Meter gebraucht und bauen immer noch“, sagte ein Ehestorfer. „Wie soll ich jetzt glauben, dass Sie Ihre 300-Meter-Bauphasen in jeweils vier Monaten schaffen?“

Anwohneranwalt Andreas Holtfreter mahnte auch an, dass am Blockverkehr digital gesteuerte Ampeln für den Querverkehr installiert werden. „Das gibt es und es ist möglich“, sagte er, „und Sie sind als Kommune verpflichtet, das Bestmögliche für ihre Bürger zu tun.“

Der Verkehrsbehörde dürfte das bekannt sein: Am Alten Steinweg liegen Broschüren aus, in denen unter anderem bereits existierende Digitalsteuerungen für Ampeln angepriesen werden.