Harburg
Wahlkampf

Polit-Prominenz besucht Hamburger Süden

Hamburgs CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinber, CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Malteser-Geschäftsführerin Verena Hölken in Wilhelmsburg

Hamburgs CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinber, CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Malteser-Geschäftsführerin Verena Hölken in Wilhelmsburg

Foto: Axel Tiedemann / AT

SPD und CDU im Süden Hamburgs hatten für dieses Wochenende gleich drei Spitzenpolitiker ihrer Parteien zu einem Besuch geladen.

Wilhelmsburg/Marxen.  CDU-Parteichefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in Wilhelmsburg, Thüringens CDU-Vorsitzender Mike Mohring in Harburg und Juso-Chef Kevin Kühnert in Marxen: SPD und CDU im Süden Hamburgs hatten für dieses Wochenende gleich drei Spitzenpolitiker ihrer Parteien zu einem Besuch geladen. Kurz vor den Hamburger Bürgerschaftswahlen am 23. Februar und mit Blick auf die niedersächsischen Kommunal- und natürlich auf die Bundestagswahlen 2021 dürfte die Basis von Sozial- und Christdemokraten wohl in diesen Tagen einigen Zuspruch brauchen, beide Parteien einigt derzeit nämlich vor allen eines: schlechte Umfragewerte.

„Der politische Einfluss geht auf Bundesebene, in den Ländern und auf kommunaler Ebene zurück: Mit anderen Worten: Wir sehen die Kante“, hieß es denn auch in der Einladung zum Neujahresempfang der SPD im Landkreis Harburg im Dorfgemeinschaftshaus Marxen.

Am Nikolaus ist GroKo-Aus

Im Frühjahr hatte dazu SPD-Unterbezirkschef Thomas Grambow den Juso-Vorsitzenden gewinnen können, nicht ahnend, dass Kühnert mit seiner eher linken Position und seiner Wahl zum Vize-Bundesvorsitzenden der SPD in den Wochen danach eine so wichtige Rollen in seiner Partei einnehmen würde. „Am Nikolaus ist GroKo-Aus“, hatte Kühnert noch beim Juso-Bundeskongress im November als Parole ausgegeben. Wie es nun tatsächlich mit der Großen Koalition weitergehen kann, wollten dann auch etliche Genossen aus dem Landkreis von Kühnert am Sonntag selbst erfahren. Während sonst etwa 180 Gäste bei dem jährlichen SPD-Empfang gezählt werden, hatten sich diesmal bereits Tage vorher mehr als 350 angemeldet.

Und während nahezu zeitgleich der Thüringer CDU-Spitzenpolitiker Mohring ebenfalls bei einem Neujahrsempfang, diesmal aber des CDU-Ortsverbands Harburg Mitte, die schwierige Regierungsbildung in seinem Bundesland erklären sollte, zeigte Kühnert in Marxen ,dass er einer gebeutelten Parteibasis tatsächlich Mut machen kann. Auf die Zukunft der Großen Koalition ging er da gar nicht groß ein: „Ob die Sache in drei Monaten oder in eineinhalb Jahren entschieden wird, ist gar nicht mehr die Frage“, sagte Kühnert, der mit einem kleinen schwarzen VW-Lupo selbst aus Berlin in die Tiefen des Landkreises gefahren war.

Und dann nannte er in einer gut 45-minütigen, frei vorgetragenen Rede, worauf es dann nun seiner Meinung ankomme für die Partei, die seit 2005 gut 20 Prozent ihrer Wähler verloren hat.

Bereitstellen, was gebraucht wird!

„Kampfauftrag“ sei jetzt vielmehr der „schleichenden Entsolidarisierung“ der Gesellschaft etwas entgegenzusetzen und das Gemeinwohl verstärkt in den Vordergrund zu rücken, so Kühnert. Wohnen, Nahverkehr, Altenpflege – überall gelte es, den renditegetriebenen Markt zurückzudrängen. „Es darf nicht heißen, dass nur bereitgestellt wird, was sich rechnet – sondern es muss das bereitgestellt werden, was gebraucht wird“, forderte Kühnert und nannte als Beispiel einen kostenlosen Nahverkehr.

Solche Dinge müssten solidarisch von der Gesellschaft finanziert werden: „Von den Starken stärker, von den Schwachen schwächer“, so Kühnert. Die Menschen hätten doch geradezu eine Sehnsucht nach mehr Allgemeinwohl und einer sozialdemokratischen Partei, die das umsetze. „Viele von denen, die uns mal gewählt haben, wählen im Moment gar nicht“, so Kühnert. Diese Menschen müsse man zurückgewinnen mit einer linken, solidarischen Politik.

Nette Bilder bei Annegret Kramp-Karrenbauer

Eine Aufforderung, die die Landkreis-Genossen am Ende stehend mit langanhaltendem Beifall quittierten. Hier so, schien es, konnte ein Hoffnungsträger von den Umfragewerten mal ablenken.

Mehr um nette Bilder, als um kämpferische Aufrüttelreden war es indes am Sonnabend bei einem Besuch von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in Wilhelmsburg gegangen. Sie nutzte dazu eine Pause bei der Klausurtagung des CDU-Bundesvorstands, die im Vorfeld der Bürgerschaftswahlen in Hamburg stattfand.

Gemeinsam mit dem Hamburger CDU-Spitzenkandidaten und Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg besuchte sie die Baustelle der Maximilian-Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg: Das in den 50er Jahre gebaute Gebäude sollte eigentlich 2014 abgerissen werden, jetzt wird es nach Bürgerprotesten auch mit Bundesmitteln umgebaut zu einem Ort der „interkulturellen Begegnung“. Sie wird dann Teil des dortigen Malteser Campus, den der Maltesterhilfsdienst als Zentrum für Pflege, Betreuung, Ausbildung und eben Begegnung baut.

Ministerin lobt Geist des aktiven Miteinanders

Gerade ältere Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe sollen dort betreut werden. Ein Projekt, das von dem Vorschlag Kramp-Karrenbauers zur Einführung eines Dienstjahres für junge Menschen profitieren dürfte.

Ein Kinderchor empfing die Ministerin auf der Baustelle, es gab nette Wort und viel Lob für das Projekt: „Dieser ganze Campus atmet den Geist des aktiven Miteinanders“, sagte Kramp-Karrenbauer, die in Jeans und sportlicher Winterjacke gekommen war. Beeindruckend sei , wie die Wilhelmsburger die Sache selbst in die Hand genommen hätten, sagt sie mit Blick auf die Bürgerbeteiligung.

Dann gab es noch ein Liedchen der Kinder, eine kurze Führung und nach einer knappen Stunde machte sich der Ministerin-Tross der schwarzen Audi-Limousinen mit Berliner Kennzeichen auch schon wieder auf. Zurück zur Klausurtagung und den Umfragewerten.