Harburg
Tanzabend

„Caravaggio“ feiert Uraufführung

Ballettdirektor Olaf Schmidt setzt mit „Caravaggio“ seine Impressionen einer Kulturreise nach Italien in Tanztheater um.

Ballettdirektor Olaf Schmidt setzt mit „Caravaggio“ seine Impressionen einer Kulturreise nach Italien in Tanztheater um.

Foto: Jochen Quast

Bildgewaltiges Tanzstück am Theater Lüneburg über das Malergenie des 16. Jahrhunderts.

Lüneburg. Er war ein Genie, ein Mörder und ist mit nur 38 Jahren gestorben: der Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610), über dessen Leben nur sehr wenig Persönliches bekannt ist. Ballettdirektor Olaf Schmidt nimmt in seinem neuen Tanzstück die expressive Bilderwelt Caravaggios zum Ausgangspunkt für eine Reise, die die Zuschauer hinter dessen einmalige Gemälde führt. Im Zentrum des neuen Tanzabends am Theater Lüneburg steht die Frage, wie aus der ungeschönten Realität Kunst werden kann.

Wie kein anderer hat der Künstler nach dem wahren Leben gemalt, ohne etwas zu schönen: Gesichter, deren Ausdruck uns nicht mehr loslässt. Revolutionäre Bildkompositionen, die die Malerei für immer verändert haben. Und eine Inszenierung von Licht und Schatten, die auch Filmemacher wie Francis Ford Coppola beeinflusst hat. Vieles über das Leben des Malers bleibt Spekulation, seine innovative Maltechnik beeindruckt noch heute. Seine Modelle holte er sich von der Straße: Obdachlose, Prostituierte, alte Menschen mit unglaublichen Gesichtern.

Museumsbesuche in Rom waren die notwendige Inspiration

Inspiration für sein Tanzstück über den Maler fand Ballettdirektor Schmidt in Rom, wo er vor anderthalb Jahren mehrere Museen besuchte. Er sei sofort fasziniert von der Theatralik in den Motiven sowie von den Bewegungen in den Bildern Caravaggios gewesen. „Man hat beim Betrachten das Gefühl, dass die Figuren aus den Bildern herausragen, ja, einen anspringen“, beschreibt es der Ballettchef Schmidt. Daraus entstand die Idee, einen Tanzabend zu entwickeln.

Im Zentrum steht die Frage, wie aus der ungeschönten Realität Kunst werden kann; was es denn ist, das aus irgendetwas Kunst macht. Dies spiegelt sich auch im Bühnenbild von Manuela Müller wider: So spielt Banksy als einer der zeitgenössischen Künstler, der eben genau diese Frage stellt, eine Rolle. Die Musikauswahl des Abends, live gespielt von den Lüneburger Symphonikern, orientiert sich an der Zeit Caravaggios.

Einen Großteil nimmt Max Richters „Four seasons recomposed“ ein, eine moderne Klangfantasie über Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Hinzu kommt unter anderem Bryce Dessners sehr energetisches Streichquartett. Die musikalische Leitung hat Ulrich Stöcker inne.

Caravaggio, Tanzstück von Olaf Schmidt, Theater Lüneburg

Premiere Sa, 18. Januar, 20 Uhr, weitere Vorstellungen 25.+30. Januar, 20 Uhr, 2. Februar, 19 Uhr, 7., 12.+20. Februar, 20 Uhr, 1. März, 15 Uhr, 3. März, 20 Uhr, 15. März, 19 Uhr, 5. April, 19 Uhr, 24. April, 20 Uhr. Einführung 30 Mi- nuten vor Vorstellungsbeginn. Karten unter 04131/42100, www.theater-lueneburg.de sowie an der Theaterkasse. Begleitprogramm „Theater trifft Kino“, Sonntag, 23. Februar, 11 Uhr, Scala Programmkino: „Caravaggio“, GB 1986