Harburg
Landkreis Harburg

Kreisverwaltung startet die Ärzteförderung

Kreis-Sozialdezernent Reiner Kaminski treibt die Initiative Stadtlandpraxis weiter voran.  

Kreis-Sozialdezernent Reiner Kaminski treibt die Initiative Stadtlandpraxis weiter voran.  

Foto: Rolf Zamponi

Insgesamt 300.000 Euro stehen in diesem Jahr für neue Praxen und Stipendien zur Verfügung.

Kreis Harburg.  Die Förderung von neuen Arztpraxen, neue Zweigpraxen und Medizinstudenten im Landkreis Harburg kann jetzt anlaufen. Für 2020 sollen nach der einstimmigen Entscheidung des Kreistages insgesamt bis zu 300.000 Euro bereitgestellt werden. Damit könnten allein in diesem Jahr bis zu zehn neue Praxen gefördert und zusätzliche Stipendien vergeben werden. „Anträge können ab sofort gestellt werden“, sagte Kreis-Sozialdezernent Reiner Kaminski am Freitag in Winsen.

Kaminski ist gegen regionale Versorgungszentren

Kaminski hatte die umfangreiche Förderung vorgeschlagen, nachdem die SPD im Landkreis sich für kommunale Medizinische Versorgungszentren ausgesprochen hatte. Solche Zentren aber hatte der Experte aus der Kreisverwaltung von vorn herein kritisch gesehen. und darauf verwiesen, dass sie sich zu einem dauerhaften Zuschussgeschäft für den Kreis entwickeln könnten.

Immer weniger Ärzte gehen aufs Land

Ziel der zum 1. Januar geltenden Richtlinie ist es nun, die hausärztliche Grundversorgung auch künftig sicher zu stellen. Denn immer weniger Ärzte entscheiden sich derzeit für eine Niederlassung im ländlichen Raum. Das Förderprogramm soll dafür sorgen, dass freiwerdende Sitze von Hausärzten wieder besetzt werden und es erleichtert wird, neue Praxen zu gründen.

24.000 Euro Anschubfinanzierung

Im einzelnen gilt: Lässt ein Hausarzt sich im Landkreis nieder, kann er einen Zuschuss von 24.000 Euro als Anschubfinanzierung erhalten. Der Betrag wird dabei in einer Summe ausgezahlt. Bei Einrichtung einer Zweigpraxis beträgt die Förderung 18.000 Euro. Wird ein Arzt zusätzlich angestellt kann dies mit 12.000 Euro bezuschusst werden.

Der Arzt muss seine Arbeit innerhalb von sechs Monaten aufnehmen und für mindestens fünf Jahre vor Ort blieben. Der Kreis verlangt Anteile der Förderung zurück, wenn die Praxis vor Ablauf dieses Zeitraums wieder geschlossen wird. Auf die Förderungen besteht jedoch kein Rechtsanspruch. Sie wird im Rahmen der im Kreishaushalt eingestellten Mittel gezahlt.

Auch Medizinstudenten können sich bewerben

Ebenso wie Hausärzte können sich jetzt Medizinstudenten für eine Förderung bewerben. Jährlich sollen für sie bis zu fünf Stipendien vergeben werden. Die Bewerbungen müssen jeweils bis zum 15. Oktober beim Fachbereich Gesundheit des Landkreises eingereicht werden. Dazu gehört, dass die Bewerber ihren Lebenslauf darlegen und erläutern, warum sie im Landkreis Harburg arbeiten wollen. Gute Chancen auf ein Stipendium haben Bewerber, die aus dem Landkreis und oder Metropolregion stammen.

Die Studenten müssen sie sich schon während ihres Studiums für eine spätere Tätigkeit als Hausarzt im Kreis entscheiden. „Die monatliche Zuwendung soll es ihnen ermöglichen, sich auf das Studium und einen schnellen und erfolgreichen Abschluss zu konzentrieren“, heißt es in der Förderrichtlinie. Die Stipendien werden vom fünften Semester an und längstens bis zum Ende der Regelstudienzeit von zwölf Semestern und drei Monaten gewährt.

Praktisches Jahr in Hausarztpraxen wird unterstützt

Vorgesehen ist ein monatliche Summe von 500 Euro. Die Studenten müssen sich verpflichten, nach Abschluss ihrer Ausbildung im Landkreis Harburg oder als Arzt in einer im Landkreis Harburg ansässigen Klinik zu arbeiten. Das praktische Jahr in Hausarztpraxen wird mit 300 Euro im Monat unterstützt. Für Studenten, die von einer Stadt, einer Gemeinde oder Samtgemeinde bereits ein Stipendium von 250 Euro monatlich erhalten, kann der Landkreis die Summe auf 500 Euro aufstocken.

Neben der Förderung für neue Praxen und Studenten wird Kaminski mit seiner Initiative Stadtlandpraxis weiter für neue Ärzte für den Landkreis werben. Seit dem Jahr 2012 hat er inzwischen mehr als 330 Kontakte mit Schülern, Studenten, Ärzten und Fachärzten angebahnt, 22 niedergelassene und angestellte Ärzte in den Kreis geholt und im vergangenen Jahr Gespräche mit mehr als 40 Interessenten geführt.