Harburg
Holm-Seppensen

Meeresforscher vermittelt Schülern Umweltschutz

Forschungstaucher und Umweltschützer Robert Marc Lehmann ist mit den Schülern der Mühlenschule Holm-Seppensen in die faszinierende Welt der Tiere abgetaucht.

Forschungstaucher und Umweltschützer Robert Marc Lehmann ist mit den Schülern der Mühlenschule Holm-Seppensen in die faszinierende Welt der Tiere abgetaucht.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Biologe und Umweltaktivist Robert Marc Lehmann vermittelt Schülern der Mühlenschule, dass die Welt es wert ist, um sie zu kämpfen.

Holm-Seppensen.  Vor ein paar Wochen war er noch in Kanada. Mitten in der Wildnis. Der Meeresbiologe, Umweltschützer und National Geographic Fotograf Robert Marc Lehmann hat dort Bilder gemacht von den Gewalten der Natur. Eines davon zeigt einen Grizzlybären, 800 Kilogramm schwer – den größten Bären der Welt. An diesem Morgen steht der Abenteurer, der nicht nur mit seinen Fotos, sondern auch mit spektakulären Aktionen für den Umwelt- und Tierschutz bewegt, auf der kleinen Bühne im Forum der Mühlenschule in Holm-Seppensen. Er ist gekommen, um mit den Kindern zu sprechen und sie mitzunehmen auf eine Reise durch die atemberaubende Welt der Tiere.

Lehmann, der Mann, der mit Haien taucht, auf Expeditionen ins ewige Eis fährt und illegal gefangene Wildtiere rettet, ist regelmäßig an Schulen und Universitäten zu Gast. Jedes Jahr hält er vor rund 10.000 Schüler seine Vorträge zu Umwelt-, Tier- & Meeresschutz-Themen. Er spricht mit ihnen über den Plastikmüll in den Weltmeeren, die Überfischung der Ozeane, über Palmöl-Plantagen und die Bedrohung für den artenreichen Regenwald. „Wenn die Kinder dann nach Hause kommen, wollen sie kein Nutella mehr essen“, sagt Robert Marc Lehmann. „Weil sie wissen, dass Palmölplantagen die Regenwälder kaputt machen.“

Bewusstsein für die Vielfalt der Tierwelt wecken

In der Mühlenschule war er bereits zwei Mal. Jetzt hat ihn Sachkundelehrerin Martina Sarge ein drittes Mal gebucht. Gemeinsam mit den Kindern will Lehmann diesmal über die Rekorde im Tierreich reden. Darüber, welches Wesen auf dieser Welt am schnellsten und langsamsten, am kleinsten und größten ist.

Es geht ihm darum, bei den Dritt- und Viertklässlern ein Bewusstsein für die Vielfalt der Tierwelt zu wecken und ihnen die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Welt zu erklären. „Die Welt ist es wert, um sie zu kämpfen“, lautet sein Leitspruch. „Das sollen auch die Kinder begreifen. Sie sollen Teil des Kampfes sein, denn sie werden vermutlich die letzte Generation sein, die noch die Chance hat, etwas zu ändern.“

Lehmann ist überzeugt davon, dass eine besondere Beziehung zur Natur und zu den Tieren die Grundlage für alles weitere Handeln im Leben ist. „Kennt ihr das größte Tier der Erde?“, fragt er die Mädchen und Jungs. Hände fliegen in die Luft. „Der Blauwal“, ruft eine Schülerin. „Richtig, cool!“, Robert Marc Lehmann klatscht in die Hände, zeigt auf die Leinwand. „Seht mal, den hier hab ich fotografiert“, sagt er und erzählt, wie er einmal auf einem Boot stand und links vom Boot 15 Meter Wal gesehen hat und rechts vom Boot 15 Meter Wal.

Blauwale verständigen sich mit Gesängen

Er lacht, schnippt mit den Fingern, wird plötzlich ernst. „Wisst ihr, dass es nur noch 5000 dieser wunderbaren Tiere auf unserer Erde gibt“, sagt er. „Warum?“, will eines der Kinder wissen. „Erst haben die Menschen zu viele von ihnen gefangen. Und die Tiere, die überlebt haben, finden sich nicht mehr in den riesigen Ozeanen“, sagt Robert Marc Lehmann. „Blauwale verständigen sich mit Gesängen, mit Tönen, deren Frequenz einmal um den ganzen Erdball zu hören ist. Aber jetzt ist das Meer zu laut geworden – durch Offshore-Parks, Ölplattformen und die vielen Schiffe auf den Ozeanen. So laut, dass die Wale ihre Rufe nicht mehr hören können.“

Weiter geht es mit dem schnellsten Tier in der Luft – dem Wanderfalken, dem schnellsten Tier an Land – dem Geparden und dem schnellsten Tier im Wasser – dem schwarzen Marlin. Und dem Faultier, das in der Stunde nur fünf Meter schafft und zu jedem Toilettengang vom Baum herunterklettert. Die Kinder kichern. „Das gefährlichste Tier der Erde?“, fragt Lehmann. „Die Mücke“, sagt er. „Jährlich sterben bis zu 1,5 Millionen Menschen in Folge eines Mückenstichs.“ Und es werden mehr, warnt Lehmann. „Der Klimawandel trägt dazu bei, dass immer mehr Mücken auch in Deutschland überleben.“

Sein Einsatz ist bisweilen lebensgefährlich

Es sind beeindruckende Zahlen und Botschaften, die der Meeresbiologe an diesem Vormittag in die Aula der kleinen Grundschule trägt. Themen, die ihn seit Jahren umtreiben und ihn aktiv werden lassen, auch wenn sein Einsatz bisweilen lebensgefährlich ist. Lehmann berichtet von Walstrandungen, davon dass jedes Jahr Tausende Wale auf der ganzen Welt ans Ufer gespült werden. Und davon, dass er bis heute zwölf Wale gerettet habe und dass er fest davon überzeugt sei, dass man es immer wieder versuchen sollte.

Die Walrettung ist nur eines von vielen Themen, die Robert Marc Lehmann bewegen und die er in seinen öffentlichen Auftritten dokumentiert. Jetzt hat er zum ersten Mal auch einen Bildband veröffentlicht. „Abenteuer extrem“ heißt das Buch, das faszinierende Aufnahmen seiner Expeditionen festhält. Bilder, die betroffen machen, aber nicht hoffnungslos. Lehmann will das fotografische Werk dazu nutzen, etwas zu verändern.

„Abenteuer extrem – Mission: Erde“

Aktuell ist er mit seinem Live-Multivisions-Vortrag „Abenteuer extrem – Mission: Erde“ in Deutschland unterwegs. Gerade erst war er in der Buchholzer Empore zu Gast. Und weil die Karten innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren, hat der Forschungstaucher einen Zusatztermin zugesagt. Im April wird er erneut in die Nordheidestadt kommen.

Auch für die Mühlenschule ist Lehmann bereits erneut gebucht. 2021 soll er wieder kommen. Dann wird es um ein anderes Thema gehen, das ihn bewegt. Plastikmüll zum Beispiel, „als größte Herausforderung unserer Zeit“, wie er sagt. „Den meisten Menschen sind die Auswirkungen unseres massiven Plastikkonsums nicht einmal bewusst“, sagt er. „In einem Kubikmeter Meereswasser finden sich heute fast eine Million Plastikteilchen, im Schnee der Arktis sind es bereits 500.000 Plastikteilchen pro Kubikmeter.“

Zwei Stunden dauert der Unterricht beim Meeresforscher. Dann gibt es Autogramme. Die kleinen Zuhörer sind begeistert. „Mir hat es richtig gut gefallen“, sagt Ina (9). „Das war echt spannend“, ergänzt Mitschülerin Leni. Lehrerin Martina Sarge ist zufrieden: „Diese Schulstunden waren wirklich etwas ganz Besonderes für die Schüler und die Kollegen“, sagt sie dankbar. „Menschen wie Robert hinterlassen Spuren.“

Lehmanns Vita

Robert Marc Lehmann, geboren in Jena, studierte Meeresbiologie, Zoologie und Rechtsmedizin in Kiel.

2004 bis 2006 ließ er sich zum Forschungstaucher und Einsatzleiter für Forschungstaucher ausbilden.

Mit 25 Jahren übernahm er die Abteilungsleitung von Europas größtem Aquarium, bevor es zu seinem Bruch mit der Aquarienindustrie kam.

Mehr als 100 Länder hat er bereist, über 2000 Tauchgänge in allen Klimazonen gemacht.

In weltweiten Undercover-Einsätzen ist Lehmann zur Rettung von Tieren, vor allem in Asien und Südamerika, unterwegs.

2015 wurde er National Geographic Fotograf des Jahres.

Mit seinem Vortrag „Abenteuer Extrem. Mission: Erde“ ist er am 21. April in der Empore Buchholz zu Gast.