Harburg
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Hier lernen Eltern, ihre Kinder zu verstehen

Geeske und Philip Brinkmann lernen mit Unterstützung von Meike Kollmeyer die Signale von Töchterchen Merle richtig zu verstehen.

Geeske und Philip Brinkmann lernen mit Unterstützung von Meike Kollmeyer die Signale von Töchterchen Merle richtig zu verstehen.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Schlafschwierigkeiten, Still- und Fütterprobleme, postpartale Depression und Babyblues: Hier gibt es Rat und Hilfe

Harburg . Das erste Mal kam Meike Kollmeyer zum Gespräch vorbei, da war Merle noch im Bauch ihrer Mutter. Das war in der 30. Schwangerschaftswoche und die werdenden Eltern Geeske und Philip Brinkmann in freudiger Aufregung aber auch voller Fragen: Wie wird mein Baby sein? Was müssen wir noch wissen? Sie versuchten, sich vorzustellen, was auf sie zukommen wird, wenn sie Eltern sind und wie sie mit den Veränderungen klar kommen würden. Und sie waren froh, dass sie mit Meike Kollmeyer eine Fachfrau an ihrer Seite hatten.

Meike Kollmeyer ist 52 Jahre alt, Entwicklungspsychologische Beraterin, Familienkrankenschwester und Koordinatorin des Projekts „Sicherer Hafen“, das Ende November bereits zum fünften Mal an der Elternschule Harburg an den Start geht. Sie ist selbst Mutter eines Sohnes, lebt in der Gemeinde Rosengarten und leitet gemeinsam mit einigen Kolleginnen vom Verein „Von Anfang an e.V.“ den Kurs, der Familien in den ersten zwei Lebensjahren ihres Babys begleitet.

Bedürfnisse des Babys richtig erkennen

Er besteht aus elf Einzelterminen, in denen die Kursleiterinnen Eltern und Nachwuchs zuhause besuchen, wichtige Entwicklungsschritte begleiten und bei Themen wie Schlafschwierigkeiten, Still- und Fütterproblemen, postpartaler Depression und Babyblues mit Rat zur Seite stehen. „Bei uns lernen die Eltern, die Bedürfnisse ihres Babys richtig zu erkennen“, sagt Meike Kollmeyer.

„Sie lernen, die Welt des Kindes aus Kinderaugen zu sehen und verstehen, wie ihre Babys die täglichen Eindrücke verarbeiten. Mit diesem Wissen wird es für die Eltern einfacher, ihren Alltag zu bewältigen.“ Zu den Hausbesuchen kommen weitere vier Gruppentreffen zu allgemeinen Fragen. Hier geht es vor allem um den Austausch mit anderen Elternpaaren aus dem Stadtteil.

Hilfe und Beratung für Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren

Entwickelt wurde das Konzept des Elternkurses von der Babyambulanz „Von Anfang an e.V.“ Der Verein wurde von der Hamburger Kinderärztin und Psychologin Dr. Dagmar Brandi gegründet und leistet Hilfe und Beratung für Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren. Ziel der Beratungen ist es, Kinder in ihren Regulationsfähigkeiten zu unterstützen und die Eltern sicherer im Umgang mit ihren Kindern zu machen. „Es geht darum, Stress zu reduzieren und dadurch die Lebensfreude zu steigern, so dass eine sichere Eltern-Kind-Bindung entstehen kann“, sagt Meike Kollmeyer dazu.

Genau das wünschen sich auch Geeske und Philip Brinkmann. „Einen Blick von außen, jemanden, der Erfahrung und Wissen mitbringt und uns begleiten und unterstützen kann“, sagt die junge Mutter und angehende Doktorandin.

„Unser Ziel ist es, eine gute Bindung zu unserer Tochter aufzubauen, die ihr ermöglicht, ihre eigene Freiheit entfalten zu können und ihr das Gefühl gibt, dass wir da sind, auch wenn wir sie nicht auf dem Arm halten. Wir wollen ihr helfen, ein selbstständiger Mensch zu werden, der nicht ständig auf uns angewiesen ist.“ Die Theologin und ihr Mann, der als Data-Scientist arbeitet, sind sich sicher, dass der Grundstein für eine gefestigte, starke Persönlichkeitsstruktur in den ersten zwei Jahren gelegt wird.

„Gestuftes Beruhigen“ nennt sich die Methode

Beraterin Meike Kollmeyer hilft den Brinkmanns beim richtigen Umgang mit ihrem Baby. Zum Beispiel, wenn es darum geht, dass Merle lernen soll, sich zu beruhigen, ohne dass die Mutter ihr die Brust gibt oder der Vater sie durch die Wohnung trägt. „Gestuftes Beruhigen“ nennt sich die Methode. „Dabei sprechen die Eltern zunächst ihr Baby an. Hilft das nicht, legen sie die Hände auf den Körper des Kinde, legen Arme und Beine des Kindes zusammen und erst dann nehmen sie es auf den Arm, geben den Schnuller oder die Brust“, sagt Meike Kollmeyer.

Für die frisch gebackenen Eltern sind diese Tipps wichtiges „Handwerkszeug“ für den richtigen Umgang mit ihrem Baby. Um die eigene Interaktion mit dem Nachwuchs besser verstehen zu können, macht die Beraterin regelmäßig Videoaufnahmen von Eltern und Kind, die anschließend gemeinsam besprochen werden. Sie helfen den Eltern, die Signale ihres Babys besser zu beantworten. Dadurch erkennen Sie die Fähigkeiten und Stärken ihres Kindes, können sein Verhalten deuten und Hilfe anbieten.

Das Baby schläft bereits die Nacht durch

„Durch die Unterstützung des „Sicheren Hafens“ legen wir ein gutes Fundament für die Entwicklung unserer Tochter und die Beziehung zu ihr“, davon ist Geeske Brinkmann überzeugt. „Wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Fragen zu stellen und uns immer wieder rückversichern zu können. Und wir haben über die Gruppentreffen bereits andere Eltern kennengelernt, mit denen wir in Kontakt sind.“

Die Entwicklung der inzwischen knapp drei Monate alten Merle zeigt den Eltern, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Das Baby schläft bereits die Nacht durch und kann sich alleine beruhigen, wenn es tagsüber auf der Kuscheldecke liegt.

Doch Meike Kollmeyer weiß, dass auf die kleine Familie noch so einige Herausforderungen warten. „So richtig los geht es erst mit sechs bis acht Monaten“, sagt Meike Kollmeyer. „Dann werden Babys richtig wach, verstehen viel mehr und wollen auch viel mehr.“ Geeske und Philip Brinkmann sehen dem gelassen entgegen. Schließlich wissen sie, dass sie auch das nicht allein meistern müssen.