Harburg
Theater

Chaos statt Schallplattengenuss

Michel wird beim Musikhören immer wieder gestört

Michel wird beim Musikhören immer wieder gestört

Foto: LAROCCA LOREDANA

In einer Zeit, als es weder MP3-Dateien noch Streamingdienste gab, dafür aber schrankhohe Lautsprecherboxen im Wohnzimmer, spielt „Eine Stunde Ruhe“

Buchholz . In einer Zeit, als es weder MP3-Dateien noch Streamingdienste gab, dafür aber schrankhohe Lautsprecherboxen im Wohnzimmer, spielt „Eine Stunde Ruhe“. Der Kauf einer Schallplatte war begleitet von der Vorfreude, diese vollständig, also von beiden Seiten, anzuhören. Blöd nur, wenn man dabei immer wieder gestört wird...

Diese „Problematik“ greift auch die Komödie „Eine Stunde Ruhe“ von Florian Zeller auf, die die Empore Buchholz zeigt. In diesem hinreißenden, durch geschliffene Pointen bestechenden Schauspiel hat der Jazz-Liebhaber Michel, der seit seiner Jugendzeit für das Album „Me, Myself And I“ seines Jazz-Idols Niel Youart schwärmt, diese LP nun nach Jahren vergeblichen Suchens zufällig auf einem Flohmarkt gefunden (auch dieses Gefühl scheint dank YouTube und Spotify immer mehr verloren zu gehen). Überglücklich eilt Michel nach Hause, um sie sofort zu hören. Er verlangt nicht viel: bloß „eine Stunde Ruhe“ – doch die ganze Welt scheint sich gegen ihn verschworen zu haben.

Niemand gönnt ihm auch nur eine Minute

Niemand gönnt ihm auch nur eine Minute: weder seine Frau noch ihre beste Freundin (gleichzeitig seine Geliebte). Und auch sein Sohn, sein Nachbar und ein sich als Pole ausgebender portugiesischer Klempner hindern ihn am Hörgenuss.

Dann folgt natürlich Katastrophe auf Katastrophe – eine katastrophaler als die andere. Eheliche, uneheliche, freundschaftliche, väterliche und nachbarlichen Beziehungen gehen zu Bruch – und dank des Klempnerpfuschs, wird auch noch die Wohnung geflutet. Nach Lügen, Ablenkungsmanövern und Manipulationen könnte Michel eigentlich seine heiß geliebte Platte hören – wenn, ja wenn…

Florian Zeller dreht kräftig an der Chaos-Schraube

In diesem spritzigen Komödien-Juwel dreht Autor Florian Zeller kräftig an der Chaos-Schraube. Und wenn man denkt, schlimmer könne es für Michel gar nicht kommen, legt Zeller noch einen Zahn zu (und dann noch einen). Die irrwitzig turbulente, amüsante und mit souveräner Virtuosität geschriebene Katastrophen-Komödie ist wie der Welterfolg „Die Wahrheit“ Unterhaltung in bester französischer Tradition. „Das Leben ist wie ein Rohrbruch, dessen bedrohliche Signale man überhört, bis das ganze Gebäude zusammenbricht: Das erfährt – tatsächlich und im übertragenen Sinne – der Lebemann Michel in der Boulevard-Komödie Eine Stunde Ruhe“, urteilte die Presse. Auf der Bühne stehen Timothy Peach, Nicola Tiggeler/Alexa Wiegandt, Saskia Valencia, Benjamin Kernen, Johannes Lukas, Raphael Grosch und Reinhard Froboess.

Eine Stunde Ruhe Mittwoch, 27. November, 20 Uhr, Empore Buchholz, Breite Str. 10, Karten zu 24 Euro, 28,40 Euro, 30,60 Euro und 33,90 Euro unter 04181/287878 und www.empore-buchholz.de