Harburg
Windenergie

Umstrittener Windpark Ardestorf kurz vor Genehmigung

Windräder im Windpark Daensen-Immenbeck, so wie sie auch für das benachbarte Ardestorf geplant sind.

Windräder im Windpark Daensen-Immenbeck, so wie sie auch für das benachbarte Ardestorf geplant sind.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Naturschützer warnen dort vor einer Gefahr für Greifvögel, die zwischen die drehenden Rotoren geraten könnten.

Neu Wulmstorf. Drei große, gut 200 Meter hohe Windkraftanlagen sollen hier einmal klimaneutralen Strom erzeugen. Doch die im neuen Raumordnungsprogramm vom Landkreis Harburg als „Vorranggebiet für Windenergie“ ausgewiesene Fläche bei Ardestorf ist umstritten.

Naturschützer warnen dort vor einer Gefahr für Greifvögel, die zwischen die drehenden Rotoren geraten könnten. Der Neu Wulmstorfer Gemeinderat hatte daher den Landkreis kürzlich aufgefordert, die Vorrangfläche wieder zu streichen.

Schritt weiter auf dem Weg zur Genehmigung

Doch damit stößt sie in der Kreispolitik offenbar auf wenig Gegenliebe: Der Kreisbauausschuss beschloss jetzt mit breiter Mehrheit, dass die Fläche weiter für die Nutzung von Windenergie ausgewiesen bleibt. Wegen eines solchen Einzelfalles wolle man nicht das gesamte Raumordnungsprogramm wieder in Frage stellen, sagt der Ausschussvorsitzende Wilfried Geiger (CDU).

Damit dürfte das Projekt der Genossenschaft „Bürgerwind Neu Wulmstorf GmbH“ jetzt einen deutlichen Schritt weiter auf dem Weg zur Genehmigung sein. Tatsächlich geht die Kreisverwaltung davon aus, dass „eine Ablehnung des Antrages derzeit nicht erwartet wird“, wie es in der Verwaltungsvorlage für den Ausschuss heißt. Prüfung und Beurteilung des geplanten 17-Millionen-Euro-Projekts seien „weit fortgeschritten“, so heißt es dort weiter.

Rotmilane und Uhus jagen in dem Gebiet

Allerdings wird die Genehmigung zum Bau der drei Anlagen voraussichtlich mit einigen Auflagen verbunden werden, wie ein Sprecher des Kreises dem Abendblatt bestätigte. So gebe es dort zwar keine Brutgebiete geschützter Vogelarten, aber Rotmilane und Uhus würden in dem Gebiet jagen. Deshalb werde die Genehmigung aller Voraussicht nach mit Abschaltzeiten im Sommer verknüpft. Während des Tages, um Rotmilane zu schützen und nachts, um Uhus nicht zu gefährden.

Vogelschützer vor Ort hatten indes immer wieder gewarnt, dass aus ihrer Sicht die Fläche bei Ardestorf überhaupt nicht geeignet für Windräder sei. Zumal sich dort in unmittelbarer Nähe eine Hühnerfarm befinde, die für Greifvögel eine Art „gedeckter Tisch“ darstelle.

Abschaltungen im Frühsommer

Auch für den Neu Wulmstorfer CDU-Kreistagspolitiker Malte Kanebley zeigen die Auflagen einen Widerspruch. „Wenn man diese Anlagen dort so oft abschalten muss, kann das doch wohl keine gut geeignete Fläche für Windkraft sein“, sagt Kanebley, der sich im Ausschuss enthalten hatte.

Allerdings hatten die Antragsteller bereits selbst vorgeschlagen, die Anlagen zu bestimmten Zeiten abzuschalten. So könnten vom 1. April bis 15. Juli die Rotoren von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang stillstehen. Die Idee dahinter: Bis zur Ernte im Juli seien alle Felder hoch bewachsen, so dass das Hühner-Freigehege mit seiner geringen Vegetationshöhe in unmittelbarer Nähe der Rotoren das bessere Jagdrevier für Greifvögel darstelle. Nach der Ernte gäbe es dann für Rotmilane wieder bessere Reviere weit weg der Rotoren.

Die Abschaltungen im Frühsommer sind für einen wirtschaftlichen Betrieb solcher Windrotoren offenbar gerade noch zu verkraften. Der hauptsächliche Ertrag fällt eher in den Herbst- und Wintermonaten an, wenn auch der Wind in der Regel kräftiger weht.