Harburg
Nahverkehr

Streit um Bus-Pläne: Kurze Wege oder ruhige Straßen?

Von der Haltestelle Einhausring müssen viele Fahrgäste weite Fußwege nach Hause gehen. 

Von der Haltestelle Einhausring müssen viele Fahrgäste weite Fußwege nach Hause gehen. 

Foto: Lars Hansen / xl

150 Langenbeker und Wilstorfer waren in den Sitzungssaal im Rathausforum gekommen, um den Stand der Pläne zu sehen und Einwände zu erheben

Langenbek.  Der Bus bleibt ein Thema, das in Langenbek für Zwiespalt sorgt: Der Plan der Hamburger Hochbahn AG, die Buslinie 143 von der Winsener Straße aus eine Schleife über Rönneburger Straße, Radickestraße und Gordonstraße fahren zu lassen, stößt bei einem Teil der Streckenanlieger auf Widerstand. Andere begrüßen diesen Plan. So gab es auch bei der Bürgerbeteiligung am Montag ein geteiltes Meinungsbild.

Gut 150 Langenbeker und Wilstorfer waren in den Sitzungssaal im Rathausforum gekommen, um den neuesten Stand der Pläne zu sehen und Einwände zu erheben. Zur Debatte stand eigentlich nicht mehr die Frage der Buslinie, sondern, ob ein etwa 100 Meter langes Teilstück der Radickestraße, das seit 25 Jahren für den regulären Autoverkehr gesperrt ist, für Busse freigegeben werden soll. Dafür muss der Bebauungsplan geändert werden. Diese Änderung war der offizielle Gegenstand der Anhörung.

Hochbahn verfolgt mit der neuen Linienführung der 143 zwei Ziele

Thematisch von der Führung der Buslinie trennen konnten auch Baudezernent Jörg Penner, Stadtplaner Heinz-Jürgen Rook und Stadtentwicklungsausschussvorsitzender Frank Richter (SPD), die den Abend leiteten, die Öffnung der Straße nicht. Die Hochbahn verfolgt mit der neuen Linienführung der 143 zwei Ziele: Zum Einen soll Fahrgästen der Weg zur nächsten Bushaltestelle verkürzt werden.

Derzeit haben einige Bewohner des Langenbeker Feldes oder Anwohner der Rönneburger Freiheit bis zu einem Kilometer Fußweg zum Bus. Das würde sich mit der geplanten weiteren Haltestelle Gromballring ändern. Zum Anderen sollen die Buslinien 141 und 241 in entlastet werden, die in Wilstorf zur Hauptverkehrszeit oft überfüllt sind.

Gegner des Projekts befürchten Lärm durch die Busse

Dies soll über drei Haltestellen an der Rönneburger Straße – Musilweg, Schneverdinger Weg und Rönneburger Straße (Süd) – erfolgen. Die Gegner des Projekts befürchten Lärm durch die Busse, Gefährdung von Fußgängern – insbesondere Kindern – auf der Radickestraße, den Verlust von Parkplätzen sowie illegalen Durchgangsverkehr.

Die Vorstellung des Bezirksamtes ist es, diesen Durchgangsverkehr mit versenkbaren Pollern zu verhindern, was in anderen Städten funktioniert, wie Dezernent Penner sagte. Nur, dass ausgerechnet die Poller im Rathausforum seit Jahren hauptsächlich defekt sind, fiel ihm bei dieser Argumentation auf die Füße. Motorräder hält man mit Pollern auch nicht auf, merkte jemand noch an.

Die Gegner der Buslinie zogen auch die Befragung in Zweifel, die die Hochbahn im Einzugsgebiet hatte durchführen lassen und in der sich 55 Prozent der Befragten für die neue Linienführung ausgesprochen hatten. Nach Meinung der Einwender hätten nur die direkten Anlieger der geplanten Strecke befragt werden dürfen.

PKW-Rennstrecke?

In der Tat zeigte die Feinauswertung der Umfrage, dass die Zustimmung zur neuen Linie mit der Entfernung von den jetzigen Haltestellen zunimmt. Nah an der Haltestelle Einhausring, wo der Bus derzeit wendet, ist die Hochburg der Gegner. Frank Richters Argument, dass es legitim sei, auch diejenigen zu befragen, denen der Bus gelegen käme, wollten sie nicht folgen.

Petra Karies gehört zu denen, die den Bus gerne näher an ihrer Haustür hätten: „Ich muss eine Viertelstunde zu Fuß gehen, bis ich an der nächsten Bushaltestelle bin“, sagte sie. „Dabei verzichte ich auf das Auto, seit die Rönneburger Freiheit gesperrt ist.“

Auch andere sprachen sich für den Bus aus: „Wenn meine Großmutter diese Linie gehabt hätte, hätte sie sehr viel weniger Mühe im Leben gehabt“, sagte eine Anwohnerin der Rönneburger Straße, die als Kita-Helferin auch gleichzeitig das Argument zu entkräften versuchte, insbesondere die Kindertagesstättenbesucher seien besonders unfallgefährdet, wenn ein Bus vorbeiführe. „Gefährlich sind die PKW, mit denen die Kinder bei uns bis auf den Hof gefahren werden. Beim Queren der Straße sind die Kinder doch durch uns gesichert.“

Just die Rönneburger Straße würde aber zur PKW-Rennstrecke werden, wenn sie so begradigt würde, dass Busse gut durchkämen, merkte ein Gegner an. „Außerdem bewegt man mit der Linie niemanden zum Umsteigen, so lange sich der Rest des Nahverkehrs nicht bessert. Generell müsste man auch Bike- und Car-Sharing hier ausbauen.“

Während der zweistündigen Sitzung fuhren laut Fahrplan 15 Busse vor den Fenstern des Sitzungssaales vorbei. Zu hören war keiner.