Harburg
Amtsgericht Harburg

Serienbetrüger kommen mit Bewährungsstrafen davon

Die Angeklagten wollen vor Gericht nicht erkannt werden.

Die Angeklagten wollen vor Gericht nicht erkannt werden.

Foto: Jörg Riefenstahl

Richter bleibt mit seinem Urteil weit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Harburg. Wortlos nahmen Mesut L. (39) und Mohammad K. (44, Namen geändert) auf der Anklagebank im Saal 606 Platz. Der Lkw-Fahrer und der Ladendetektiv, die beide einschlägige Vorstrafenregister vorweisen können, mussten sich am Dienstag vor dem Amtsgerichts Harburg wegen schweren gemeinschaftlichen Betrugs in zwei Fällen verantworten.

Mit erfundener Geschichte 3700 Euro ergaunert

Mit einer erfundenen Geschichte sollen sie einen gutgläubigen Mann hinters Licht geführt haben, den sie in einem Café kennengelernt hatten. Insgesamt 3700 Euro hätten sie von ihm ergaunert – angeblich, um „mit dem Geld einen gesperrten Scheck über 20.000 Euro einlösen zu können“, so die Staatsanwältin beim Verlesen der Anklageschrift. Im zweiten Fall neppten die Angeklagten den 82 Jahre alten Demenzkranken Justus R., indem sie ihm in Aussicht stellten, für 20 Euro pro Stunde im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand als „Wachmann“ arbeiten zu dürfen. Unter dem Vorwand, für den Job bräuchten sie Mobiltelefone, fuhr L. im September 2016 mit dem Demenzkranken R. in den Vodafone-Shop in der Lüneburger Straße in Harburg. Dort unterzeichnete R. zwei Mobilfunkverträge – in der Annahme, es handle sich um seinen Arbeitsvertrag. Die erlangten Mobiltelefone im Wert von 1442 Euro behielt der Betrüger. Der Demenzkranke blieb auf den Kosten sitzen.

Beide Täter sind einschlägig vorbestraft

L., der erst vor Kurzem wegen ähnlicher Straftaten vom Amtsgericht Bergedorf zu einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, gab die Taten zu. „Es tut ihm leid, es war dumm, er schämt sich zutiefst“, teilte L.s Strafverteidiger Caner Kurt mit. K.s Verteidiger erklärte, sein Mandant sei am Trickbetrug mit dem gesperrten Scheck über 20.000 Euro beteiligt, nicht aber am Fall, dem der Demenzkranke zum Ofer fiel. Da es weder Beweise noch Zeugen dafür gibt, ob K. am Betrug gegen den Demenzkranken beteiligt war, ließ der Richter den Anklagepunkt gegen K. fallen. Vodafone hatte bereits nach Einschreiten von R.s Betreuer auf Ansprüche verzichtet.

K.s gerichtliche Eintragungen umfassen bereits 18 Punkte – darunter Betrug, Bedrohung, bewaffneter Diebstahl, versuchter gemeinschaftlicher Raub, Beleidigung, gefährliche Körperverletzung und Anstiftung zur Falschaussage. Dreimal wurde K. deshalb zu Bewährungsstrafen verurteilt – zuletzt vom Landgericht Hamburg. L. ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt: Sechs Einträge, darunter schwerer Raub, Körperverletzung, Betrug und Urkundenfälschung und eine zu zwei Dritteln verbüßte Haftstrafe von sieben Jahren wirken nach.

L., der gerade Vater einer kleinen Tochter geworden ist, gelobte Besserung, und auch K., der als Detektiv arbeitet, versprach, sein Leben neu ordnen. Der Richter hielt den Angeklagten zudem zugute, dass die verhandelten Taten schon gut drei Jahre zurückliegen und die Beiden seitdem nicht wieder straffällig geworden sind. Sein Urteil: zehn Monate auf Bewährung für K., für L. unter Einbeziehung der Taten in Bergedorf ein Jahr und zehn Monate. Damit blieb der Richter weit unter den von der Staatsanwältin geforderten Haftstrafen.