Harburg
Luhe-Niederung

Stiftung schickt Bagger ins Naturschutzgebiet

Harald Horster (Stadt Winsen), Detlef Gumz (Kreisverwaltung), Elisabeth Klocke und Karsten Borgräfe von der Stiftung Naturschutz sowie Kreisrat Josef Nießen (v.l.) informierten über den Baufortschritt.

Harald Horster (Stadt Winsen), Detlef Gumz (Kreisverwaltung), Elisabeth Klocke und Karsten Borgräfe von der Stiftung Naturschutz sowie Kreisrat Josef Nießen (v.l.) informierten über den Baufortschritt.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Stiftung Lebensraum Elbe investiert 2,3 Millionen Euro, um 770 Meter der Luhe wieder naturnäher zu machen.

Winsen.  Bagger furchen sich durch tiefen Kleiboden – die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Baustelle in der Luhe-Niederung noch stärker zur Schlammwüste werden lassen, als dies ohnehin schon durch die Arbeiten geschehen ist.

Hier werden acht neue Teiche ausgehoben (die sich gerade von selbst mit Wasser füllen), Gräben und Priele aufgeweitet, Ufer zu Wattflächen abgeflacht und vor allem Flussschleifen gebaut: Die Stiftung Lebensraum Elbe investiert insgesamt 2,3 Millionen Euro, um 770 Meter der Luhe nördlich von Winsen und ihre umgebende Flussniederung wieder naturnäher zu machen.

Anfang September begannen die Erdarbeiten. Im östlichen Bereich der Flussaue, mit Zufahrten vom Laßrönner Weg, sind inzwischen viele Kubikmeter Erdreich aufgeschüttet, das auf seinen Abtransport wartet. Große Stahlplatten bilden Baustraßen, die die verschiedenen Einsatzorte und die Ablagerungsflächen verbinden.

Baumaßnahmen tun der Natur etwas Gutes

Wer die Erdarbeiten auf den Baustellen nahe des Laßrönner Wegs oder vom Luhe-Deich auf der westlichen Seite sieht, mag kaum glauben, dass hier Maßnahmen ergriffen werden, um der Natur etwas Gutes zu tun. „Unser Ziel ist, dass die schon heute sehr reichhaltige Natur nach dem Projektende die Niederung weiter formt. Die dafür nötige Dynamik wollen wir ihr zurückgeben“, sagt Stiftungsmitarbeiter Karsten Borgräfe, der das Luhe-Projekt leitet.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde der Lauf der Luhe stark begradigt. Auf ihrem knapp drei Kilometer langen Unterlauf zwischen der Winsener Stadtgrenze und der Mündung in die Ilmenau gingen dadurch 820 Flussmeter verloren. 334 Meter soll die Luhe nun zurückbekommen.

Erdarbeiten Ende Februar 2020 abgeschlossen

Die Stiftung hatte sogar noch mehr vor: „Für unsere Maßnahmen mussten wir Grundstücke oder Nutzungsrechte für Flächen erwerben. Das ist uns im mittleren Bereich des Projektgebiets leider nicht gelungen, so dass wir auf einen dritten Mäander verzichten mussten“, sagt Elisabeth Klocke, Geschäftsführerin der Stiftung Lebensraum Elbe.

So gibt es jetzt die beiden Baustellen im nördlichen und südlichen Abschnitt. Doch auch so sei dieses umfangreiche Projekt etwas Besonderes, sagt die Stiftungschefin. Sie rechnet damit, dass die Erdarbeiten Ende Februar 2020 abgeschlossen sein werden. Im letzten Schritt werden die neuen Mäander mit Kies und Totholz versehen, um Unterschlupfe und Laichgründe für Fische und Kleintiere zu schaffen. „Im nächsten Sommer wird alles allmählich wieder grün“, verspricht Klocke.

Amphibien werden neue Teiche in Besitz nehmen

Vom neuen Schwung der Luhe und den zusätzlichen Kleingewässern in ihren Auen profitieren alle wilden Bewohner des Naturschutzgebietes. Fische wie Meeresforelle und Steinbeißer, aber auch das seltene Meeresneunauge und der Fischotter finden im natürlicheren Flusslauf bessere Lebensbedingungen. Amphibien, Libellen und andere Insekten werden die Teiche in Besitz nehmen und dienen dabei auch als Vogelnahrung – für den großen Weißstorch bis zum kleinen Eisvogel.

In den neuen Wattflächen, die davon profitieren werden, dass auch die Tidedynamik in der Luhe gestärkt wird, können Watvögel wie Regenpfeifer, Kiebitz oder Rotschenkel nach Nahrung stochern.

Kreisrat Josef Nießen freut sich über die „gewaltige Aufwertung“ des 2014 eingerichteten, 434 Hektar umfassenden Naturschutzgebiets Ilmenau-Luhe-Niederung. „Ich freue mich total, dass die Stiftungsziele so gut mit unseren Naturschutzinteressen übereinstimmen“, sagt auch Detlef Gumz, der in der Harburger Kreisverwaltung die Naturschutzabteilung leitet. „Das, was hier geschieht, ist genau das, was man tun muss, um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen.“

Stadt hätte Projekt nicht selbst umsetzen können

Einen Dank an alle Projektbeteiligten spricht Harald Horster, Leiter des Planungsamts der Stadt Winsen, aus. Er betonte, dass die Maßnahmen nicht nur den Wildtieren und -pflanzen, sondern auch den Winsenern zugute kommen: „Gerade mit Blick auf die wachsende Einwohnerzahl in Winsen ist intakte Natur ein wichtiger Standortvorteil. Die Stadt hätte ein solches Projekt wegen fehlender personeller und finanzieller Ressourcen niemals selbst umsetzen können.“

Elisabeth Klocke möchte den Winsenern ihr Projekt auch musikalisch schmackhaft machen. „Ein Fluss mit Gezeiten schwingt, wie Musik“, sagt die Umweltfachfrau. „Wir haben Obertiden, sie entsprechen den Obertönen in der Musik. In Kooperation mit der Musikschule Winsen möchten wir unser Naturschutzprojekt deshalb mit einem Konzert für die Luhe verbinden.“

Konzert für die Luhe

Wer das außergewöhnliche Konzert unter dem Titel „Wasserklänge“ erleben möchte, sollte sich den Sonnabend, 16. November, vormerken: Von 16 Uhr bis 18 Uhr wird die etwas andere Wassermusik in der Stadthalle Winsen (Luhdorfer Straße 29) erklingen (Eintritt frei).