Harburg
Kehrtwende

Weniger Geruchsbeschwerden am Veringkanal

Die NOW Nordische Oelwerke Walther Carroux GmbH & Co. KG am Verinkanal in Wilhelmsburg.

Die NOW Nordische Oelwerke Walther Carroux GmbH & Co. KG am Verinkanal in Wilhelmsburg.

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Jahrzehnte lang stanken die Nordischen Oelwerke den Anwohnern gewaltig. Seit einigen Jahren nicht mehr. Warum?

Wilhelmsburg. Die Anzahl der Beschwerden über Gestank aus den Nordischen Oelwerken (NOW) am Wilhelmsburger Veringkanal sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordneten Michael Weinreich hervor. Waren es 2015 und 2016 noch etwa 50 Beschwerden pro Jahr; gingen 2017 nur 16, 2018 nur 17 Beschwerden ein. Im laufenden Jahr wurden gar erst zwei Beschwerden gezählt.

„Dafür gibt es zwei Erklärungen“, sagt Weinreich. „Zum einen wurden die Sanierungsmaßnahmen, die den NOW im Jahr 2012 durch die Umweltbehörde auferlegt wurden, im April 2019 weitgehend abgeschlossen. Zum anderen haben die NOW sich entschieden, die Produktion pflanzlicher Fettsäuren demnächst einzustellen – beides ein Erfolg unseres politischen Drucks von Initiativen und Parteien.“

Die NOW befinden sich seit fast 100 Jahren am Veringkanal, länger, als die Wohnbebauung. Erst eine klassische Ölmühle, spezialisierte sich das Familienunternehmen bald darauf, Fette in ihre Bestandteile – den chemischen Kern Glycerin und die daran angebundenen Fettsäuren – zu zerlegen und diese separat zu verkaufen. Hier liegt die Krux: Viele Fettsäuren riechen intensiv, manche intensiv unangenehm. Am bekanntesten dafür ist die Buttersäure.

Anliegerpetition brachte die Kehrtwende

Beschwerden über Geruchsbelästigung hat es deshalb schon lange gegeben, aber über Jahrzehnte reagierten die NOW darauf lediglich mit Ignorieren. Erst das Interesse der Stadt, das Reiherstiegviertel im Rahmen der IBA aufzuwerten, sowie eine tausendfach gezeichnete Anwohnerpetition brachten eine Wende. Seitdem wandeln sich die NOW vom Buhmann zum Musterknaben: Sie speisen ihre Abwärme in den Energiebunker ein. beziehen Ökostrom , und solange sie noch selbst Fett spalten, sorgen die Oelwerke mittlerweile dafür, dass die Abluft eingefangen und gereinigt wird. Es wirkt. Inzwischen ist selbst die Chefetage zurück aufs Werksgelände gezogen.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass ein Nebeneinander von Industrie und Wohnen in Wilhelmsburg möglich ist und positive Effekte hat“, sagt Weinreich.