Harburg
Rosengarten

Die Hüterin der verrückten Bilder

Gisela Mitransky verwaltet den künstlerischen Nachlass ihres Mannes und sorgt dafür, dass die Bilder in Ausstellungen zu sehen sind.

Gisela Mitransky verwaltet den künstlerischen Nachlass ihres Mannes und sorgt dafür, dass die Bilder in Ausstellungen zu sehen sind.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Die Frau des Hamburger Professors und Künstlers Klaus W. Mitransky sorgt dafür, dass die Bilder ihres Mannes nicht vergessen werden.

Die Bilder hängen überall. Im der großen Eingangsdiele, unter den Dachschrägen, in der Küche, im Schlafzimmer sogar im Hauswirtschaftsraum des Einfamilienhauses in Sottorf. Es sind Dutzende. Und Gisela Mitransky kennt jeden Titel und die Geschichten, die die Werke erzählen. Es sind gesellschaftskritische Zeichnungen und Malereien, die Namen wie „Klage des Friedens“, „Der letzte Krieger“, „Verheißung des Paradieses“ oder „Land ohne Krieger“ tragen.

Gemalt hat sie Klaus W. Mitransky, Professor, Maler und Autor. Vor drei Jahren verstarb er mit 81 Jahren. Doch seine Bilder sollen weiterleben. Das hat sich Gisela Mitransky fest vorgenommen. Nicht nur, weil sie sein „größter Fan“ ist, sondern weil sie findet, dass die Bilder sehenswert sind und von möglichst vielen Menschen betrachtet werden sollten. Aus diesem Grund hat die 80-Jährige im vergangenen Jahr eine Ausstellung im Torhaus Wellingsbüttel organisiert. Jetzt folgt eine zweite.

Ausstellung trägt den Titel „Stille Momente“

Im Rathaus der Gemeinde Rosengarten in Nenndorf hat sie Mitranskys Acrylbilder und Collagen aufgehängt. „Stille Momente“ hat sie die Ausstellung genannt. „Weil dieser Titel zu meinem Mann passt“, sagt sie. „Er war ein stiller Mensch. Einer, der betrachtet hat – in einer Welt, die viel zu laut ist. Mit der Ausstellung möchte ich meinem Mann meine Wertschätzung erweisen. Und ich möchte seine Werke und Botschaften für die Nachwelt erhalten.“

Botschaften, die nicht immer auf den ersten Blick der sich übereinander schichtenden und wieder verfließenden Bildelementen zu verstehen sind. „Es sind Augenblicke, die simultan die Poesie und Paradoxie des Augenblicks entfalten“, hat Klaus W. Mitransky einmal über seine gesellschaftskritischen Bildkompositionen gesagt. Es seien „Montagen von Seherfahrungen, überschaubare Kompositionen mit einem reduzierten Maß ,ver-rückter’, surreal anmutender Rätselhaftigkeit.“

Der Künstler selbst liefert zu den Bildern Verszeilen, die dem Betrachter eine Deutungsmöglichkeit von vielen anbieten. Das künstlerische Erbe des Sottorfer Professors, der sich als Leiter der Fachschule Farbe Hamburg einen Namen gemacht und unzählige Studierende begleitet hat, ist gewaltig und berührend. Federzeichnungen, Acrylarbeiten und Ölkreiden, darauf Landschaften, in den sich traumgleich Versatzstücke eines Themas überlagern.

Ausflüge in eine scheinbare Gegenwelt

Es geht um Perspektiven und Ausblicke, manchmal in eine scheinbare Gegenwelt, die sich oft genug als Fortsetzung herausstellt. Entstanden sind die Bilder zumeist in den Urlauben in Spanien und Norwegen. „In den Bildern steckt meist eine unerwartete Pointe“, sagt Gisela Mitransky. „Es ist spannend, sie zu entdecken.“

Klaus W. Mitransky wurde 1935 in Seelow in der Mark geboren und wuchs in Rendsburg auf. Nach dem Studium der Malerei und Design in Düsseldorf und Kiel folgte ein Studium der Berufspädagogik in Berlin, das 1. und 2. Staatsexamen und anschließend das Studium der Kunstgeschichte, Soziologie und Erziehungswissenschaften in Hamburg sowie die Promotion. Mitransky lehrte an der Technischen Universität Hamburg (TUHH), der Universität Hamburg und dem Staatlichen Studienseminar und war zuletzt als Professor an der Universität Wuppertal tätig. Gemeinsam mit dem Designer Hans-Frieder Kühne gründete er in den 1970er Jahren die „Planungsgruppe Farbdesign im Städtebau“, schuf unter anderem das Farbdesign für die SAGA-Mietshäuser in Mümmelmannsberg und erhielt 1976 den Senatspreis der Freien und Hansestadt Hamburg für die Farbgestaltung in den Rainvilleterrassen.

Farbe brachte Wohnungen einen Wiedererkennungswert

Es sind Dutzende Ordner, in denen seine Frau Gisela das Leben dieses engagierten und kreativen Mannes abgeheftet hat, über den sie so viele Geschichten erzählen kann. „Ich könnte ein Buch schreiben“, sagt sie. Darüber, wie der junge Klaus als Student der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel die erste „Discokugel“ entwarf und mit seiner Erfindung gleich einen Preis einheimste. Oder wie er Anfang der 1970er-Jahre in Sottorf ihr „Traumhaus“ zeichnete und bauen ließ, ein Nurdachhaus mit zwei Giebeln, gleich einem „M“, das den Anfangsbuchstaben ihres Familiennamens weit in die Landschaft leuchten lässt. Oder wie er versuchte, den „Kaninchenstallähnlichen Wohnungen“ in Mümmelmannsberg mit ein bisschen Farbe an den Balkonen einen Wiedererkennungswert zu geben. Farbige Balkone bilden Kontraste zur Eintönigkeit der grauen Fassade.

Das passt zu Klaus W. Mitransky, der „nicht nur in seinen Bildern gesellschaftliche Widersprüche aufstellte“, wie Ulrich Seiss, Akademischer Oberrat der Universität Wuppertal, in einem Nachruf über seinen ehemaligen Dozenten schrieb. „Die Dialektik zwischen einerseits kritisch Rationalem und andererseits Emotionalem prägten das Leben und Lehren von Klaus Mitransky.“ Er sei ein „Fragensteller“ gewesen, so Seiss. „In Zeiten, in denen in erster Linie auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Bildung geschaut wird, vermissen wir seine besonnenen Anregungen schmerzlich.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Stille Momente“ mit Acrylbildern und Collagen von Klaus W. Mitransky läuft im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst im Rathaus Rosengarten“ bis zum 29. November.

Die Bilder sind zu den normalen Rathausöffnungszeiten Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr und Donnerstagnachmittag von 14 bis 18.15 Uhr im Rathaus in Nenndorf, Bremer Straße 42 zu sehen.

Weitere Informationen zum Leben des Künstlers Klaus W. Mitransky ist im Internet unter der Adresse www.kw-mitransky.de zu finden.