Neu Wulmstorf

Windkraft-Streit: „Fridays-for-Future“-Bewegung unter Druck

Solche Anlagen wie zwischen Daensen und Immenbeck sind auch im  Windpark Ardestorf geplant.

Solche Anlagen wie zwischen Daensen und Immenbeck sind auch im  Windpark Ardestorf geplant.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Schüler fühlen sich nach einem Offenen Brief unter Zugzwang – und halten sich jetzt aus der Diskussion heraus.

Neu Wulmstorf.  Im Streit um die geplanten Windkraftanlagen in Ardestorf bei Neu Wulmstorf hat jetzt der Schülerrat des örtlichen Gymnasiums Unterstützern und Gegnern des Projekts eine Absage erteilt. „Wir stellen uns in der Diskussion um die Windkraftanlagen auf keine der beiden Seiten und bitten darum, aus dieser Angelegenheit herausgehalten zu werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Schülerrates auf einen Offenen Brief des Geflügelfarm-Betreibers Henner Schönecke.

Unternehmer schlug örtliche Aktion vor

Der Unternehmer will sich an der Bürgergenossenschaft beteiligen, die den Rotor plant. Allerdings lehnt derzeit der Neu Wulmstorfer Gemeinderat mehrheitlich das Projekt ab und fordert vom Landkreis, dass die Fläche nicht, wie geschehen, als Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen wird. Das nun hatte Schönecke wiederum zum Anlass für seinen Offenen Brief an den Schülerrat des Gymnasiums Neu Wulmstorf genommen. Darin lobt er die „Friday-for-Future“-Bewegung, mit der Schüler weltweit vor einem durch Menschen verursachten Klimawandel warnen und eine drastische Verminderung von C02-Abgasen fordern. Es sei aber nicht nur wichtig, dass international umgedacht werde, sondern „wir sollten hier bei uns lokal beginnen“, schrieb Schönecke weiter und erinnerte daran, dass mit dem Projekt rund 4500 Haushalte mit Strom versorgt werden könnten. Mit anderen Worten: Der Unternehmer legte den Schülern nahe, sich vor Ort für den Ausbau erneuerbarer Energien einzusetzen.

Windkraftausbau ist ins Stocken geraten

Tatsächlich ist gerade der Ausbau von Windkraft deutschlandweit derzeit ins Stocken geraten. Proteste und langwierige Genehmigungen seien die Hauptursachen, heißt es in der Branche. Auch in Neu Wulmstorf gibt es heftige Proteste, als Grund wird dabei stets die Gefahr für Vögel genannt, die im Bereich Ardestorf vermehrt vorkämen. Eine Entscheidung des Landkreises zum Bau der Anlage steht zudem noch aus, auch dort gab es beim Naturschutzamt Bedenken.

„Diskussion gehört in den Gemeinderat, nicht in die Schule“

Der Neu Wulmstorfer Schülerrat, der sich der „Fridays-for-Future“-Bewegung angeschlossen hat, spricht sich in seiner Stellungnahme zwar ebenfalls für den Ausbau erneuerbarer Energie aus. „Andererseits haben wir jedoch nicht demonstriert, um ein willkommenes Druckmittel in politischen Diskussionen zu werden“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Darin beschreiben die Schüler zudem, dass sie sich durch Beschwerdeschreiben, Parteien und auch durch die Presse unter Zugzwang gefühlt hätten, weil alle eine Stellungnahme wollten. Man wolle sich aber nicht für die Politik instrumentalisieren lassen und würde daher auch keine Podiumsdiskussion mit an der Schule abhalten. Zudem könne der Schülerrat auch gar nicht das „politische Bild“ aller Schüler widerspiegeln. „Politische Diskussionen wie diese gehören in den Gemeinderat und nicht in die Schule!“, so das Fazit.