Harburg
Innovation

Europas leichteste Palette kommt aus Harburg

Wie leicht die Palette wirklich ist, zeigt Susanne Pahnke, indem sie das Produkt mit einem Finger hebt.

Wie leicht die Palette wirklich ist, zeigt Susanne Pahnke, indem sie das Produkt mit einem Finger hebt.

Foto: Lars Hansen / xl

Der Palettenservice aus dem Binnenhafen ist für sein innovatives Produkt B4B mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet worden.

Harburg.  Gäbe es keine Transportpaletten, müsste man sie erfinden. Man kann viele kleine Verpackungseinheiten darauf stapeln und in einem einzigen Arbeitsgang in Lager, auf den Lkw oder in den Container fahren. Weil es aber schon Paletten gibt, muss man sie jetzt eigentlich nicht neu erfinden, denn die Konstruktion ist ja einfach genug, oder? Die Aufmerksamkeit, welche die Palettenservice Hamburg AG aus dem Harburger Binnenhafen mit ihrer neuen Leichtpalette B4B in der Fachwelt erregt, spricht da allerdings eine andere Sprache.

Auszeichnung in der Kategorie Logistik

Kaum auf dem Markt, wurde sie schon mit dem „Deutschen Verpackungspreis“ in der Kategorie Logistik und Materialfluss ausgezeichnet. Am Stammsitz in Harburg und in Finsterwalde, wo die Leichtpalette produziert wird, ist man stolz auf die Auszeichnung. „Der Deutsche Verpackungspreis ist die renommierteste Leistungsschau rund um die Verpackung in Europa“, sagt Susanne Pahnke, die als Vertriebsfachfrau beim Paletten-Service für die preisgekrönte Wunderpalette zuständig ist, „das ehrt uns natürlich besonders!“.

Maß und Belastung wie bei einer Europalette

In Maß und Belastungsfähigkeit entspricht die B4B-Palette der altbekannten Europalette. Allzu sehr umdenken müssen Kunden in dieser Hinsicht nicht. Mit 5,5 Kilo im Euromaß bringt die B4B aber nur ein Viertel des Eigengewichts einer Vollholzpalette auf die Waage, und sie lässt sich Platz sparend stapeln. Diese beiden Eigenschaften machen die Harburger Erfindung deshalb zu einem begehrten Objekt bei allen, die sich mit Luftfracht befassen. In dieser Branche ist jedes Gramm Geld.

Innovation beim stapeln

Aufmerksamkeit erregt auch die neue Art, in der sich die Leichtpaletten stapeln lassen. Auf derselben Fläche, die 17 Vollholzpaletten beanspruchen würden, kann man 100 B4B stapeln und mit einer einzigen Lastwagenfuhre können über 4000 Leerpaletten zum Kunden gebracht werden. Möglich macht das eine kufenlose Konstruktion, bei der die Palettenfüße ineinander passen, so dass letztlich nur die Lastplatte zur Stapelhöhe beiträgt.

Füße und Fläche der Palette bestehen aus hochdichter Faserplatte (HDF), seit Neustem verstärkt mit Sperrholzlatten. „Dies ist mittlerweile schon die zweite Generation B4B“, sagt Susanne Pahnke, „die Holzlatten geben den Füßen noch mehr Stabilität.“ Einzige Einschränkung: Die leichte Einwegpalette eignet sich nur zum Transport und zum Lagern auf ebenen Flächen. Im Hochregal würde sie sich durchbiegen. „Dort müsste man eine Europalette oder Stabile Bretter unter unsere Palette stellen“, sagt sie.

Werkstoff HDF ist fest und günstig

Der Werkstoff HDF ist Heimwerkern als Trägermaterial für Laminatfußbodendielen bekannt. Feine Nadelholzfasern werden unter hohem Druck verleimt, wobei sie ihre Feuchtigkeit abgeben und insgesamt ein homogenes, sehr stabiles Material ergeben. Ohne Qualitätsverlust kann auch Holz geringerer Güteklassen zerspant werden. Das bringt in der Produktion einen Kostenvorteil. „Das war der eigentliche Grund, warum wir mit der Entwicklung von B4B angefangen haben“, sagt Susanne Pahnke. „Vor einigen Jahren war der Preis für Schnittholz so hoch, dass wir die klassischen Europaletten nur noch zu Preisen anbieten konnten, die die Kunden nicht gerne zahlten.“

Top im außereuropäischen Export

Vor allem im außereuropäischen Export, bei dem die Palette nicht mehrfach verwendet wird, schlägt der Preis der Palette natürlich zu Buche und auch hier schlägt die B4B die Europalette, die erst durch viele Verwendungszyklen günstig wird. „Es gab bereits ein aus Pressspan geformtes Konkurrenzprodukt auf dem Markt, sagt Susanne Pahnke, „das wollten wir aber aus verschiedenen Gründen nicht nachmachen, sondern etwas besseres entwickeln.“

Anscheinend ist das gut gelungen. Die Auszeichnung mit dem Verpackungspreis ist ein Indiz dafür. Der Deutsche Verpackungspreis wird unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ausgeschrieben und zeichnet seit 1963 die besten Lösungen und Innovationen in verschiedenen Kategorien aus. Organisator ist das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) in Berlin.

Die Jury überzeugten die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit besonders: Die Leichtpalette ist sehr robust und frei von Nägeln oder Klammern, erfüllt internationale Werkstoffnormen und die verwendeten Holzwerkstoffe Sperrholz und HDF ermöglichen obendrein eine ökologische Entsorgung.