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Hamburg

So sieht die neue Holsten-Brauerei in Hausbruch aus

Die noch nicht in Betrieb gegangene Brauerei Carlsberg in Hamburg am 11.09.2019. Jan Freitag, Geschäftsführer Produktion und verantwortlich für die Inbetriebnahme der Brauerei, am Leergutlager. Foto: Thorsten Ahlf / Funke Foto Services

Die noch nicht in Betrieb gegangene Brauerei Carlsberg in Hamburg am 11.09.2019. Jan Freitag, Geschäftsführer Produktion und verantwortlich für die Inbetriebnahme der Brauerei, am Leergutlager. Foto: Thorsten Ahlf / Funke Foto Services

Foto: Thorsten Ahlf

Ab November wird das Bier nicht mehr in Altona gebraut. Das Abendblatt hat sich die neue Produktionsstätte angeschaut.

Hamburg.  140 Jahre hatte die Holsten-Brauerei ihren Standort mitten in Altona. Doch nun endet diese Ära. Auf dem rund 86.500 Quadratmeter großen Areal entsteht für rund 750 Millionen Euro ein neues Quartier mit Wohnungen, Büros, Einzelhandel, Hotel und Gastronomie.

Die offizielle Eröffnung der neuen Produktionsstätte im Gewerbegebiet Heykenaukamp in Hausbruch steht kurz bevor. In knapp zwei Monaten soll es losgehen, am 4. November wird Bürgermeister Peter Tschentscher den Startschuss geben. Dann können in der neuen Brauerei pro Stunde bis zu 60.000 Flaschen der Marken Astra und Holsten abgefüllt werden. Insgesamt reichen die Kapazitäten für die Produktion bis zu einer Million Hektoliter Bier pro Jahr. Der Testbetrieb in der rund 25.000 Quadratmeter großen neuen Brauerei mit den bis zu 15 Meter hohen Hallen hat bereits begonnen.

Das Abendblatt hat einen ersten Blick hinter die Kulissen geworfen. Dort steht tatsächlich alles bereit für die große Premiere. Die Malzsilos, die Edelstahlkessel im Sudhaus, die zehn Drucktanks und die 13 Gär- und Lagertanks mit einer Kapazität von bis zu 5000 Hektolitern – alles ist bereits eingebaut.

Bier muss bis zu drei Wochen gären

Bis zu drei Wochen gärt das Bier in den Lagertanks, dann ist der Reifeprozess abgeschlossen, und das Herzstück der Brauerei kommt ins Spiel. Das ist die Abfüllanlage. Hier wird das Bier in Flaschen abgefüllt. Ein Roboter hebt die Kisten von den Paletten auf das Band, dann beginnt eine ausgeklügelter Ablauf.

Es gibt zwar eine separate Sortieranlage auf dem Areal, aber trotzdem scannen Kameras jede einzelne Kiste auf „Fremdflaschen“. „Die Verbraucher packen auch mal Milch- oder Saftflaschen in die Kisten, und die können wir natürlich nicht gebrauchen“, sagt Projektleiter Jan Freitag.

Das ist der Mann, der mit seinem „Pionierteam“ die Inbetriebnahme vorbereitet hat und die Mitarbeiter an den neuen Maschinen schult. „Wir sind dafür verantwortlich, das hier ab November alles reibungslos funktioniert, daher sind wir bereits im ausgiebigen Testbetrieb“, sagt der gelernte Braumeister.

Einpackroboter befördert Kisten auf Paletten

Unterdessen läuft das Band mit den Bierflaschen an ihm vorbei. Die werden nun mit einer Speziallauge in der „Flaschenwaschanlage“ gereinigt. Später kommen wieder Kameras zum Einsatz, die die Flaschen auf Beschädigungen untersuchen. Erst danach werden die Flaschen mit Bier befüllt und die Kronkorken aufgesetzt.

Danach ist die Etikettiermaschine am Werk, bei unserem Besuch ist das Holsten-Logo an der Reihe. Jetzt ist der „Einpackroboter“ am Werk, der die Flaschen in Kisten auf Paletten befördert. Die werden danach von den Gabelstaplerfahrern in das Hochregallager gebracht. Dort stehen bereits geschätzt mehrere Tausend Kisten.

Später, wenn die Brauerei offiziell in Betrieb ist, ist hier Platz für Millionen von Flaschen. „Es ist wichtig, dass wir ausreichend Vorräte haben, um auf die Nachfrage auch ad hoc reagieren zu können. Zum Beispiel, wenn an warmen Sommertagen der Absatz steigt“, sagt Freitag.

Bis zu 180 Fässer können pro Stunde abgefüllt werden

Die hier gelagerten Kisten werden dann auf eigene Lkw und Fahrzeuge von Getränkegroßhändlern verladen – bis zu 100 Fuhren pro Tag werden es sein.

Zurück zur Abfüllanlage. Denn hier gibt es auch eine eigene Abfüllanlage für 30- und 50-Liter-Fässer, die vornehmlich in der Gastronomie zum Einsatz kommen. Auch hier hebt ein Roboter die Fässer auf das Band. Bis zu 180 Fässer pro Stunde können abgefüllt werden.

Alle Abläufe in der Brauerei sind automatisiert. Das meiste wird von den Maschinen erledigt, die „Mitarbeiter sind in erster Linie dafür da, zu kontrollieren, dass die Technik funktioniert, und sofort einzuschreiten, wenn es Unregelmäßigkeiten gibt“, sagt Freitag. Deshalb ist auch die „zentrale Steuerungswarte“ so wichtig.

70 Arbeitsplätze werden abgebaut

In dem Raum der Warte stehen große Monitore. „Hier können die Mitarbeiter auf sämtliche Tanks und Kessel zugreifen. Wenn etwas nicht funktioniert, blinkt ein rotes Lämpchen auf“, sagt Freitag. Direkt nebenan ist das Labor der Qualitätssicherung. „Wir haben hier künftig fünf Mitarbeiter, die das Bier verkosten, hier wird es auch zum Beispiel auf den Alkoholgehalt und die Stammwürze untersucht“, sagt Freitag.

Auf dem Außengelände vor der Sortieranlage stapeln sich bereits geschätzt fünf Meter hoch die Bierkisten mit dem Leergut.

Fünf Tage in der Woche, rund um die Uhr in drei Schichten, soll hier in Hausbruch künftig Bier gebraut, abgefüllt und für die Lieferung vorbereitet werden. Etwa 150 Mitarbeiter werden dort tätig sein, die Verwaltung bleibt am alten Standort. Schon bekannt ist: „Von den circa 450 Arbeitsplätzen am Standort Altona werden rund 70 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut“, so Projektsprecher Christoph Boneberg.

Zum Abschluss zeigt Jan Freitag noch die Kantine mit angeschlossener Lounge. Hier könnten sich künftig auch Besuchergruppen zur Verkostung treffen.

So ganz soll Holsten nicht aus Altona verschwinden

Die Brauereiführungen haben am alten Standort eine lange Tradition. Tausende Hamburger und Touristen haben dort über die Jahrzehnte teilgenommen. In der neuen Brauerei sollen auch wieder solche Führungen angeboten werden. Dafür wird noch ein Konzept ausgearbeitet. Auch wenn in der Produktion in Altona Anfang November die Lichter ausgehen und die meisten Gebäude dort abgerissen werden: So ganz geht Holsten nicht. Es gibt Pläne für eine Mikrobrauerei mit Gastronomie.

Der Hamburger Veranstalter Uwe Bergmann hatte im Sommer Pläne für eine Zwischennutzung des Areals vorgestellt: „Die Fläche mit ihrem Industriecharme eignet sich für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Auch für Pop-up-Galerien wäre hier ein idealer Standort und eine Markthalle mit Gastronomieständen“, sagte Bergmann dem Abendblatt.