Harburg
Nahversorgung

Discounter Aldi schließt seine Filiale in Hausbruch

Der Aldi-Markt an der Ecke Cuxhavener/Waltershofer Straße hat keine Zukunft

Der Aldi-Markt an der Ecke Cuxhavener/Waltershofer Straße hat keine Zukunft

Foto: Lars Hansen / xl

Baugenehmigung für die Erweiterung in Fischbek ist an die Schließung von Hausbruch geknüpft. Aldi soll alte Dorfschule wieder aufbauen.

Hausbruch.  Das wird die Anwohner des Ehestorfer Heuwegs nicht freuen: Wenn die Sanierung ihrer Straße Ende des kommenden Jahres abgeschlossen ist und sie wieder freie Fahrt haben, haben sie ein Fahrtziel weniger: Der Aldi-Markt an der Ecke Cuxhavener Straße/Waltershofer Straße wird dann wohl schon verschwunden sein.

So wollen es sowohl Bezirksverwaltung und Kommunalpolitik, als auch die Discounterkette selbst – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Bezirk will wenig Verkaufsfläche an Ausfallstraßen

2018 haben das Bezirksamt und die Bezirksverwaltung ein Nahversorgungskonzept für Harburg erstellen lassen. Dessen Verfasser kommen zu dem Schluss, dass der Bezirk, wenn er vitale Zentren in den Stadtteilen haben möchte, möglichst wenig Verkaufsfläche in reinen Gewerbegebieten oder gar in Gewerbegebieten an Ausfallstraßen zulassen sollte.

„Solche Discounter auf der grünen Wiese ziehen Kaufkraft aus den Stadtteilzentren ab und sorgen dort für ein Sterben der Geschäfte“, sagt Frank Richter (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses der Harburger Bezirksversammlung.

„Meistens sind sie nur mit dem Auto erreichbar. Wer kein Auto hat, oder keines nutzen möchte, hat das Nachsehen. Deshalb wollen wir dieser Empfehlung im Nahversorgungskonzept folgen und die Verkaufsfläche an Straßen wie der B 73 reduzieren.“

Klassisches Beispiel für unerwünschten Supermarktstandort

Damit wird einer Entwicklung ein Ende gesetzt, die seit der Jahrtausendwende das Ansiedlungskonzept für Supermärkte prägte: Die Märkte sollten aus den Wohnquartieren heraus verlagert werden, damit der von Kunden und Lieferanten verursachte Verkehr nicht die Anwohner belaste.

In Zeiten der Verkehrswende setzt die Politik aber auf Rad- und Fußverkehr und somit auf kurze Wege. „Ich kann schlecht jemandem vorschlagen, sein Auto abzuschaffen und aufs Fahrrad umzusteigen, wenn er dann Mühe hat, seinen Kühlschrank zu füllen“, sagt Richter.

Die Aldi-Filiale in Hausbruch ist ein klassisches Beispiel für die mittlerweile unerwünschten Supermarktstandorte: Die Hälfte des fußläufigen Einzugsgebiets im 800-Meter-Radius ist Wald. Ein weiteres Viertel Logistik, Industrie und anderes Gewerbe.

Das Personal darf nicht darüber sprechen

Das verbleibende Viertel ist zwar mit Einzel- und Reihenhäusern besiedelt, aber durch Bahngleise vom Markt abgeschnitten. Der Weg von hier zum Aldi führt direkt vor der Schiebetür des Konkurrenten Lidl vorbei.

Dennoch ist der Parkplatz meistens voll. In der Nähe gibt es Wohnquartiere, die im 800-Meter-Radius gar keine Einkaufsmöglichkeit haben. Die Siedlung Bostelbek zum Beispiel oder der Wald westlich des Ehestorfer Heuwegs. Dass die Filiale geschlossen werden soll, wissen die wenigsten der Kunden hier an der Cuxhavener Straße. Das Personal darf nicht darüber sprechen.

Wann geschlossen wird, steht noch nicht fest. Das richtet sich danach, wann die Aldi-Filiale in Fischbek wieder eröffnet, die abgerissen und auf 1200 Quadratmeter – deutlich vergrößert – neu gebaut wird.

Einige Wochen danach ist in Hausbruch Schluss. Von drei Aldi-Filialen in der Region Süderelbe reduziert der Konzern damit auf zwei. Ähnliche Prozesse sind auch in anderen Stadtteilen zu beobachten.

Versorgung gefährdet?

Der AfD-Bezirksabgeordnete Matthias Arft sieht durch die Schließung in Hausbruch die Versorgung der Bürger im westlichen Heimfeld gefährdet und richtet deshalb eine Anfrage ans Bezirksamt, die erklären soll, ob die Versorgung dieses Quartiers bei den Schließungsplänen bedacht wurde.

In der Tat sind es vom Hausbrucher Aldi zur Kreuzung Eißendorfer Pferdeweg/Heimfelder Straße nur 3,5 Kilometer. Von dieser Kreuzung zu den Discountern an der Weusthoffstraße sind es allerdings nur 1,5.

Bundesweit setzt die Discounterkette Aldi in Zukunft auf weniger, aber größere Filialen. 1200 Quadratmeter Fläche ist die neue Mindestgröße. Die meisten jetzigen Märkte haben etwa 900 Quadratmeter. Die Baugenehmigung für die Erweiterung in Fischbek war an die Schließung von Hausbruch geknüpft. Außerdem soll Aldi die benachbarte historische Dorfschule wieder aufbauen, die 2016 abgebrannt war.