Neuwiedenthal

Planung für eine Campusschule fällt durch

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Ein Schüler im IT-Unterricht.

Ein Schüler im IT-Unterricht.

Foto: dpa Picture-Alliance / Sebastian Gollnow / picture alliance / Sebastian Gol

Was ist eine Campusschule – und was will Schulsenator Ties Rabe mit neuer Schulform bewirken? Harburgs Parteien haben Zweifel.

Harburg . Was ist eigentlich eine Campusschule – und was will Schulsenator Ties Rabe mit dieser neuen Schulform bewirken? Bei allen bildungspolitischen Meinungsverschiedenheiten: Diese Frage eint alle Harburger Parteien, die bislang eine Stellungnahme zum Referentenentwurf für den Schulentwicklungsplan (SEPL) der Schulbehörde abgegeben haben.

Und noch eines haben die Stellungnahmen gemeinsam: Selbst wenn eine Campusschule eine gute Idee wäre – was man ohne Definition aber nicht beurteilen kann – den geplanten Standort einer Campusschule in Neuwiedenthal lehnen SPD, Grüne, CDU und Linke ab.

Er ist weit entfernt von den Neubaugebieten und von den ohnehin mit weiterführenden Schulangeboten unterversorgten Bestandsquartieren im Westen der Süderelbe-Region.

Gute Erfahrungen in Hamburg

Campusschulen, so viel weiß man, sollen zugleich den gymnasialen Schnelldurchgang zum Abitur und den bis zur Hochschulreife ein Jahr länger dauernden stadtteilschulischen Bildungsweg anbieten.

An der Heinrich-Hertz-Schule in Winterhude und der Gyula-Trebitsch-Schule in Tonndorf habe man damit gute Erfahrungen gemacht, heißt es aus der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB).

Mit einer wissenschaftlichen Evaluation der beiden Schulexperimente ist die BSB aber noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen und so befürchten die Harburger Parteien, dass die „guten Erfahrungen“ nichts weiter sein könnten, als graue Theorie.

Intransparentes Schulmodell?

„Dieses intransparente Schulmodell lehnen wir ab“, heißt es bei den Linken, die in der Campusschule ein Konkurrenzmodell zur Stadtteilschule sehen, die sie favorisieren. Und weiter: „Die Stadtteilschulen leisten die zentrale Aufgabe von Inklusion und Integration und fördern die Bildung sozial belasteter Schüler.

Trotzdem stärkt der SEPL-Entwurf die Gymnasien und verschärft die soziale Spaltung. Dazu trägt auch die Campusschule bei.“

Die CDU hingegen befürchtet, dass die Campusschule die Zweiteilung des Schulsystems aufweichen würde und sieht sie deshalb kritisch.

In Fischbek kein Neubau einer weiterführenden Schule

Vor allem aber ist es der geplante Standort der Stadtteilschule Süderelbe, der allen Parteien missfällt. Im SEPL-Entwurf selbst ist zwar weder für die Campusschule in Süderelbe noch für die in Harburg bislang ein Standort genannt, aber bei Informationsveranstaltungen in Süderelbe sickerte bereits durch, dass die Neubaugebiete in Fischbek keinen Neubau einer weiterführenden Schulen erhalten sollen.

Stattdessen soll die Campusschule in Neuwiedenthal entstehen, wo die BSB bereits das Gelände der ehemaligen Frieda-Stoppenbrink-Schule zur Verfügung hat. Die Schüler aus dem Westen der Region könnten diese bequem mit der S-Bahn von Fischbek aus erreichen.

Unzuverlässige Bahnverbindung

SPD und Grüne widersprechen Rabes Referenten: „Der Schulweg nach Neuwiedenthal ist für die Kinder aus dem westlichen Teil Neugraben-Fischbeks sowohl mit dem Rad als auch mit Bus und Bahn unattraktiv“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme der kommenden Koalitionäre.

Bei Bahnnutzung wären es ein bis zwei Kilometer Fußweg zur S-Bahn in Fischbek, ein Kilometer Fußweg vom Bahnhof Neugraben zur Schule.

Dazu käme die unzuverlässige Bahnverbindung: Der Bus bräuchte eine halbe Stunde aus dem Heidbrook bis zur Schule – und die Radstrecke würde vier Kilometer entlang der vierspurigen B 73 führen. Die Folge wäre, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brächten.

( xl )

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