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40 Jahre – Kindertanzgruppe Kiekeberg hat Jubiläum

Volkstanz und Trachtengruppe ist nicht nur was für Mädchen: Arne (5) fühlt sich zwischen seinen Mitstreiterinnen Clara (l.) und Levke sichtlich wohl.

Volkstanz und Trachtengruppe ist nicht nur was für Mädchen: Arne (5) fühlt sich zwischen seinen Mitstreiterinnen Clara (l.) und Levke sichtlich wohl.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Zur Feier gibt es ein großes Landeskindertanzfest in der Rosengarten-Sporthalle und ab 14 Uhr ist Tanz für jedermann.

Arne ist fünf und der Hahn im Korb. Er ist der einzige Junge zwischen rund einem Dutzend Mädchen der Kinder-Volkstanz und Trachtengruppe Kiekeberg. Mit seiner Schiebermütze und dem roten Halstuch sieht der kleine Junge aus wie Michel aus Lönneberga aus Astrid Lindgrens gleichnamigem Kinderbuch. Überhaupt scheint für einen Moment die Zeit in ein anderes Jahrhundert zurückgedreht, wenn Arne und seine Mitstreiterinnen in ihren volkstümlichen Trachten die Bühne betreten. Doch die verzierte Haube, die festliche Bluse, der wollene Rock und die gestrickten Strümpfe in den Schnallenschuhen sind unverzichtbar, wenn Gretje und Svenja, Levke, Clara, Martha und die anderen Mädchen sich aufmachen zum Tanz: bei Dorffesten und Maibaumfeiern, Erntedankfeiern und Museumsveranstaltungen. Die Kindertrachtengruppe des Vereins Volkstanz- und Trachtengruppe Kiekeberg e.V. sorgen mit ihrem außergewöhnlichen Hobby dafür, dass eine Tradition erhalten bleibt. Vor 40 Jahren wurde die Gruppe für Kinder und Jugendliche gegründet. Das soll an diesem Sonnabend gefeiert werden.

Die Kinder üben seit Wochen für das Tanzfest

Für das Landeskindertanzfest der Deutschen Gesellschaft für Volkstanz (DGV) in der Rosengarten-Sporthalle in Nenndorf wird seit Wochen fleißig geübt. Jeden Dienstag trifft sich der Nachwuchs in der Pausenhalle der Grundschule Vahrendorf. Eine Stunde lang wird dann getanzt. Gemeinsam springen die Kinder zu „Cotton Eye Joe“ und „Brüderchen, komm tanz mit mir durch den Saal, tanzen Polka zu Liedern von Volker Rosin, drehen sich im Kreis und klatschen in die Hände. Mehr als 100 verschiedene Tänze haben die Mädchen inzwischen drauf. Schrittfolgen aus den 1920er und 30er Jahren ebenso wie Tänze aus dem 19. Jahrhundert und aus der Gegenwart.

Tanzen macht Spaß und fördert die Koordination

Unterstützt werden sie dabei von ihren Trainerinnen Grit Brauckmann, Bianka Walter und Armgard Kaestner. „Viele Tänze sind gar nicht richtig überliefert“, sagt Kaestner. „Sie wurden nicht aufgezeichnet, da sie jeder kannte und man sie von Generation zu Generation weitergab. Also lassen wir uns auch manchmal einfach etwas einfallen.“ Armgard Kaestner, 62, ist ein Urgestein, wenn es um das Tanzen geht. 1992 übernahm sie die Kinder- und Jugendgruppe der Volkstanz- und Trachtengruppe Kiekeberg, weil sich kein anderer Trainer fand und sorgte dafür, dass das Angebot bis heute Bestand hat. Sie hat dutzende Kinder die traditionellen Tänze gelehrt. Inzwischen ist sie nur noch aushilfsweise dabei. Grit Brauckmann, 22, und Bianka Walter, 18, haben das Ruder vor zwei Jahren übernommen, begleiten die Kinder bei Auftritten und fahren mit ihnen zur Übungsfreizeit nach Horst. Auch sie sind davon überzeugt, dass Kinder tanzen sollten. „Es ist ein wunderbarer Sport“, sagt Grit Brauckmann. „Tanzen macht Spaß, fördert die Konzentration und Disziplin und ist gut für den Teamgeist.“ Die Harburgerin hat mit fünf Jahren bei der Volkstanzgruppe angefangen. Ihre Mutter Hellen, selbst Tänzerin, nahm die Kinder mit zum Training.

Bei der Tanzgruppe kann jeder mitmachen

„Die meisten kommen über die Familie oder Freunde dazu“, sagt Armgard Kaestner. „Wenn die Eltern, die älteren Geschwister oder die Schulkameraden in einer Trachten- und Volkstanzgruppe aktiv sind, geht man mal mit und bleibt dabei, wenn es einem gefällt. Allerdings haben wir deutlich mehr Mädchen. Jungen sind eher Mangelware. Das ist schade, aber auch kein Problem, denn es gibt viele Gemeinschafts- oder Mitmachtänze, wo man keinen Partner benötigt und jeder sofort mitmachen kann. Und natürlich können auch Mädchen mit Mädchen oder Jungen mit Jungen tanzen.“ Entscheidend sei, dass jeder mitmachen könne, egal welchen Alters oder Geschlechts. „In unserer Erwachsenengruppe ist die jüngste Tänzerin 18 Jahre alt, die älteste 86“, so Kaestner.

Bekannt über die Kreisgrenzen hinaus

Gegründet wurde diese übrigens zehn Jahre vor der Kindergruppe im Jahr 1969. Damals hatten ein paar Frauen aus der Region die Idee, alte Trachten von den Dachböden zu holen und der Öffentlichkeit zu zeigen. Das ging am Besten beim Tanzen traditioneller Bauerntänze aus der Region. Und so studierten sie gemeinsam zum Erntedankfest ein paar Tanzschritte ein. Seitdem hat sich die Gruppe weit über die Grenzen des Landkreises einen Namen gemacht.

Ab 14 Uhr dürfen alle mittanzen

„Das schöne am Volkstanz ist, dass die Schritte leicht zu lernen sind und jeder ohne große Mühe mittanzen kann“, sagt Armgard Kaestner. Darum soll es auch am Wochenende beim großen Landeskindertanzfest in Nenndorf gehen, zu dem Kindertanzgruppen aus Hamburg und Niedersachsen in die Rosengarten-Sporthalle (Auf dem Ast 2) kommen. Ab 14 Uhr sind auch all diejenigen eingeladen, mit zu tanzen, die bislang nur zugeschaut haben.