Harburg
Klimaschutz

Streit um Windpark in Neu Wulmstorf

Henner Schönecke mit seinen Hühnern. Im Hintergrund die bereits stehenden Windräder

Henner Schönecke mit seinen Hühnern. Im Hintergrund die bereits stehenden Windräder

Foto: Axel Tiedemann / HA

Sollte der Streit um einen geplanten Windpark ein Fall für "Fridays for Future" sein? Ein offener Brief legt das nahe.

Neu Wulmstorf. Sollte der Streit um einen geplanten Windpark nicht auch einmal ein Fall für die lokale Schüler-Klima-Initiative „Fridays for Future“ sein? Das jedenfalls legt jetzt ein Brief nahe, mit dem sich der Neu Wulmstorfer Hühnerfarm-Betreiber Henner Schönecke in die Auseinandersetzungen um den geplanten Windpark Ardestorf einschaltet.

Ein 17- Millionen-Projekt, das in unmittelbarer Nachbarschaft seines Betriebs geplant ist und an dem sich auch beteiligen wolle, wie er sagt.

Typisch für viele Windkraft-Pläne

Damit meldet sich nun öffentlichkeitswirksam ein örtlich bekannter Befürworter zu Wort – während es bisher aus Kommunalpolitik und von Anwohner vor allem kritische Stimmen dazu gab. Neu Wulmstorf dürfte dabei typisch für etliche ähnliche Vorhaben im Lande sein.

So beklagte der Bundesverband Windenergie jüngst, dass der Ausbau der Windenergie ins Stocken geraten sei. Zuviel Proteste vor Ort, zu lange Genehmigungsverfahren, hieß es als Begründung.

Und auch die längst gegründete lokale Betreibergenossenschaft „Bürgerwind-Neu-Wulmstorf“ hat bereits 2017 den Zuschlag für drei große Rotoren von der Bundesnetzagentur erhalten und wartet derzeit auf eine Betriebsgenehmigung durch den Landkreis Harburg.

Viele Greifvögel an der Hühnerfarm

Aber es gibt eben auch Bedenken, weil es in unmittelbarer Nähe der Hühnerfarm auch viele Greifvögel lebten, die den Betrieb als eine Art gedeckten Tisch betrachten würden, wie es bei den Gegnern des Projekts immer wieder heißt und die mit solchen Argumenten offensichtlich auch Teilerfolge erzielen konnten:

So hat der Rat der Gemeinde Neu Wulmstorf den Landkreis jüngst gebeten, die Ardestorfer Fläche deshalb als „Vorranggebiet“ für Windkraft wieder zu streichen.

Das nun nimmt nun Schönecke zum Anlass für seinen offenen Brief an den Schülerrat des Gymnasiums Neu Wulmstorf. Darin lobt er die „Friday for Future“-Bewegung, mit der Schüler weltweit vor einem durch die Menschen verursachten Klimawandel warnen und eine drastische Verminderung von C02-Abgasen fordern.

Klimaschutz lokal beginnen

Es sei aber nicht nur wichtig, dass international umgedacht wird, schreibt Schönecke weiter, sondern „wir sollten hier bei uns lokal beginnen.“ Er schildert dann, wie er bereits seit langem mit Biogas Co2-neutral Energie produziert, eine tiergerechte Hühnerhaltung betreibe und dass er die Zukunft in alternativer Energieerzeugung wie eben mit lokalem Windstrom sehe.

Mit den drei geplanten Windrädern könne man für 4500 Haushalte in Neu Wulmstorf Strom erzeugen. Doch Gemeinderat und Bürgermeister wollten sich nun von diesen Planungen verabschieden. „Das darf aus meiner Sicht im Sinne von Klimaschutz für Neu Wulmstorf nicht sein“, kritisiert Schönecke weiter und lädt die Schüler zu einer Besichtigung seines Hofes ein.

Schülerrat hat noch nicht reagiert

Vom Schülerrat gab es dazu bisher noch keine Reaktion– schlicht deshalb, weil so kurz nach den Ferien noch keine Vertreter gewählt sind. Dafür aber reagierten Politik und Bürgermeister deutlich. Man sei sehr wohl für eine Energiewende, sagte der SPD-Ratsherr Thomas Grambow.

Das zeige die Zustimmung für eine andere Windkraftanlage bei Elstorf. „Doch hier gibt es eben starke artenschutzrechtliche Bedenken und da wollen wir auf eine Bewertung durch den Landkreis warten.“ Und auch Bürgermeister Wolf Rosenzweig reagierte umgehend auf den offenen Brief, in dem ihm auch vorgeworfen wurde, sich öffentlich gegen den weiteren Ausbau von Windkraft ausgesprochen zu haben.

„Ich bin nicht gegen Windkraft“

„Ich bin nicht gegen Windkraft, ich bin gegen die derzeitigen Überkapazitäten in Norddeutschland“, stellte Rosenzweig gegenüber dem Abendblatt klar. Es sei doch absurd, dass die Verbraucher für „Geisterstrom“ zahlen müssten, weil der Windstrom wegen fehlender Trassen nicht nach Süddeutschland geleitet werden könne.

Doch diese Einschätzung sieht wiederum die „Bürgerwind-Neu Wulmstorf-Genossenschaft“ ganz anders und erinnert in einem Schreiben an den Bürgermeister daran, dass in Deutschland in rund zehn Jahren 65 Prozent des Stroms durch erneuerbare Energie wie Windkraft erzeugt werden sollen, aktuell liege der Anteil aber erst bei 40 Prozent.

Landkreis Harburg hat Nachholbedarf

Und gerade im Landkreis Harburg gebe es da Nachholbedarf: So gelte in Niedersachsen das Ziel, dass 1,5 Prozent der Flächen für Windkraft vorgehalten werden sollen. Im Landkreis seien es aber gerade 0,44 Prozent. Inklusive Ardestorf.