Harburg
Klimaschutz

Solar-Offensive für Buxtehude

Ein Arbeiter installiert auf einem Dach eine Solaranlage.

Ein Arbeiter installiert auf einem Dach eine Solaranlage.

Foto: Rolf Haid / dpa

Alle Gebäude der Stadt sollen eine Solaranlage bekommen. Auch private Bauherren könnten verpflichtet werden

Buxtehude..  In der aktuellen Diskussion um Klimaschutz und C02-Vermeidung soll die Hansestadt Buxtehude eine Vorreiterrolle einnehmen. Das fordert dort jetzt zumindest die SPD, die im Stadtrat die größte Fraktion bildet und dazu eine „Solar-Offensive“ vorschlägt. Künftig sollten auf möglichst allen Gebäuden, die von der Stadt geplant und gebaut werden, Solar-Anlagen installiert werden. Entweder zur Stromerzeugung oder auch zur Produktion von Wärme. In einem entsprechenden Antrag an den Stadtrat argumentieren die Sozialdemokraten, dass dazu schon zu Beginn der Planungen Solaranlagen als „Standard“ mit in die Überlegungen einfließen sollten, damit von Anfang an die Angaben zu Gesamtkosten vollständig seien.

„Wir müssen jetzt mit konkreten Dingen anfangen“, argumentiert SPD-Ratsherr Nick Freudenthal. Schließlich wolle die Stadt in der nächsten Zeit rund 120 Millionen Euro vor allem in Schulen und Sporthallen investieren – unter anderem in eine neue und bundesligataugliche Handball-Halle für die Buxtehuder Handball-Frauenmannschaft.

Allerdings geht der SPD-Antrag auch über Forderungen nur für öffentliche Bauten hinaus. So soll die Verwaltung auch prüfen, ob die Stadt bei „laufenden und zukünftigen Baugebieten“ Planvorgaben machen kann, die Bauträger zu einem Einsatz von Solaranlagen verpflichtet. „Da kann es natürlich mit dem kostengünstigen Bauen Zielkonflikte geben“, räumt SPD-Politiker Freudenthal ein. Aber zunächst gehe es ja auch nur um die Prüfung solcher Fragen. Eine solche Solar-Offensive könnte aus Sicht des SPD-Politikers aber nicht nur wegen ihrer Klimaschutzwirkung Vorbild für andere Kommunen sein. Man sei auch überzeugt davon, dass die Solar-Offensive mittelfristig einen positiven wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt bringe, so Freudenthal. Zudem habe Buxtehude mit seinen Stadtwerken bereits einen erfahrenen Partner in Sachen Solaranlagen.

Tatsächlich sind die Buxtehuder Stadtwerke im Bereich von Stromerzeugung durch Sonnenkraft schon weit; 2003 wurde dort auf einem eigenen Dach die erste Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung installiert. 2017 kamen zwei weitere Anlagen hinzu, zudem startete das städtische Unternehmen kürzlich eine eigene erste Solar-Offensive. Buxtehuder können Solaranlagen seitdem über die Stadtwerke beziehen, montieren und mit entsprechender Beratung betreiben. Wer die Investition scheut, kann sich bei den Buxtehuder Stadtwerken aber auch eine Anlage über 18 Jahre nur pachten. Und die Stadtwerke mieten selbst größere Dachflächen an, um dort ihre eigenen Solarmodule zu installieren.

Doch lohnt sich eine solche Anlage tatsächlich, zumal für den privaten Hausbesitzer? „Man muss immer jeden Einzelfall betrachten, aber gerade bei Neuplanungen macht das schon Sinn“, sagt Stadtwerkechef Stefan Babis und verweist auf 22 private Solaranlagen, die die Stadtwerke mittlerweile schon verpacht oder verkauft haben.

Wobei es aber mittlerweile nicht mehr allein die durch die EEG-Umlage in der Stromrechnung finanzierte und in den letzten Jahren arg geschrumpfte Einspeisevergütung ist, die diese Energie für private Solarstrom-Betreiber interessant macht. Weil die Technik immer günstiger geworden ist, blickt man heute eher auf den Eigenverbrauch: Um die 30 Cent pro Kilowattstunde bezahlt heute der übliche Stromkunde mittlerweile schon. Eigenen Solarstrom könnte er aber ungefähr für elf Cent selbst erzeugen. Wer dann tagsüber auch viel Strom verbraucht, spart entsprechend (siehe Beispielrechnung im Info-Kasten). „Die Technik ist nach wie vor oft wirtschaftlich“, heißt es denn auch in einer aktuellen Meldung der Verbraucherzentrale Hamburg, die dazu ebenfalls Beratung anbietet. Wobei Solarmodule nicht zwingend nach Süden ausgerichtet sein müssten, auch West- und Ostausrichtungen könnten sinnvoll sein, wenn morgens oder abends viel Strom benötigt werde. Die neuen Batteriespeicher für Solaranlagen sieht die Verbraucherzentrale allerdings noch eher kritisch. Eigenverbrauchsanteil und Autarkie ließen sich damit zwar erhöhen, doch gleichzeitig sinke die Wirtschaftlichkeit wegen der hohen Anschaffungskosten.

Infos und Beratung zum Thema Solaranlagen bietet unter anderem die Verbraucherzentrale: www.vzhh.de. Auch auf der Seite der Buxtehuder Stadtwerke gibt es zahlreiche Infos und Antworten, die nicht nur für Buxtehuder interessant sind: www.stadtwerke-buxtehude.de