Harburg
A Summer’s Tale

Ein Musikfestival, das allen Klischees trotzt

Verlaufen unmöglich:  Der Eingangsbereich zum Festivalgelände in Luhmühlen ist mit riesigen Buchstaben gekennzeichnet.

Verlaufen unmöglich: Der Eingangsbereich zum Festivalgelände in Luhmühlen ist mit riesigen Buchstaben gekennzeichnet.

Foto: Marcelo Hernandez

Ab heute bietet die Großveranstaltung in Luhmühlen Musik, Kultur und gutes Essen. Mehr als 12.000 Besucher werden erwartet.

Luhmühlen.  Ab heute steht im sonst so ruhigen Wald von Luhmühlen eine riesige Konzertbühne, die in den nächsten vier Tagen mehr als 12.000 Gäste besuchen werden. 2000 Arbeitskräfte sind im Einsatz, 70 Duschen und knapp 200 Toiletten installiert. Mehr als 40 Essens- und Getränkestände gibt es, in der nächsten Woche werden über deren Theken um die 4600 Mahlzeiten gehen. Doch volltrunkene Wagehalse, vollgemüllte Campingbereiche und Bier vor dem Frühstück? Fehlanzeige.

All diese Festival-Klischees bedient das A Summer’s Tale nicht. Bei dem viertägigen Kultur- und Musikfestival wird stattdessen mit morgendlichen Yoga-Sessions der Kater vom Vorabend bekämpft. Von heute bis zum 4. August erwartet die Besucher in Luhmühlen ein Musikprogramm mit Rock-, Pop-, Indie- und Soul-Acts – darunter auch Chanson-Sängerin Zaz, die Britpop-Legenden von Suede und die Rockband Elbow.

Mit rund neun Stunden am Tag bietet das Festival allerdings nur vergleichsweise geringe Spieldauer, dafür steht neben den musikalischen Darbietungen ein breitgefächertes Kulturprogramm auf dem Plan. Darunter ein „Mixtum Compositum“ aus Musik und Literatur von Entertainer Heinz Strunk sowie Lesungen von Autoren wie Ronja von Rönne, Stefanie Sargnagel oder John Niven. Auch einen Poetry-Slam, einen literarischen Wettstreit, bei dem das Publikum den Sieger auswählt, wird es geben.

Besucher werden aktiv ins Programm eingebunden

Eines unterscheidet A Summer’s Tale von ähnlichen Veranstaltungen: Die Besucher werden bei Workshops aktiv ins Festival eingebunden – von Yoga, Karate und Tai Chi über Kanufahren, morgendliches Joggen und Meditation bis hin zu Kursen, in denen gemeinsam auf Cajóns getrommelt wird. „Bei A Summer’s Tale gibt es unglaublich viel zu entdecken“, sagt Sina Klimach, die beim Veranstalter FKP Scorpio fürs Marketing zuständig ist. „Das Festival bietet wahnsinnig viel Inspiration für den Alltag.“ Zu besagter Inspiration gehören auch Kurse, in denen man lernt, wie man seinen Körper mit Hilfe von Pflanzen entgiftet sowie Workshops, bei denen gemeinsam Smoothies hergestellt werden, die das Immunsystem stärken sollen.

Der Veranstalter integriert bewusst Inhalte in das Festival, die nachhaltige Entwicklung thematisieren. Auch in der Festivalplanung stellt FKP Scorpio grüne Bemühungen an: Neben 130 Toiletten mit Wasserspülung sind so auch 48 Kompost-Toiletten eingerichtet, auf dem Festival-Gelände gibt es Becherpfand. Auf Fleisch wollen die Veranstalter bewusst nicht ganz verzichten, man bemühe sich aber, dieses größtenteils aus der Region und in Bioqualität zu beziehen.

Wer alles mitmachen möchte, zahlt 174 Euro

Das hat aber auch seinen Preis: Wer von Anfang bis Ende beim Festival bleiben und einen Platz zum Campen haben will, zahlt stolze 174 Euro. Mit Kind sind es gut 90 Euro mehr. Die Kombination aus Preis, Musik- und Kulturprogramm sowie nachhaltigem Auftritt zieht in erster Linie gut situierte Alternative und solche an, die sowohl Komfort als auch Nonkonformismus suchen.

Wegen der Möglichkeit, seinen Nachwuchs mitzubringen, kommen auch viele junge Familien. Kinder sind bei A Summer’s Tale sogar ausdrücklich erwünscht, für alle jüngeren Besucher werden eigene Programmpunkte angeboten. So werden Kinder und Jugendliche bei einem der Workshops etwa auf eine Reise durch den Dschungel mitgenommen, bei dem National-Geographic-Fotograf Dieter Schonlau Bilder und Erzählungen aus 30 Jahren seiner Regenwald-Expeditionen präsentiert. Ebenfalls im Programm ist ein Workshop mit NDR-Info, bei dem Kinder mit der Hilfe von Profis ein kleines Hörspiel produzieren, welches sogar im Radio ausgestrahlt wird.

Ein Festival, das entschleunigt und frei macht von Stress

Das Festival startet in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Als FKP Scorpio das Festival A Summer’s Tale 2015 ins Leben rief, wollte man eine Alternative zu gängigen Festivals in Deutschland wie dem Hurricane schaffen. „Nach Luhmühlen kommen Leute, die mit beiden Beinen im Leben stehen“, sagt Sina Klimach. „Sie haben einen Beruf und oft auch eine eigene Familie.“ A Summer’s Tale soll stressfrei sein, hochwertig, entschleunigend, ohne Schlammschlachten und Dreck. Inspirieren ließ sich FKP Scorpio vom Festival Wilderness in Großbritannien, wo man dieses Konzept schon seit 2011 verfolgt.

Auch das Festival A Summer’s Tale war bis jetzt ein voller Erfolg, im ersten Jahr kamen rund 7000 Besucher, bis heute hat sich die Zahl der verkauften Tickets beinahe verdoppelt. Neu ist in diesem Jahr eine „Offene Bühne“, bei der auch Gäste spontan auftreten können. „Damit wollen wir Zuschauern ermöglichen, dem Publikum ihr eigenes Talent zu präsentieren“, sagt Klimach.

Auch das „Kneipenquiz“ aus dem Hamburger Szene-Club Molotow kommt in diesem Jahr auf das Festival. Hier tut man sich in Gruppen zusammen, pro Runde gibt es mehrere Fragen zu beantworten. Welches Team davon die meisten richtig beantwortet, wird mit Schnaps belohnt. Auch das Wetter soll in Luhmühlen überwiegend mitspielen. Nur morgen soll es regnen – dann werden die Musiker den Gästen umso mehr einheizen müssen.

Noch sind Karten verfügbar

Das Festival A Summer’s Tale findet von heute bis Sonntag in Salzhausener Ortsteil Luhmühlen statt. Veranstaltungsort ist der Eventpark „Himmel und Heide“ in Luhmühlen.

Noch gibt’s Karten für das Festival: Für ein Tages-Ticket zahlt man 49 Euro, zwei Tage kosten 99 Euro, ein Ticket für das gesamte Festival 134 Euro. Für Besucher, die mit Kindern anreisen wollen, eignen sich günstigere Familientickets.

Auf dem Festivalgelände gibt es große Parkflächen, übernachtet werden kann in Zelten auf dem Gelände oder in Hotels in der Nähe.

Ein Busshuttle ist vom Bahnhof Lüneburg eingerichtet. Er ist für Besucher kostenlos.

Preise und Informationen zu Wohnmöglichkeiten und Verpflegung auf dem Festivalgelände sind unter www.asummerstale.de abrufbar.