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Mit Kind zum Arbeiten ins Coworking-Büro

Olga und Sascha Toussaine mit ihrer Tochter im Lüneburger Kurpark. Noch suchen sie geeignete Räume für ihr Eltern-Kind-Büro.

Olga und Sascha Toussaine mit ihrer Tochter im Lüneburger Kurpark. Noch suchen sie geeignete Räume für ihr Eltern-Kind-Büro.

Foto: Lena Thiele

Einen Coworking-Space für Eltern wollen Olga und Sascha Toussaine in Lüneburg aufbauen. Crowdfunding ist gestartet.

Lüneburg.  Die Idee kam ihnen nach der Geburt ihrer kleinen Tochter. „In der Elternzeit habe ich angefangen, im Homeoffice zu arbeiten“, sagt Sascha Toussaine, der als gelernter Mediendesigner Webseiten und Onlineshops entwickelt und aufbaut. „So konnte ich arbeiten, habe aber auch keinen Schritt in der Entwicklung meiner Tochter verpasst. Das war toll und diese Möglichkeit wollen wir auch für andere Eltern schaffen.“ Gemeinsam mit seiner Frau Olga beschloss der 32-Jährige, einen sogenannten Coworking-Space mit Kinderbetreuung in Lüneburg aufzubauen.

Solche Bürogemeinschaften auf Zeit ermöglichen es vor allem Selbstständigen, die sonst allein zu Hause arbeiten, ihre Arbeit an einem komfortabel eingerichteten Arbeitsplatz außerhalb der eigenen Wohnung zu erledigen. „Das Konzept ist stark im Kommen“, ist sich Sascha Toussaine sicher. Deshalb wollen sie es an die Bedürfnisse von Eltern mit kleinen Kindern anpassen und besonders familienfreundlich gestalten. „Wer bei der Arbeit ausgeglichen ist, arbeitet auch produktiver.“

Vereinbarkeit von Familie und Beruf im kindgerechten Großraumbüro

Entstehen soll ein kindgerechtes Großraumbüro, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert. Die beiden planen, sowohl Arbeitsplätze für Eltern mit Kind als auch einen extra Raum zum Arbeiten ohne Kind anzubieten. Insgesamt solle es etwa zehn bis 15 Schreibtische sowie zusätzliche Konferenzräume geben. Während ihre Eltern arbeiten, können die Kinder in Sichtweite spielen und werden dabei bei Bedarf von Olga Toussaine betreut. Die 31-Jährige hat bis zur Geburt ihrer Tochter als Erzieherin in einer Hamburger Kita gearbeitet und plant auch besondere Projekte für die Kinder, die regelmäßig in das Büro mitkommen. Dass die Kinder ihre Eltern vom Arbeiten abhalten könnten, darüber macht sie sich keine Sorgen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass kleine Kinder sich sehr gut miteinander beschäftigen, sobald andere Kinder in der Nähe sind. Und wenn sie doch mal ihre Eltern brauchen, sind die ja ganz in der Nähe.“

Angebot richtet sich an Eltern, Schwangere, Selbstständige und Unternehmen

Die Entscheidung für das Konzept fiel, nachdem sie sich über verschiedene ähnliche Projekte in anderen Städten, darunter Berlin, Leipzig und Hamburg, informiert hatten. Einige arbeiten mit Erziehern zusammen, andere haben gleich eine komplette Kita in ihre Räume integriert. „Für uns bietet sich erst einmal das Tagesmuttermodell an“, sagt Olga Toussaine.

Ihr Angebot richtet sich vor allem an Eltern und schwangere Frauen, die freiberuflich oder für eine begrenzte Zeit selbstständig an an einem Projekt arbeiten und dafür eine geeignete Umgebung benötigen. „Bei uns können aber auch Studenten ihre Abschlussarbeit schreiben, Lüneburger ihre Steuererklärung erledigen oder Angestellte arbeiten, die nicht jeden Tag nach Hamburg pendeln wollen.“ Auch spontane Arbeitstage in dem Büro seien möglich. Außerdem setzen die angehenden Gründer auf Kooperationen mit Firmen, die Arbeitsplätze für Mitarbeiter anmieten, um diesen zum Beispiel die Fahrtzeit zum Büro zu ersparen.

Rund um das Eltern-Kind-Büro soll eine Community entstehen

Das Eltern-Kind-Büro, wie sie ihr Projekt auch nennen, soll mehr werden als ein flexibler Arbeitsort für Mütter und Väter. „Unser Ziel ist es, dass eine Gemeinschaft von Eltern für Eltern entsteht, in der sie sich gegenseitig unterstützen“, sagt Olga Toussaine. Die beiden planen einen Blog auf ihrer Website, in dem unter anderem Freiberufler aus dem Büro vorgestellt werden. So wollen die Gründer den Aufbau der Community unterstützen und den Nutzern einen weiteren Mehrwert bieten. Außerdem wollen sie Veranstaltung organisieren, zum Beispiel Vorträge, Kurse und Lesungen, aber auch regelmäßige Treffpunkte zu bestimmten Schwerpunktthemen. „Und nicht zu vergessen: Es gibt bei uns auf jeden Fall Kaffee satt“, sagt Sascha Toussaine.

Größte Hürden sind die Finanzierung und die Raumsuche

Eine der größten Herausforderung ist es nun, die passenden Räume zu finden. „Es muss groß genug sein, bezahlbar und im Erdgeschoss liegen, wegen der Kinderbetreuung“, sagt Olga Toussaine. Auch einen angrenzenden Garten wünschen sie sich. Zurzeit stehen deshalb Besichtigungen an, denn das Eltern-Kind-Büro soll noch in diesem Jahr eröffnen.

Zudem muss die Finanzierung auf den Weg gebracht werden. Dabei soll eine Crowdfunding-Kampagne helfen, die Anfang Mai auf der Plattform Startnext gestartet ist. Die beiden streben zunächst ein Startkapital von 5000 Euro an, um damit einen Kredit aufnehmen zu können. Um die ersten zwei Jahre bestreiten zu können, seien 50.000 Euro notwendig, sagt Sascha Toussaine. Ihnen ist klar, dass eine Gründung kein leichter Weg ist. „Es gibt einige Hürden“, sagt Olga Toussaine. „Aber ich will das unbedingt machen. Ich habe noch so viele Ideen.“

Die Gründer werben um Unterstützung

Die Crowdfunding-Kampagne für das Eltern-Kind-Büro in Lüneburg läuft noch bis Ende Mai auf der Plattform Startnext: www.startnext.com/coworking-mit-Kind-in-lg. Wer das Projekt unterstützen will, kann sich mit einem Beitrag zwischen fünf und 2000 Euro beteiligen. Jeder Unterstützer erhält ein Geschenk. Erstes Fundingziel ist eine Summe von 5000 Euro.

Das Projekt richtet sich in erster Linie an Familien, unabhängig vom Alter der Kinder. Für Schwangere besteht eine sichere Arbeitsumgebung, die eine Alternative zum Arbeitsverbot oder Homeoffice sein kann. Aber auch Behörden und Unternehmen, die Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter brauchen, sowie Selbstständige ohne Kinder sind angesprochen.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.coworking-mit-Kind.info.