Harburg
Jubiläum

Plötzlich 150: Harburgs DRK ist älter als gedacht

150 Jahre DRK - Gruppenbild mit Harburger Kinder vor dem Wohngebäude von 1905 gegründeten Rotkreuz-Ferienwaldkolonie in der Haake, wo im Sommer erholungsbedürftige Jungen und Mädchen betreut wurden

150 Jahre DRK - Gruppenbild mit Harburger Kinder vor dem Wohngebäude von 1905 gegründeten Rotkreuz-Ferienwaldkolonie in der Haake, wo im Sommer erholungsbedürftige Jungen und Mädchen betreut wurden

Foto: Helms Museum / HA

Historikerin entdeckte bei der Arbeit an Chronik bislang unbekannte Belege: Harburger Verband ist einer der ältesten überhaupt. Heute Festakt. 

Harburg. Ein nicht alltägliches „Kunststück“ ist dem Harburger Roten Kreuz gelungen: Es ist in nur fünf Jahren ganze 20 Jahre älter geworden. Die Erklärung: Bei Nachforschungen für eine Chronik hat eine Historikerin Andrea Brinckmann Belege dafür gefunden, dass sich ein Vorläufer des DRK Harburg schon im April des Jahres 1869 gründete – und nicht erst 20 Jahre später wie bis dahin angenommen. Mit 150 Jahren gehört das Harburger Rote Kreuz nun zu den ältesten Rotkreuz-Verbänden überhaupt. „Einen 150. Geburtstag lässt man nicht unter den Tisch fallen, auch dann nicht, wenn er überraschend kommt“, sagt DRK-Vorstand Harald Krüger.

Zwar war erst im Jahr 2014 mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen das vermeintlich 125-jährige Bestehen gefeiert worden. Doch nun freuen sich Präsidium und Vorstand des DRK-Kreisverbandes Hamburg-Harburg darauf, heute erneut Gäste aus anderen Rotkreuz-Verbänden und Hilfsorganisationen, aus Politik und Wirtschaft sowie langjährige Unterstützer und Helfer zu einem Festakt zu begrüßen. Dabei wird im Privathotel Lindner in Heimfeld auch die Chronik „150 Jahre Rotes Kreuz Harburg: Vom kleinen Local-Verein zur großen Bürgerinitiative“ vorgestellt, die die Historikerin Dr. Andrea Brinckmann im Auftrag des Harburger Kreisverbandes erstellt hat.

Zeitungsmeldung vom 1869 brachte Klarheit

Den entscheidenden Hinweis auf das wahre Alter des DRK Harburg entdeckte die Historikerin auf einer im Staatsarchiv Hamburg aufbewahrten Zeitungsseite: In den „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ vom 23. April 1869 wird die Gründung eines „Kreis-Vereins zur Pflege der im Felde verwundeten und erkrankten Krieger“ in Harburg bekanntgegeben. Zu den Initiatoren gehörten Ärzte des örtlichen Krankenhauses, Beamte, Kaufleute und Offiziere.

Anlass zur Gründung gaben die Erfahrungen aus dem deutsch-dänischen und dem preußisch-österreichischen Krieg. Und der Wille, Hilfe zu gewähren, wo immer sie gebraucht wird.

DRK ist heute ein moderner Wohlfahrtsverband

Erst sechs Jahre vorher hatte sich auf Initiative des Schweizers Henry Dunant ein internationales Komitee gegründet, aus dem später das Rote Kreuz hervorging. Dunant war 1863 auf der Durchreise in Norditalien zufällig Augenzeuge geworden, als 40.000 Soldaten nach einer Schlacht zwischen französischen und österreichischen Truppen grausam leiden mussten oder starben, ohne dass ihnen jemand half. Aus diesen Anfängen heraus hat sich das Rote Kreuz längst zu einem modernen Wohlfahrtsverband und Anbieter sozialer Dienstleistungen entwickelt, wobei der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg e. V. ein besonders breites Angebotsspektrum vorweisen kann.

Mehr als 1.000 Beschäftigte, 6.500 fördernde Mitglieder

Derzeit unterhält der Kreisverband als Träger unter anderem 17 Kindertagesstätten, sechs Service-Wohnanlagen für Senioren, das Hospiz für Hamburgs Süden und das 2018 eröffnete Harburg-Huus für Obdachlose. Hinzu kommen weitere Angebote für Kinder und Jugendliche wie auch für ältere Menschen und Demenzpatienten, Ambulante und Palliativ-Pflege, eine Wohnunterkunft für geflüchtete Menschen, mehrere Integrationsprojekte und ein Charity-Secondhand-Shop.

Rund 350 ehrenamtliche Helfer engagieren sich unter anderem im Kriseninterventionsteam, im Jugendrotkreuz und bei der Bereitschaft im Katastrophenschutz. Mit inzwischen mehr als 1.000 hauptamtlich Beschäftigten ist der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg heute auch einer der größten Arbeitgeber im Süderelberaum und mit rund 6.500 fördernden Mitgliedern eine der größten Bürgerinitiativen in der gesamten Region.

Im Editorial der druckfrischen Chronik schreibt DRK-Präsident Lothar Bergmann: „Wer nicht weiß, woher er kommt, wird kaum herausfinden, wohin es gehen soll“.

Kreisverband stellt sich neuen Herausforderungen

Dem steigenden Bedarf an Kitas in den Neubaugebieten (Fischbeker Reethen, Vogelkamp, Röttiger Höhe) begegnet das DRK mit mehreren neuen Einrichtungen. Etwa mit einer Kita samt Eltern-Kind-Zentrum im Vogelkamp, deren Bau 2020 fertig werden soll. Auch in Wilhelmsburg, an der Neuenfelder Straße, entsteht eine neue Kita. Zwei weitere sind im Binnenhafen und in den Röttiger Höfen geplant.

Fest vorgesehen ist ein Betreuungs- und Wohnprojekt für Menschen mit Demenz, die jünger sind als 60 Jahre.

Der ambulante Pflegedienst wird sein Angebot ebenfalls erweitern und eine Dependance im Bereich Süderelbe eröffnen. Bereits umgesetzt wurde der Plan, eine Tagesaufenthaltsstätte mit 15 Übernachtungsplätzen für Obdachlose zu schaffen: Das Harburg-Huus eröffnete am 1. Juli 2018.


Der Schwerpunkt der Arbeit werde sich weiter in die sozialen Aufgabenfelder verlagern, lautet die Prognose in der Chronik „150 Jahre Rotes Kreuz Harburg“.

Das DRK plant dennoch, auch seine Aktivitäten im Bereich Rettungsdienst auszuweiten. Um das auch organisatorisch bewältigen zu können, erfolgte bereits im vergangenen Jahr der Umzug in einen Neubau an der Rote-Kreuz-Straße.

Wer nicht weiß, woher er kommt, wird kaum herausfinden, wohin es gehen soll
Lothar Bergmann, Präsident des DRK-Kreisverbandes Harburg e. V.