Sackgasse „Fernblick“

Stadt plant Straße fast ohne Parkplätze

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Lars Hansen
Martin Hoschützky (CDU) versteht nicht, warum der Straßensanierung so viele Parkplätze geopfert werden sollen.

Martin Hoschützky (CDU) versteht nicht, warum der Straßensanierung so viele Parkplätze geopfert werden sollen.

Foto: Lars Hansen / xl

Nach der Umgestaltung sollen statt 25 nur noch fünf Stellflächen bleiben. Anwohner wehren sich.

Marmstorf. Die kleine Marmstorfer Sackgasse „Fernblick“ wird von Grund auf neu gebaut. Das klingt zunächst nach einer guten Nachricht – vor allem für die Anwohner. Doch die sind alles andere als glücklich mit der Planung, seit herauskam, dass nach aktueller Planung am Ende der Baumaßnahme von 25 Parkplätzen nur noch fünf übrig bleiben. Die Harburger CDU möchte die Umsetzung der Sanierungspläne noch verhindern.

Dass die Straße „Fernblick“ saniert werden muss, lässt sich nicht leugnen. Die Asphaltdecke des etwa 150 Meter langen Stichwegs der parallel zur Moorlage vom Jägerfeldweg abgeht, gleicht einem Flickenteppich. Die Nebenflächen sind unbefestigt. Ein befestigter Untergrund ist wahrscheinlich nicht vorhanden, eine geregelte Oberflächenentwässerung fehlt auf einem großen Teil der Straße. Straßen wie diese gibt es noch einige hundert in Hamburg. Die meisten sind in den 50er- und 60er-Jahren provisorisch angelegt worden und wurden danach nie fertiggestellt. Das soll sich nun ändern, nicht nur am Fernblick.

Wegfall der Parkplätze stört Anlieger massiv

Dass das Geld kostet und auch die Anlieger zur Kasse gebeten werden, war nur zu Beginn der Planungen ein Thema. Mittlerweile hat man sich an den Gedanken gewöhnt. Dass aber so viele Parkplätze wegfallen sollen, stört die Anwohner massiv. Sie haben sich an den Bezirksabgeordneten Martin Hoschützky (CDU) gewandt. „Diese Parkplätze hier werden gebraucht“, sagt er. „Das steht auch so in der Stellungnahme der Polizei zu den Plänen.“

Sieht man sich in der Straße um, mag man das zunächst kaum glauben: An fast jedem Grundstück gibt es Einfahrten und dahinter liegende Parkplätze. Meist mehrere pro Einfahrt. Dennoch sind, so steht es tatsächlich in der Stellungnahme der Polizei, die 25 Plätze an der Straße abends komplett belegt. Das liegt an denjenigen Nachbarn, die direkt hinter den direkten Anliegergrundstücken in Reihenhausriegeln wohnen. Diese Riegel sind nur über Fußwege erschlossen. Ein kleiner Fußweg zu diesen Häusern geht auch vom Fernblick ab. „Der bereits vorhandene Parkbedarf in der Straße Fernblick wird durch nicht vorhandene Abstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge von Anliegern der auch über den Fernblick erschlossenen Straßen Kassenhofweg, Karnhofstieg und Flüggenhofstieg erhöht“, heißt es in der Stellungnahme der Polizei.

Regelwidriges Parken im Quartier ist programmiert

Diese Wohnwege, argumentieren die Stadtplaner vom Büro Arndt IDC, würden aber gar nicht offiziell vom Fernblick aus erschlossen, sondern von der Straße Krönenbarg. „Wenn man sich dort umsieht, weiß man aber, dass es auch am Krönenbarg zu wenig Parkplätze gibt“, sagt Martin Hoschützky. Die Polizei sieht das ähnlich und warnt, dass die Reduzierung von Parkplätzen am Fernblick zu vermehrtem regelwidrigen Parken im ganzen Quartier führen würde. Auf alle Fälle würden die bestehenden Konflikte zwischen Fernblick-Anliegern und anderen parkenden Marmstorfern verstärkt.

Das Bezirksamt und die Planer ziehen sich in ihrer Argumentation darauf zurück, dass sich die Anwohner bei einer Befragung dafür ausgesprochen hätten, die neue Straße als Mischverkehrsfläche zu gestalten. Dabei bewegen sich Fußgänger, Rad- und Autofahrer auf einer Ebene. Das Regelwerk für den Straßenbau (ReStra) würde hier nun einmal verkehrsberuhigende Elemente vorsehen und die kosteten Parkplätze. Zehn Bauminseln sind im Plan verzeichnet und noch einmal ein Dutzend kleiner Grünflächen „Dass das so ausfallen würde, war den Anliegern wohl nicht bewusst, sagt Hoschützky, „zumal sie stets betont haben, dass sie die Lösung wollen, bei der am meisten Parkplätze übrig bleiben.“ In der ursprünglichen Planung waren sogar nur zwei vorgesehen. Das hatte die Polizei allerdings als nicht genehmigungsfähig angesehen.

„Fünf Parkplätze entsprechen dem Regelwerk, aber nicht den Notwendigkeiten“, sagt Martin Hoschützky. Ähnlich verhalte es sich mit den verkehrsberuhigenden Baum- und Grünflächen. „Der Fernblick ist eine 150 Meter lange Sackgasse. Hier kommt doch niemand auf die Idee, zu rasen!“

800 Straßen

Der Landesrechnungshof hatte bereits in seinem 2007 vorgelegten Bericht die sieben Hamburger Bezirke angehalten, alle noch unfertigen Straßen „erstmalig endgültig herzustellen“.

Argumentation des Rechnungshofs war, dass die Herstellung der Straßen Aufgabe der Stadt sei. Diese sei aber im Leistungsverzug, weswegen es offene Rechnungen gäbe.

Hamburgweit sind mehr als 800 Straßen noch nicht endgültig hergestellt. Davon liegen 63 im Bezirk Harburg.

Der Fernblick ist eine 150 Meter lange Sackgasse. Hier kommt doch niemand auf die Idee, zu rasen
Martin Hoschützky, CDU

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