Harburg
DRK

Kriseninterventionsteam sucht dringend Freiwillige

Im Einsatz für das Kriseninterventionsteam: Dennis Otte (r.), ehrenamtlicher Helfer, und Olav Meyer-Sievers, der für das Team zuständige Referent beim DRK.

Im Einsatz für das Kriseninterventionsteam: Dennis Otte (r.), ehrenamtlicher Helfer, und Olav Meyer-Sievers, der für das Team zuständige Referent beim DRK.

Foto: Katharina Geßler / HA

Ehrenamtliches Engagement: Das Kriseninterventionsteam des DRK ist in ganz Hamburg aktiv und sucht Verstärkung.

Harburg. Sie helfen Menschen, für die eine Welt zusammenbricht, weil das Schicksal unerbittlich zugeschlagen hat. Etwa wenn ein Angehöriger bei einem Unfall getötet oder Opfer eines grausigen Verbrechens wurde oder sich selbst das Leben genommen hat. Das sind alles Fälle, in denen die Frauen und Männer des ehrenamtlichen Kriseninterventionsteams (KIT) des Harburger DRK leisten, was das Gebot der Stunde vorgibt: Erste Hilfe für die Seele. Auf gut 300 Einsätze bringt es das Team pro Jahr. Dabei sind die gut 40 Helfer im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Das Rote Kreuz würde das Team gerne ausbauen: Es sucht Menschen, die anderen beistehen wollen, wenn diese mit dem vielleicht größten Verlust oder Schock ihres Lebens fertig werden müssen.

Dennis Otte (41) ist so ein Mensch. Zwei Jahre lang hat der Bankkaufmann sich intensiv umgeschaut nach einem Ehrenamt, das zu ihm passt. Es war im Jahr 2015, als er im Zuge seiner Recherche vom KIT erfuhr. Den Ausschlag gab dann der Besuch eines Informationsabends, wie er auch jetzt wieder ausgerichtet wird. Nach dieser Veranstaltung fuhr Otte nach Hause zu seiner Familie in Neugraben-Fischbeck und wusste: „Das passt zu mir.“ Seine Frau und die beiden Kinder sahen das offenbar genauso, jedenfalls haben sie nach intensiver Beratung, seinen Entschluss mitgetragen. Dabei verlangt das Engagement im KIT seinen Mitgliedern einiges ab. Sie müssen zeitlich flexibel und bereit sein, mindestens zwei 24-Stunden-Bereitschaftsdienste im Monat zu übernehmen, um Menschen in akuter Not beizustehen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das setzt auch großes Entgegenkommen des Arbeitgebers voraus.

Der Blick aufs eigene Leben verändert sich

Ottes Entschluss, sich ehrenamtlich zu engagieren, erklärt er damit, dass er ein glücklicher Mann ist: „Mir geht es so gut, da wollte ich anderen etwas abgeben.“ Inzwischen bringt er es schon auf rund 60 Einsätze für das KIT. Bereut hat er seine Entscheidung nie: „Man tut etwas, dass anderen hilft, und merkt, dass das anerkannt wird.“ Sinnstiftend sei dieses Engagement, sagt Otte. Und dass es den Blick auf das eigene Leben verändert: „Die vermeintlichen kleinen Katastrophen, die jeder im Alltag erlebt, relativieren sich.“

Natürlich erlebt er bei seinen Einsätzen immer wieder Situationen, die ihm nahegehen: „Am schlimmsten ist es, wenn Kinder betroffen sind.“ Wie beispielsweise an dem Tag, als ein Vater an der S-Bahnstation Jungfernstieg seine kleine Tochter und Ex-Frau tötete. Otte kümmerte sich um traumatisierte Zeugen der grausigen Tat.

Wer mitmachen möchte, muss belastbar sein

Was in solchen und anderen Fällen angebracht ist, vermittelt das DRK in einem Qualifizierungslehrgang, der am 31. August startet und sieben Wochenenden (112 Ausbildungsstunden) umfasst. Wer zum KIT gehören möchte, muss mindestens 25 Jahre alt sein, fest im Leben stehen sowie physisch und psychisch belastbar sein. Als Teil des Teams nehmen die Ehrenamtlichen an regelmäßigen Fortbildungen und Supervisionen teil. Dem DRK sei wichtig, dass die Helfer durch ihre Einsätze keinen Schaden nehmen, so der zuständige Referent Olav Meyer-Sievers.

Einfühlungsvermögen, Empathie und die Fähigkeit, stets Ruhe bewahren zu können, nennt Dennis Otte als wesentliche Voraussetzungen für dieses Ehrenamt.

Für andere da sein, Nähe bieten

Alarmiert wird das KIT von Polizei, Feuerwehr oder dem Rettungsdienst in Hamburg. Was sie vor Ort erwartet, wissen die Nothelfer nie. Mit Trauma, Tod und Trauer geht jeder anders um. Manche weinen, andere schreien oder schlagen um sich. Wichtig ist, dass der Betroffene sicht nicht allein fühlt. Dass jemand da ist, der ihm zuhört, wenn er reden will. Dass er in den Arm genommen wird, wenn er Nähe braucht.

Die Helfer des KIT leisten psychosoziale Notfallversorgung. Sie stabilisieren Opfer, Angehörige oder Augenzeugen. Sie bieten ihnen menschliche Nähe an und vermitteln weiterführende Unterstützung. Denn ihre Begleitung endet da, wo professionelle Hilfe einsetzt.

Dieses Konzept, entwickelt vom Harburger Roten Kreuz, dass das KIT 1997 ins Leben gerufen hat, ist so erfolgreich, dass es inzwischen bundesweit umgesetzt wird. Das Risiko, dass Betroffene langfristige traumatische Schäden erleiden, vermindert sich erheblich, wenn das KIT in der Stunde der größten Not, direkt zur Stelle ist.


Informationsabend

Der DRK-Kreisverband Harburg lädt alle, die sich für ein ehrenamtliches Engagement im Kriseninterventionsteam interessieren, zu einem Informationsabend ein. Er beginnt am Mittwoch, 24. April, um 19 Uhr in der DRK-Geschäftsstelle an der Rote-Kreuz-Straße 3-5. Die Veranstaltung dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Weitere Informationen sowohl zur Qualifizierung also auch zum Bewerbungsverfahren können unverbindlich in der DRK-Geschäftsstelle unter der Rufnummer 040 / 76 60 92 - 69 erfragt werden (Mo – Do, 9 -13 Uhr und 14 - 17 Uhr, Fr , 9 - 14 Uhr).

Man tut etwas, dass anderen hilft, und merkt, dass das anerkannt wird
Dennis Otte (41), Bankkaufmann und seit 2015 ehrenamtlich für das Kriseninterventionsteam im Einsatz