Harburg
Harburger Binnenhafen

Binnenhafen ist eine „ungeplante Schönheit“

Franz-Josef Höing hat in seinem Büro in der Stadtentwicklungsbehörde am S-Bahnhof Wilhelmsburg einen guten Blick nach Süden.

Franz-Josef Höing hat in seinem Büro in der Stadtentwicklungsbehörde am S-Bahnhof Wilhelmsburg einen guten Blick nach Süden.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing lobt die Entwicklung im Hafenquartier und plädiert für eine sensible Planung von Neubauten

Harburg.  „Der Binnenhafen ist einer der stärksten Orte der Stadt.“ Das sagte Oberbaudirektor Franz-Josef Höing auf einer Stadtplanungs-Veranstaltung in der Harburger Fischhalle am Kanalplatz 16. Hamburgs oberster Stadtgestalter hält die weitere Entwicklung des einstmals vergessenen Hafenquartiers für wichtig, plädiert aber dafür, sensibel vorzugehen, um das Gesicht der „ungeplanten Schönheit“ zu erhalten.

Anders als in anderen Hamburger Stadtteilen, etwa der HafenCity, sei die Entwicklung des Quartiers nicht „generalstabsmäßig geplant“, so Höing. Vielmehr lebe das Viertel von einem Kontrastprogramm, das „unheimlich stark“ sei: Alte Gebäude aus der Harburger Industriegeschichte werden verknüpft mit Neuem, mit modernen Wohn- und Bürogebäuden. Und letztere seien oft ungewöhnlich, etwa das Bürohaus „Goldfisch“ an der Blohmstraße mit seiner goldenen Fassade oder die gegenüber am Kaufhauskanal liegenden schwarzen Würfel vom Projekt „Maritimes Wohnen“, die als Schachbrettmuster angeordnet sind – „hier und anderswo sind eigenständige, kleine Quartiere entstanden“, lobte der Oberbaudirektor.

Höing bezeichnete den Binnenhafen als „architektonischen Streichelzoo im besten Sinne“ – ein Mix aus hohen Gebäuden wie Silo, Channel Tower und Veritasspeicher, die die Harburger Silhouette bilden, gepaart mit niedrigen, ungewöhnlichen Gebäuden. Es gebe, so Höing, kein fertiges Konzept, es werde „schrittweise gearbeitet und dabei immer nach den passenden Bausteinen gesucht – mit einem reizvollen Ergebnis“.

An kaum einer anderen Stelle in der Stadt gebe es eine solche Gestaltungsfreiheit, betont der Oberbaudirektor: „Wenn wir experimentieren wollen, dann im Binnenhafen. Wo sonst?“ Die Wandlung von einem schmuddeligen Industriehafen zu einem urbanen Viertel mit Gewerbe, Büros und zunehmend mehr Einwohnern werde auch im nördlichen Hamburg wahrgenommen, sagte Höing. Jedoch sei der Binnenhafen schwer erreichbar. Gerade vom Bahnhof aus sei eine bessere Anbindung nötig.

Wie wichtig es sei, bei großen Bauprojekten für das Hafenflair zu kämpfen, habe sich in dieser Woche gerade in der Jurysitzung zum Architektenwettbewerb des Projekts Neuländer Quarree gezeigt. Das geplante Quartier auf der Brachfläche Hannoversche Straße/Neuländer Straße wird einmal der östliche Eingang des Hafenviertels. Ohne den Sieger des Wettbewerbs zu verraten, bezeichnete Höing einen Entwurf als besonders gelungen: Die Gestaltung eines geplanten Wohnhochhauses lehnt sich an die Architektur alter Hafenspeicher an.