Harburg
Binnenhafen

Erster Mieter für den Innovation Port in Harburg

Omar El Sarha von der Firma 3D.aero justiert einen Industrieroboter für die Arbeit an Flugzeugen.

Omar El Sarha von der Firma 3D.aero justiert einen Industrieroboter für die Arbeit an Flugzeugen.

Foto: 3D.aero

Erster Bauabschnitt des Innovationszentrums soll im Juni fertig werden. Start-up 3D.aero wird Büros und Experimentierhalle beziehen.

Harburg.  Der erste Mietvertrag für das Technologiezentrum Hamburg Innovation Port (HIP) im Harburger Binnenhafen ist unterschrieben: Das Jungunternehmen 3D.aero will im Sommer den Neubau an der Blohmstraße beziehen. Es entwickelt Industrieroboter und anderen digitale Werkzeuge weiter, um sie bei der Instandhaltung von Flugzeugen einsetzen zu können. 3D.aero wurde vor einem Jahr als Joint Venture von der Lufthansa Technik und dem Mannheimer Unternehmen Pepperl+Fuchs gegründet. Innerhalb eines Jahres wuchs die Mitarbeiterzahl des Jungunternehmens von acht auf 30 – das weitere Wachstum soll nun im HIP stattfinden.

„Wir brauchen dringend mehr Büroräume und vor allem eine Halle, in der wir die von uns entwickelten Werkzeuge testen können“, sagt Dr. Tomas Domaschke, Geschäftsführer von 3D.aero. Der 34- Jährige hatte an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) in Harburg studiert und dort am Institut für Flugzeug-Produktionstechnik promoviert. „Ich habe noch viel Kontakt zum Institutsleiter Prof. Schüppstuhl. Als ich ihm von unserer Raumnot erzählte, machte er mich auf den HIP aufmerksam. Wir fürchteten, dass es vielleicht noch zwei Jahre dauern wird, bis wir die Räume beziehen können. Aber bei HC Hagemann läuft es anders als bei anderen Bauprojekten.“

„Der erste Bauabschnitt, HIP I, wird im Juni so weit sein, dass 3D.aero einziehen kann“, sagt Arne Weber, der mit seinem Bauunternehmen HC Hagemann den HIP zwischen der Blohmstraße und dem Ziegelwiesenkanal abschnittsweise errichtet. Ein Jahr zuvor, im Juni 2018, wurde der Grundstein für das halb drei-, halb sechsgeschossige Gebäude gelegt, das insgesamt rund 5000 Quadratmeter Nutzfläche bieten wird. Davon wird 3D.aero 500 Quadratmeter belegen.

„3D.aero ist für uns der ideale Kandidat“, freut sich Weber. Zwar wird die TUHH, die in den kommenden Jahren um rund 30 Prozent wachsen soll, der Ankermieter im HIP werden und dem Millionen-Projekt ein solides Fundament geben. Aber Webers Ziel ist es, mit Hilfe des HIP Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker zu vernetzen. Und dazu müssen neben TUHH-Instituten eben auch viele Technologieunternehmen an die Blohmstraße ziehen. Er sei mit mehreren Interessenten im Gespräch, sagt Investor Weber und strebt an, dass in seinem Innovationshafen jeweils zur Hälfte Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen festmachen werden.

Arne Weber wünscht sich sowohl innovative Start-ups aus dem TU-Umfeld als auch gestandene Technologieunternehmen als Mieter. 3D.aero hat sich gerade auf den Weg vom Start-up zum etablierten Unternehmen gemacht. Bislang sitzen die Entwickler im ZAL, im Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung unmittelbar neben dem Airbus-Werk in Finkenwerder. Doch das ZAL hat keine ausreichende Kapazität, um dem expandierenden Jungunternehmen genügend Raum zum Wachsen zu geben. „Harburg ist eine hervorragende Alternative“, sagt der ehemalige TU-Student Domaschke. Er freue sich, wieder näher an die TUHH heran zu rücken, und könne sich vorstellen, auch privat in den Binnenhafen umzusiedeln. Die von Arne Weber geplante Fährverbindung zu den St. Pauli Landungsbrücken sei ein „Riesen-Argument, nach Harburg zu ziehen“.

Vieles spricht dafür, dass 3D.aero wie der HIP weiter wachsen wird. Schließlich habe die Flugzeugbranche im Vergleich zu den Automobilherstellern Nachholbedarf, was die automatisierte Produktion und Instandhaltung angehe, so Domaschke: „Im Flugzeugbau und bei der Reparatur ist alles speziell. Deshalb wird hier noch mit vielen Händen gearbeitet. Wir entwickeln automatisierte Lösungen, die oft nur einmalig anwendbar sind. Und versuchen, möglichst viele der automatisierten Arbeitsschritte in weiteren Prozessen wiederzuverwerten – schließlich geht es häufig darum, etwas zu finden, zu bohren oder zu inspizieren.“

Der Bedarf, Arbeiten in die Hände von Industrierobotern oder anderen digitalen Anwendungen zugeben, sei in der Luftfahrtbranche sehr groß, sagt Domaschke: „Allein Lufthansa Technik hat uns so viele Aufträge erteilt, dass wir ordentlich Fahrt aufnehmen mussten.“ Um dem gerecht werden zu können, arbeitet 3D.aero derzeit an drei Standorten, unter anderem auch in einer alten Lagerhalle von HC Hagemann in Wilhelmsburg. Im Juni wird der Senkrechtstarter dann für ihn maßgeschneiderte Räumlichkeiten im aufstrebenden Westend des Binnenhafens beziehen können. Arne Weber plant derweil bereits den zweiten und größten Bauabschnitt des HIP. Dort wird um die 20.000 Quadratmeter Fläche entstehen, die ebenfalls bereits vermarktet wird.