Harburg
Langenbek

Poller-Posse um versperrte Feuerwehr-Durchfahrt

Kein Durchkommen für die Feuerwehr: Klaus Fehling an den festen Pollern

Kein Durchkommen für die Feuerwehr: Klaus Fehling an den festen Pollern

Foto: Lars Hansen / xl

Die Auseinandersetzung um eine Buslinie ins Langenbeker Feld hat einen Nebenschauplatz. Gegner der Linie zweifeln an der Notwendigkeit.

Harburg. Soll die Feuerwehr einen für sie gedachten Weg nutzen können, oder nicht? Die Auseinandersetzung um eine Buslinie ins Langenbeker Feld hat einen Nebenschauplatz bekommen. Nun zweifeln die Gegner der Busverbindung die Notwendigkeit einer Feuerwehrdurchfahrt an.

Hintergrund: Die Buslinie 143 soll so verschwenkt werden, dass sie das Langenbeker Feld besser erschließt. Geschehen soll dies nach jetziger Planung über die Radickestraße. Dafür muss der Teil der Radickestraße zwischen Hilshain und Hüllbeen, der bislang für den Kraftverkehr gesperrt ist, für die Busse freigegeben werden. Für diese Freigabe muss der Bebauungsplan geändert werden.

Ohne Streit ging es nicht

Den politischen Beschluss dazu hat die Bezirksversammlung bereits gefasst. Ohne Streit ging das nicht. Während CDU, Neue Liberale, AfD und FDP dagegen stimmten, stimmten SPD, Grüne und Linke dafür. Sie stellten die Mehrheit. Im Vorweg dieser Debatte hatte sich der SPD-Bezirksabgeordnete Klaus Fehling noch einmal den Bebauungsplan durchgesehen und festgestellt: Das betreffende Stück der Radickestraße ist dort als Feuerwehrdurchfahrt vermerkt. Fehling ist nicht nur ortskundig, sondern auch im Hauptberuf Feuerwehrmann. So fiel ihm auf, dass da etwas nicht stimmen kann: Die Radickestraße ist am Hilshain mit fest verbauten Pollern, am Hüllbeen gar mit festen „Hammelsprung-Barrieren“ abgesperrt. Die Feuerwehr kann hier nicht passieren.

„Hammelsprung-Barrieren“ versperren den Weg

Das könne nicht sein, sagte sich Fehling, formulierte einen Antrag und die Bezirksversammlung beschloss: Die Feuerwehrdurchfahrt soll wieder hergerichtet werden.

Die Gegner der Bustrasse wittern darin die Vorwegnahme der Teil-Öffnung der Radickestraße. Vor allem die Neuen Liberalen bezweifeln deshalb die Notwendigkeit der Feuerwehrüberfahrt und stellten eine umfangreiche Anfrage an die Bezirksverwaltung. Tenor: Warum kann eine Notüberfahrt jahrelang nicht nutzbar sein, ohne dass es auffällt? Und warum lässt das Bezirksamt feste Sperren verbauen, wenn doch die Durchfahrt für die Feuerwehr benötigt wird? Den Schluss, dass die Notdurchfahrt nicht nötig sei, formulieren die Neuen Liberalen zwar nicht aus, aber er schwingt im Ton der Fragen deutlich mit.

Die feuerwehrspezifischen Fragen konnte das Bezirksamt nicht beantworten. Es verweist auf die Innenbehörde. Schon im Antragstext hatte Rettungsdienstprofi Fehling allerdings vorgerechnet, dass die Anfahrt der Berufsfeuerwehr ins Langenbeker Feld über die Radickestraße eineinhalb Minuten kürzer sei, als die derzeitige über die Gordonstraße. „Diese Zeitspanne ist eine bei der Brandbekämpfung oder medizinischen Notfallversorgung nicht unerhebliche Zeit“, sagt Fehling. Die dem Langenbeker Feld nächstgelegene Freiwillige Feuerwehr Rönneburg trifft es noch härter. Von ihrem Gerätehaus am Küster-stieg ist über die Radickestraße nur ein Kilometer ins Langenbeker Feld zurückzulegen. Das Schutzziel der Hamburger Feuerwehr, acht Minuten nach Alarmierung am Brandort zu sein, könnten die Rönneburger sogar mit der etwas längeren Ausrückezeit einer Freiwilligen Wehr schaffen. Ohne die Radickestraße sind es fast vier Kilometer. „So nah das Gebiet liegt, wegen der Poller fahren wir das Langenbeker Feld nicht als erste an“, sagt Wehrführer Marc Lotto, „Es ist jetzt Einsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Sinstorf.“