Harburg
Schönheit der Natur

Erneut mehr Touristen in der Heide

Heidschnuckenherden gehören für Heidetouristen einfach dazu. Die Schäfer  beklagen sich allerdings über deren freilaufende Hunde.

Heidschnuckenherden gehören für Heidetouristen einfach dazu. Die Schäfer beklagen sich allerdings über deren freilaufende Hunde.

Foto: Wolfgang Höfle

Übernachtungszahlen steigen 2018 auf knapp 6,58 Millionen. 14 Freizeitparks und Natur sind Besuchermagneten.

Winsen/Buchholz.  Der Tourismus in der Lüneburger Heide wächst weiter. Knapp 6,58 Millionen Übernachtungen zählte die Urlaubsregion im Jahr 2018, berichtet das Landesamt für Statistik Niedersachsen. Das ist ein Zuwachs von knapp drei Prozent gegenüber 2017 und von rund 35 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Die Region punktet mit Naturlebnissen sowie mit ihrem großen Angebot von Freizeitparks.

Mittlerweile buhlen 14 Freizeiteinrichtungen um die Gunst der Tages- und Übernachtungsgäste, von Heidepark und Designer-Outlet in Soltau über Snow Dome und Quadbahn in Bispingen bis zu den Wildparks Lüneburger Heide (Nindorf) und Schwarze Berge (Rosengarten). Neue Angebote entstehen unter anderem mit dem Baumwipfelpfad in Hanstedt und dem Abenteuerlabyrinth in Bispingen. Der Tourismusverband Lüneburger Heide GmbH bezeichnet sein Gebiet als „größte Freizeitparkregion Europas“. In dieser Woche haben die Geschäftsführer der 14 Freizeitparks beschlossen, sich besser zu vernetzen. Ziel sei es, die Region durch gemeinsame Marketingaktionen noch bekannter zu machen und neue Kunden für die Lüneburger Heide zu begeistern, sagt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer Lüneburger Heide GmbH.

Schnellste Holzachterbahn geht wieder in Betrieb

Rund 1,25 Millionen Übernachtungen zählt allein die 6500-Einwohner-Gemeinde Bispingen. Rund eine Million steuert der Center-Parcs-Ableger Bispinger Heide bei, den Rest Pensionen, Ferienwohnungen, Hotels. In Bispingen ziehen neben dem Snow Dome eine Quadbahn und das auf dem Dach stehende „Verrückte Haus“ Besucher an. Der nahe gelegene Heide-Park in Soltau meldet am Freitag, dass „Europas höchste und schnellste Holzachterbahn“ wieder in Betrieb geht, nachdem dort Schienen erneuert wurden und verspricht: „Der Kampf der Giganten beginnt im Frühjahr“. Die Fahrgäste sollen gemeinsam mit der Figur Colossos gegen eine „gigantische Kreatur“ antreten, die „riesenhaft über der Strecke thront und mit Feuer und Nebel auf ihre Gegenspieler wartet“.

Wer es weniger martialisch mag, genießt die Naturschönheiten der Region. Diese entfalten zur Heideblüte im August ihre größte Pracht. Das ist gleichzeitig ein Problem des Naturtourismus’. „Über das Jahr hindurch ist noch viel Luft nach oben“, sagt Hilke Feddersen, Sprecherin vom Naturpark Lüneburger Heide und Angestellte der Kreisverwaltung Harburg in Winsen. „Wir wollen die Region über das ganze Jahr hindurch noch attraktiver machen.“

Es sei wichtig, dass Touristen, die an Natur und an Nachhaltigkeit besonders interessiert sind, passende Angebote in Hotels und Pensionen vorfinden, etwa Frühstück mit regionalen Produkten. Ein wichtiger Faktor sei auch das Informationsangebot, so Feddersen. Der Naturpark bilde gerade wieder zertifizierte Natur- und Landschaftsführer aus, um zum Beispiel Nachfragen nach einer Busbegleitung mit kleiner Exkursion nachkommen zu können. Am 25. April veranstaltet die Naturpark-Verwaltung eine Tagung, deren Teilnehmer ihre Ideen und Maßnahmenvorschläge in den „Naturparkplan Bildung für nachhaltige Entwicklung“ einbringen können.

Unbekanntere Naturschönheiten schmackhaft machen

Zur nachhaltigen Entwicklung gehört, dass der Tourismus als wichtigster Wirtschaftsfaktor Geld und Jobs in die Region bringt, ohne deren Natur über die Maßen zu strapazieren. Feddersen sieht diese Gefahr nur während der Hochsaison der Heideblüte an touristischen Hotspots wie dem Wilseder Berg oder dem Heidschnuckenweg zwischen Buchholz und Hanstedt. Ein besonderes Ärgernis seien Hunde: „Schäfer Eckhardt von Hörsten klagt nicht über den Wolf, sondern darüber, dass viele Leute ihre Hunde frei laufen lassen, wenn er mit seiner Heidschnuckenherde im Büsenbachtal unterwegs ist.“ Um die Besuchermagneten zu entlasten, sei es wichtig, den Gästen andere, unbekanntere Naturschönheiten schmackhaft zu machen, etwa mit Hilfe der Broschüre „47 Naturwunder“.

Die Gefahr einer Überlastung durch die stetig ansteigende Zahl der Übernachtungen in der Lüneburger Heide sieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bei den Beschäftigen im Gastgewerbe. Es biete allein im Landkreis Harburg rund 3400 Menschen eine Arbeitsstelle, allerdings „mit immer extremeren Arbeitszeiten“, kritisieren die Gewerkschafter. „Die guten Übernachtungszahlen und steigende Umsätze zeigen, wie groß der Einsatz der Beschäftigten in der Gastronomie und Hotellerie ist“, sagt Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG-Region Lüneburg. Gerade gelernte Fachkräfte arbeiteten „längst am Limit“.

Tourismus in Zahlen

Rund 400 Hotels bieten in der Regionen Lüneburger Heide ihre Dienste an, etwa 100 im Vier-Sterne-Bereich. Hinzu kommen um die 1000 Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Pensionen sowie rund 60 Campingplätze.


Die Natur
steht an erster Stelle der Beweggründe, in die Heide zu fahren. Platz zwei belegt Radfahren, gefolgt von Wandern, Städte/Kultur und Erlebnisparks. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 2,8 Übernachtungen.