Harburg
Kultfisch der Elbe

Stintsaison noch schlechter als im Vorjahr

Stinte wandern zum Laichen die Elbe hinauf, bis zum Geesthachter Wehr.

Stinte wandern zum Laichen die Elbe hinauf, bis zum Geesthachter Wehr.

Foto: PA/Franziska Gabbert

Fänge an der Unterelbe erreichen kaum die Hälfte des Vorjahresniveau. Kaum besser ergeht es Fischer Wilhelm Grube in Hoopte

Winsen/Jork.  Nach zwei mageren Jahren zeichnet sich auch in diesem Frühjahr eine miserable Stintsaison ab. Fischer an der Unterelbe melden schlechte Fänge, ebenso Wilhelm Grube in Hoopte – nur am ersten Fangtag Anfang der Woche war ihm mit 350 Kilogramm Stint eine passable Menge in die Reusen geschwommen. Parallel zum Fischaufkommen sinkt das gastronomische Angebot im Landkreis Harburg.

„Die Fangmenge an Stint hatte 2018 ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht. Nun sieht es so aus, dass sie in diesem Frühjahr noch einmal deutlich unterschritten wird“, sagt Veit Hennig, Ökologe an der Universität Hamburg. Er fragt seit Jahren die beiden Fischer an der Unterelbe und Wilhelm Grube nach deren Fangzahlen, um die Entwicklung der Schlüssel-Art der Fischwelt in der Elbe zu verfolgen. Wenn Stint fehlt, bleiben nicht nur manche Teller leer, sondern auch die Mägen von Zwergmöwe, Kormoran, Flussseeschwalbe und Schweinswal – seit zwei Jahren gebe es keine Schweinswal-Sichtungen in Hamburg, sagt Hennig. Die dezimierten Stintschwärme sind wohl einer von mehreren Gründen.

Stinte brauchen kritische Masse zur Vermehrung

Die Trübung des Elbwassers, sommerliche Sauerstofflöcher, stärkere Tiden und die Wasserentnahme des Kraftwerks Moorburg wirken sich negativ auf den Stint aus. Als Massenfisch kann er sich nur vermehren, wenn im Laichgebiet zwischen der Seeve-Mündung und dem Geesthachter Wehr eine kritische Masse erreicht ist. Denn Rogen (Eier) und Milch (Fischsamen) werden ins freie Wasser entlassen und müssen innerhalb einer Minute aufeinander treffen, damit die Befruchtung klappt. Das funktioniert nur bei ausreichenden Konzentrationen von Rogen und Milch.

Wenn sie im Alter von zwei Jahren geschlechtsreif werden, ziehen die Stinte von der Nordsee die Elbe hinauf. Zuerst begegnen sie den Netzen der beiden Kutter von Claus und Harald Zeeck aus Geversdorf an der Oste. „Die Zeecks fangen bereits ab Januar, für sie ist die Saison jetzt fast abgeschlossen. In diesem Jahr ging ihnen nur etwas mehr als die Hälfte der Vorjahresmenge in die Netze“, sagt Hennig. Weiter aufwärts, im Jorker Ortsteil Wisch, stellt Lothar Buckow Reusen auf und fährt mit seinem Kutter los. „Lothar berichtet, dass seine Reusen fast leer bleiben. Insgesamt hat er nur ein Drittel der Vorjahresmenge gefangen.“

Den Restaurants an der Elbe fehlt Fisch

Der Fischmangel trifft auch die Restaurants zwischen Over und Hoopte. „Wir verkaufen seit dem 23. Februar Elbstint, weil wir die Lieferungen rechtzeitig gesichert haben“, sagt Karl-Rudolf Sievers von Sievers Gasthaus in Hoopte. „Der Fisch wird von Jahr zu Jahr teurer – viele Gastronomen sind abgesprungen, weil sie in den vergangenen Jahren Probleme hatten, Fische zu bekommen.“

Das Fliegenberger Gasthaus Oppermann öffnet nur zur Stint- und zur Maischollen-Saison. Und dies beim Stint am 1. März zum letzten Mal. Auf seiner Facebook-Seite ist zu lesen: „Andauernde Stintknappheit durch diverse Eingriffe in die Natur, die Ungewissheit Tag für Tag, ob wir überhaupt Stint kriegen, um ihn euch anzubieten zu können, und die ganzen Arbeiten und Kosten, die uns bei Ausfall treffen, haben uns leider zu diesem Schritt gezwungen.“