Harburg
Erfolg

Junge Forscherinnen auf großer Fahrt

Miriam Heß (von links), Gesche Ulffers und Lea Timmermann begannen schon an Bord mit der Probenauswertung 

Miriam Heß (von links), Gesche Ulffers und Lea Timmermann begannen schon an Bord mit der Probenauswertung 

Foto: Deutsche Meeresstiftung / DMS

Die Gymnasiastinnen Gesche Ulffers, Miriam Heß und Lea Timmermann gewinnen „Jugend forscht“-Preis mit einem Meeresprojekt

Davon träumen viele: Die Meere zu befahren und diese dabei zu erforschen. Die meisten, die diesen Traum hegen, nehmen sich seine Erfüllung für die Zeit nach dem Schulabschluss vor. Für Gesche Ulffers, Miriam Heß und Lea Timmermann, allesamt Schülerinnen des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, ging dieser Traum schon einen Sommer vor dem Abitur in Erfüllung: Auf dem Forschungsschiff „Aldebaran“ stachen sie in Bremerhaven in See, um ihr eigenes Forschungsprojekt durchzuführen.

Bei allem Spaß, den ihnen das machte, war ihr Thema ein ernstes: Die Belastung der Meere durch Mikroplastik. Mit dieser Arbeit – und es war viel Arbeit – ernteten die drei Anerkennung. Bislang wurden sie mit einem zweiten Platz beim Meersesforscherwettbewerb auf der Düsseldorfer Bootsmesse ausgezeichnet und am vergangenen Wochenende errangen sie einen ersten Preis beim Hamburger Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in der TUHH.

Gesche, Miriam und Lea sind Schülerinnen des Oberstufenprofils Chemie-und-Physik. Semesterthema war Organik, das Semesterprojekt sollte ich mit Kunststoffen befassen. „Wir hätten auch die Möglichkeit gehabt, an der Entwicklung neuer Kunststoffe mitzuarbeiten“, sagt Miriam, die neben der Oberstufe noch eine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin absolviert, „aber dann haben wir von der Möglichkeit erfahren, ein Forschungsprojekt bei der deutschen Meeresstiftung zu machen. Wir haben unsere Projektidee eingereicht und sie wurde angenommen.

Man darf sich die Forschungsreise nicht so vorstellen, dass man romantisch von Traumstrand zu Traumstrand fährt und ab und an das türkisblaue Wasser durchtaucht, um zu gucken, was da los ist. Lea, Miriam und Gesche klapperten mit der Crew der Aldebaran Klärwerksauslässe, Schifffahrtskreuzungen und Schleusen ab, um zu sehen, wo am meisten Mikroplastik im Wasser zu finden ist. Dazu entnahmen sie Wasserproben in der Wesermündung, vor Neuwerk, bei Brunsbüttel, im Nord-Ostsee-Kanal und in der Kieler Bucht. Immerhin befuhren sie zwei Meere.

Noch an Bord filterten sie die Wasserproben und zählten mit dem Mikroskop die Plastikteilchen auf dem Filterpapier. „Leider konnten wir mit unserer Ausrüstung nur Plastikteilchen einer Größe ab 1,2 Mikrometern eindeutig identifizieren“, sagt Gesche, „ich bin mir sicher, dass unter den kleineren Partikeln auch noch viel Plastik war.“

Das Auszählen der Filterscheiben nahm sehr viel mehr Zeit in Anspruch, als die Forscherinnen geplant hatten. Noch Wochen nach der Reise legten sie gerasterte Filter unter das Binokularmikroskop und zählten. Eine Erkenntnis: Rund um die Klärwerksauslässe ist die Mikroplastikbelastung besonders hoch. „Wir vermuten, dass das mit synthetischen Textilfasern zusammenhängt, die beim Waschen abgelöst werden und ins Abwasser gelangen“, sagt Miriam Heß. „Die Klärwerke halten diese Teilchen kaum zurück.“ Trotz der harten Forschungsarbeit blieb auch Zeit, die Reise zu genießen: „Ein Highlight war gleich am ersten Abend, als der Skipper das Schiff vor Cuxhaven im Watt trockenfallen ließ und wir mitten im Wattenmeer den Sonnenuntergang genossen und übernachteten. Und ich persönlich war von der Schleusendurchfahrt in Brunsbüttel sehr fasziniert“, sagt Gesche, die nach dem Abitur zwar erst einmal in die Ferne zieht, dann aber allgemeine Ingenieurswissenschaften studieren möchte.

Außer Probenziehen und -Auswerten stand für die Forscherinnen auch noch Fortbildung auf dem Programm: Segelkunde, Knotenkünste und Navigation bildeten den intellektuellen Mehrwert des Projekts und gehören für jede junge Forschergruppe zum Programm auf der Aldebaran.

Der Gewinn eines der ersten Preise im Bereich Chemie freut die drei. Es bedeutet zwar, dass sie mitten in der Abiturvorbereitung noch zum Bundeswettbewerb fahren müssen, „aber zum Glück ist das nicht weit“, sagt Gesche, „er findet in diesem Jahr bei Airbus in Finkenwerder statt.“

Dorthin kann man mit dem HVV-Linienbus fahren. Andererseits: Wenn die Mädchen stilecht auf dem Wasser anreisen wollen, gibt es dort auch einen Anleger.

Lea, Miriam und Gesche waren nicht die einzigen Preisträger aus dem Süden Hamburgs beim Regionalausscheid von „Jugend forscht. Weitere erste Plätze gingen an: Lina Vorberg vom Gymnasium Süderelbe in den Kategorien Chemie und „Schüler experimentieren“ für das Projekt: „Der Trick mit dem OP-Faden“; Nathalie Puschmann vom Gymnasium Süderelbe in der Kategorie Biologie für das Projekt: „Antibiotikaresistente Keime in der Umwelt“; sowie Jesper Eggers, Till Meyer-Jark und Nabil Tahiri vom Friedrich-Ebert-Gymnasium, Sonderpreis spannendster Biologie- Projektstand:“Mikroplastik - Fluch oder Segen?“

Jugend forscht ist Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb. Ziel ist, Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, Talente zu finden und zu fördern. Pro Jahr gibt es bundesweit mehr als 110 Wettbewerbe. Teilnehmen können Jugendliche ab der 4. Klasse bis zum Alter von 21 Jahren. Zu gewinnen sind Geld- und Sachpreise.