Harburg
Klimaschutz

Lastenräder sollen die Verkehrswende beflügeln

Foto: Riese & Müller

Verein Buchholz fährt Rad beteiligt sich in diesem Jahr an einer Initiative des Bundesumweltministeriums.

Buchholz.  „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude Rad zu fahren.“ Das wusste schon der legendäre US-Präsident John F. Kennedy. Für die Mitglieder des Vereins Buchholz fährt Rad hat das Treten in die Pedale indes noch eine ganz andere Dimension. „Wenn Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen will, muss viel intensiver als bisher auch über eine Verkehrswende nachgedacht werden. Dabei kann das Radfahren eine wichtige Rolle spielen“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Eckhoff.

Der gebürtige Cuxhavener, der später in Göttingen Betriebswirtschaft studiert und dann einige Jahre in Bremen gearbeitet hat, ist praktisch mit dem Rad aufgewachsen. „Rad zu fahren, wann immer es geht, war Teil meiner Sozialisation“, sagt der 50-Jährige. Zumal alle Städte, in denen er zuvor lebte, als ausgesprochen velofreundlich gelten.

Als er dann aber nach Buchholz zog, sei er erst einmal geschockt gewesen: Kaum Fahrräder, dafür umso mehr Autos. „Und das, obwohl die Stadt und ihre Umgebung bestes, bei Wunsch auch profiliertes Terrain fürs Fahrradfahren bieten“, so Eckhoff.

Teilnahme am Stadtradeln 2015 hat nachhaltig gewirkt

Um die Vorzüge dieser umweltfreundlichen und noch dazu überaus gesunden Art der Fortbewegung zu propagieren, organisierten er und frühe Mitstreiter Ende 2015 einen Workshop zum Thema Radverkehr. 20 Leute seien gekommen – und viele auch dabei geblieben, erinnert sich der passionierte Radler.

Jedenfalls habe das Ganze eine gewisse Eigendynamik angenommen, die in eine regelrechte „Bewegung von unten“ gemündet sei. Vor allem die erstmalige Teilnahme an der landesweiten Kampagne Stadtradeln 2015, in deren Rahmen verschiedene Aktionen stattfinden wie Radtouren, Vorträge und eine Tombola, habe nachhaltig gewirkt.

Um noch deutlich mehr bewegen zu können, wurde die Initiative im April 2018 in einen Verein überführt. 60 Mitglieder zählt er inzwischen. Die haben sich für dieses Jahr viel vorgenommen, um das Thema Radfahren noch intensiver als bisher im Bewusstsein der Buchholzer zu verankern.

Bereits im kommenden Monat sind zwei Abendveranstaltungen geplant. Am 4. März referiert der Journalist Ralf Meutgens über „Doping im (Rad-)Sport 2.0 – Ein Spiegel der Gesellschaft!?“. Am 25. März spricht der Buchholzer Polizeikommissar Dirk Poppinga über Sicherheit im Straßenverkehr.

Am 28. April beteiligt sich der Verein am Verkaufsoffenen Sonntag in der Nordheidestadt gleich mit mehreren Aktionen. Für eine besondere Show wird dann die Cycle Fun Productions aus Amsterdam sorgen. Beim „Slowbiking“ geht es nämlich nicht darum besondern schnell, sondern extrem langsam zu sein. Den Rekord hält ein Biker, der die Ziellinie der 11 Meter langen Strecke nach zweieinhalb Stunden passierte. Zudem beweisen Bendestorfer Trialbiker ihr Können in einem Geschicklichkeitsparcours.

Vom 5. bis 25. Mai gibt es dann wieder das Stadtradeln, an dem sich im Vorjahr erstmals mehr als 1000 Aktive beteiligt hatten. Neuauflagen wird es im zweiten Halbjahr zudem für das „Breakfast On The Bridge“ geben, wenn Radfahrer auf der Canteleubrücke wieder mit frischen Snacks belohnt werden, für den „Park(ing) Day“, an dem Parkplätze zweckentfremdet in Orte der Begegnung umgewandelt werden, und für die „Light Parade“, einem Corso durch Buchholz, für das die Teilnehmer sich und ihre Gefährte festlich illuminieren.

Emissionsfreier Transport ist tatsächlich möglich

Einen besonderen Schwerpunkt setzt der Verein in diesem Jahr mit der Gründung einer freien Lastenradinitiative. Bei dem Projekt sollen spätestens im September fünf Lastenräder angeschafft werden, die Einwohner der Stadt dann an verschiedenen Stationen ausleihen können. „Wir wollen zeigen, dass es nicht zwingend ein Auto braucht, um Kinder, Einkäufe oder Lieferungen aller Art zu bewegen“, sagt Peter Eckhoff.

In Buchholz gebe es sogar erste positive Signale zum Aufbau eines Netzes von Verleihstationen. So seien unter anderem das Reformhaus Dreyer, die Kirchengemeinde St. Petrus, das ISI-Zentrum der Wirtschaftsförderung Landkreis Harburg und das Fahrrad Center an der Innungsstraße potenzielle Partner des Projekts.

Wie Ernst es dem Verein damit ist, will bereits Mitte April Lars Felten mit seiner Teilnahme an der Schokofahrt 2019 beweisen. Ab 16. April wird er mit Gleichgesinnten aus den nördlichen Bundesländern nach Amsterdam aufbrechen. Um dort von der Manufaktur Chocolate Makers Schokolade abzuholen, deren Rohstoff in der Karibik unter fairen Bedingungen angebaut und geerntet und dann mit einem Segelschiff emissionsfrei nach Europa transportiert wird.

„Um die Schokolade CO2-neutral bis in die Nordheide zu bringen, ist unser Kurier Lars natürlich mit einem Lastenrad unterwegs“, berichtet Eckhoff. So zeige der Verein, dass nachhaltiger und emissionsfreier Transport möglich ist, auch über große Distanzen. Und dass Radfahren Menschen über Ländergrenzen hinweg verbinden kann.

60 Städte sind dabei

Lastenräder kosten, je nach Ausstattung, zwischen 5000 und 6000 Euro.

Fördergelder des Bundesumweltministeriums fließen bei einer Kofinanzierung durch Zuschüsse der Stadt und Zahlungen durch Sponsoren, eine so genannte Drittelfinanzierung.

60 deutsche Städte haben solche Projekte inzwischen gestartet. Bislang ist nicht bekannt, dass eine dieser Initiativen gescheitert wäre.