Harburg
Neu Wulmstorf

Rekordsumme für einen „revolutionären Schulneubau“

Auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule soll die Grundschule neu gebaut werden – große Teile des Areals werden aber für den Wohnungsbau verkauft

Auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule soll die Grundschule neu gebaut werden – große Teile des Areals werden aber für den Wohnungsbau verkauft

Foto: Axel Tiedemann / HA

Neu Wulmstorf plant 25 Millionen Euro für neue Grundschule. Ein privater Generalunternehmer soll das Projekt umsetzen.

Neu Wulmstorf.  Manchem der Kommunalpolitiker dürfte ein bisschen mulmig gewesen sein an diesem Abend: Um immerhin rund 25 Millionen Euro ging es bei dieser Richtungs-Entscheidung für den Neubau einer Grundschule, die Neu Wulmstorf so dringend benötigt, weil immer mehr Familien in den 22.000 Einwohner großem Ort ziehen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals über einen so großen Posten entschieden haben“, meinte dann auch der Vorsitzendes des Bauausschusses, Thomas Grambow (SPD).

Doch am Ende einer langen Diskussion und der Anhörung von zwei speziell geladenen Experten verständigten sich die Mitglieder von Bau- und Schulausschuss während einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstagabend nun auf einen Weg, mit dem die Gemeinde in zweifacher Hinsicht Neuland betritt. Zwar muss der Rat noch seine endgültige Zustimmung geben, die aber gilt mit dem einstimmig gefassten Entschluss der beiden Ausschüsse als sicher:

Auf einem Teil des gut 31.000 Quadratmeter großen Geländes der ehemaligen Hauptschule an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße soll demnach die bisher gegenüberliegende Grundschule einen neuen und größeren Standort erhalten. Mit dem Neubau soll zudem die Ganztagsschule für die Grundschulen eingeführt werden - so wie es sie im südlichen Hamburger Umland schon häufiger gibt. Einen neuen Weg geht Neu Wulmstorf aber mit seinem Mini-Schulkonzept, das dort umgesetzt werden soll. Jeweils einzelne Klassen 1 bis 4 bilden dabei eine Art eigene, kleine Schule.

Ursprünglich sollte dieses Konzept auf einem oder zwei Geschossen umgesetzt werden. Die Verwaltung stellte am Donnerstag nun aber einen Kompromissvorschlag vor, wonach die neue Grundschule doch in einem eher kompakten Bau mit drei Geschossen untergebracht werden soll. Damit bräuchte sie nur noch etwa ein Drittel der Fläche des Grundstücks und die Gemeinde könnte etwa 20.000 Quadratmeter für den Wohnungsbau verkaufen. Geld, was Neu Wulmstorf angesichts seiner angespannten Haushaltslage dringend benötigt, um diesen Schulbau überhaupt finanzieren zu können. Zwar gibt es Fördermittel, ein erheblicher Anteil aber müsste über Kredite bezahlt werden.

Die CDU hatte deshalb vorgeschlagen, nahezu das gesamte Hauptschulgelände zu verkaufen und stattdessen die neue Schule auf dem alten Grundschulgelände neu zu bauen, um so bis zu 15 Millionen Euro einnehmen zu können. Bei dem neuen Verwaltungsvorschlag könnte die Gemeinde aber ebenfalls etwa zwölf Millionen erzielen und könnte die alte Grundschule als Reserveschule belassen. Der jetzt eingereichte Kompromiss sei „eine Brücke über die man gehen könnte“, sagte dann auch CDU-Fraktionschef Malte Kanebley. Seine Fraktion enthielt sich dann am Ende, Kanebley ließ aber durchblicken, dass man den Vorschlag unterstützen werde.

Das dürfte auch an dem für Neu Wulmstorf ungewöhnlichen Planungsmodell liegen. Die beiden Ausschüsse beschlossen eben dazu ein sogenanntes ÖPP-Modell, also eine Zusammenarbeit mit einem privaten Generalunternehmer, der plant und baut und am Ende dem Ort eine fertige Schule übergibt. So sollen Bauzeit und Baukosten gespart werden, weil ein Generalunternehmer eben ein wirtschaftliches Interesse daran habe, beide Posten genau im Blick zu behalten.

Hintergrund des Gedankens: Zum einen rechnete ein beauftragtes Ingenieurbüro den Politikern vor, dass über einen Zeitraum von 50Jahren betrachtet, ein Neubau wesentlich günstiger sei, als – wie ursprünglich geplant – eine Sanierung der alten Grundschule. Danach kostet ein Neubau im „Lebenzyklusvergleich“ etliche Millionen weniger als eine Sanierung.

Die möglichen Vorteile eines solchen ÖPP-Modells zeigte im Ausschuss Eike Christian Schnoor von der Beratungsgesellschaft VBD auf, die viele Kommunen in Norddeutschland bei der Umsetzung solcher Modelle berät. So würden die Gesamtkosten von Schule und Sporthalle bei einer konventionellen Planung bei rund 26,9 Millionen Euro liegen, bei dem ÖPP-Modell indes bei 24,7 Millionen. Und die Bauzeit würde sich von 56 Monaten auf 42 Monate verringern, was bedeute, dass die Schule im August 2022 bereits bezugsfertig sein könnte.