Harburg
Wilstorf

Wilstorfer Bogendachhäuser sind schützenswert

Die Doppelhäuser mit ihren bogenförmigen Dächern wurden von 1926 bis 1928 errichtet.

Die Doppelhäuser mit ihren bogenförmigen Dächern wurden von 1926 bis 1928 errichtet.

Foto: Angelika Hillmer / HA

Gebäudeensemble an der Jägerstraße aus den 1920er-Jahren könnte per Verordnung gesichert werden.

Wilstorf.  Sie ist ein Wilstorfer Wahrzeichen: die Straßenbahner-Siedlung östlich der Winsener Straße mit ihren zwölf Bogendachhäusern entlang der Jägerstraße. Errichtet Ende der 1920er-Jahre vom Bauverein „Freie Scholle“, bilden die Doppelhäuser mit ihren auffälligen Dächern ein schützenswertes Ensemble. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Stadtplanungsbüros Elbberg.

„Die verschiedenen Eigentümer und die Generationswechsel haben über die Jahrzehnte dazu geführt, dass die Häuser heute unterschiedlich aussehen“, sagt Gerd Kruse, Geschäftsführer von Elbberg. Er erläuterte den Mitgliedern des Stadtplanungsausschusses die Bauweise vom sogenannten Zollinger Dach.

Der Merseburger Stadtbaumeister Friedrich Zollinger hatte die Dachform als Antwort auf die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt und ließ sie 1910 patentieren. Der Dachtyp ließ sich vorfertigen und so einfach errichten, dass dies im Selbstbau möglich war. Die Konstruktion aus recht kurzen, sich kreuzenden Holzlamellen brauchte 40 bis 50 Prozent weniger (teures) Holz als übliche Dachstühle.

Neben den Bogendächern mit ihrem abgestuften Wandvorsprung (Zwerchgiebel) zeichnen sich die Häuser durch ihre Symmetrie, die Eckfenster im Erdgeschoss sowie die Mauern und Pfeiler als Grundstücksbegrenzungen aus. Kruse plädiert dafür, dass diese und weitere charakteristische Merkmale – sofern noch vorhanden – möglichst erhalten werden sollten.

Gleichzeitig dürften die Eigentümer nicht übermäßig belastet werden, sondern sollten weiterhin Freiräume zur Weiterentwicklung ihrer Gebäude behalten. Es gelte, die Baukultur der 1920er-Jahre mit den heutigen Ansprüchen ans Wohnen sinnvoll zu kombinieren, so Kruse.

Der Stadtplaner regte an, das Wohnquartier mit einer Erhaltungs-oder mit einer Gestaltungs-Verordnung baurechtlich zu sichern. Dabei biete die Erhaltungs-Verordnung mehr Gestaltungsspielräume. Der Stadtplanungsausschuss will in seiner nächsten Sitzung am 18. Februar entscheiden, wie weiter vorzugehen ist, um das Ensemble zu schützen.

Dabei wollen die Lokalpolitik und die Bezirksverwaltung die Hausbewohner einbeziehen. Diese hatten sich auf einem ersten Treffen im Vorfeld des Gutachtens skeptisch geäußert. Sie befürchten unter anderem einen Wertverlust ihrer Häuser durch zu starke Einschränkungen.