Harburg
Wilstorf

Architekt plant Quartier auf zwei Ebenen

An der Winsener Straße entsteht ein Nahversorgungszentrum mit Drogerie, Supermarkt und Wohnbebauung – vermutlich übereinander.

An der Winsener Straße entsteht ein Nahversorgungszentrum mit Drogerie, Supermarkt und Wohnbebauung – vermutlich übereinander.

Foto: xl

Über das geplante Einkaufszentrum an der Winsener Straße soll eine zusätzliche Wohnebene gebaut werden.

Wilstorf.  Es gibt Projekte, die lange reifen. Das Nahversorgungszentrum an der Winsener Straße, gegenüber dem Walter-Koch-Weg ist so eines. Seit etwa zehn Jahren planen Harburgs Bezirkspolitik, das Baudezernat des Bezirksamt und Investor Karl Schulte Hubbert hier, den Rewe-Markt zu versetzen und weitere Einkaufsmöglichkeiten sowie Wohnungen dazu zu bauen.

Vor allem einen Drogeriemarkt wünschen sich die Wilstorfer, denn seit der Schlecker-Insolvenz gibt es im gesamten Harburger Osten keinen mehr. Seit gestern gibt es eine vage Vorstellung davon, wie es hier einmal aussehen könnte. Der Architektur­wettbe­werb ist entschieden. Architekt Stephan Schrick stellte seinen Siegerentwurf jetzt dem Harburger Stadtplanungsausschuss vor.

Die Pläne sind spektakulär: Schrick plant nicht weniger, als quasi ein zweites Stockwerk in die Landschaft einzuziehen. Auf dem Höhenniveau der hinter dem Grundstück auf einem Eiszeithügel verlaufenden Straße Eigenheimweg will er eine Ebene bis an die tiefer gelegene Winsener Straße heranziehen. Darauf will er Wohnhäuser bauen, darunter die Supermärkte, Gewerbe und Parkplätze; eventuell eine Kindertagesstätte.

An der Frontseite, entlang der Winsener Straße wirken Wohnhäuser und Märkte, wie aus einem Guss. Die Eingangstüren der bis zu fünfstöckigen Wohnhäuser befinden sich allerdings auf den Dächern der Supermärkte, in etwa höhengleich mit dem Eigenheimweg. Bis zur hinteren Grundstücksgrenze sind weitere Wohnhäuser auf dieser Ebene geplant. Darunter, quasi unterirdisch hinter den Märkten Parkplätze auf drei Ebenen.

Immerhin sollen hier 300 Wohnungen – vor zehn Jahren plante man lediglich 80 – entstehen und die Kunden sollen ebenfalls parken können. Der Lieferverkehr wird in einem Halbkreis unter der Wohnebene hindurch geführt.

In einer Achse mit dem Walter-Koch-Weg soll eine Fußgängertreppe auf die höhere Ebene führen, barrierefrei gelangt man mit einem Aufzug dorthin. Die obere Ebene soll auch einen Fußweg zum Eigenheimweg erhalten.

Der Wettbewerbsjury gehörte unter anderem der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Bezirksversammlung, Ralf-Dieter Fischer, an. „Ich habe für den Siegerentwurf gestimmt, weil mit ihm sehr viele Ziele auf einmal erreicht werden“, sagt er, „Durch die zwei Ebenen wird viel Raum gewonnen, um Stellplätze zu schaffen, ohne dabei Grünflächen zu versiegeln, denn die befinden sich ja darüber.

Trotz der Wohnbebauung gewinnen wir gegenüber der Ausgangssituation sogar noch Grünfläche hinzu, denn die jetzt abgerissenen Häuser hatten ihre Hinterhöfe sehr intensiv bebaut. Die Bewohner des Eigenheimwegs bekommen keinen geschlossenen Riegel vor die Nase gesetzt und können über den Fußweg die Geschäfte erreichen. Jetzt muss schnell ein entsprechender Bebauungsplan beschlossen werden. Wir werkeln an dem Projekt schon viel zu lange herum! Und wer weiß, wie schnell die Bezirksversammlung sich nach der Wahl im Mai konstituieren kann?“

Auch der Wilstorfer SPD-Bezirksabgeordnete Torsten Fuß wird langsam hippelig: „Ich möchte es noch in meiner aktiven politischen Laufbahn erleben, dass dieses Einkaufszentrum fertig wird“, sagt er, „und dieser Entwurf ist gut. Besonders gefällt mir, dass eine gute Lösung für den Verkehr rund um das Einkaufszentrum und die Wohnanlage gefunden wurde, die allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird.

Es wird für die Autofahrer Abbiegespuren vor der Einfahrt geben und Radfahrer bekommen eigene Spuren, damit sie sich nicht mehr gezwungen sehen, die Fußwege zu benutzen. Jetzt müssen wir das Planrecht schaffen, damit der Bau beginnen kann, sobald die Tankstelle weg ist. Zehn Jahre Planung sind genug!“

Über die Jahre war das Projekt nur schleppend voran gekommen: Die baufälligen, unansehnlichen Häuser, die einst einen Teil der Grundstücksfront säumten, sind immerhin abgerissen. Dann wurde bekannt, dass die Tankstelle, um die bislang mit einigem Abstand herumgeplant worden war, ihren Betrieb 2020 einstellt und man viel mehr Platz zur Verfügung hat. Der Bebauungsplan hatte erneuert, ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben werden müssen.

Wilstorf

Der Stadtteil Wilstorf ist groß und vielfältig. Er umfasst den gesamten Stadtpark und erstreckt sich in der anderen Richtung bis knapp hinter der Radickestraße. Wilstorf wird von der Winsener Straße durchschnitten, die ihn von der Hohen Straße bis zum Langenbeker Feld durchzieht. Der alte Ortskern lag ebenfalls an der Winsener Straße, zwischen Jägerstraße und Rönneburger Straße. Von Arbeitersiedlungen des Eisenbahnbauvereins über Hochausquartiere, Eigenheimsiedlungen und sogar ein paar alte Villen gibt es hier jede Form des Mikroquartiers.