Harburg
Buchholz

Ein Park für Hochtechnologie mit 900 Jobs

Jens Wrede, neuer Chef der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg, in seinem Büro in Buchholz

Jens Wrede, neuer Chef der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg, in seinem Büro in Buchholz

Foto: Rolf Zamponi

Jens Wrede führt jetzt die Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg. Er soll den Innovationspark in Buchholz aufbauen. Baustart 2019.

Buchholz.  Der neue Chef schaut aus dem Büro des alten. Ein wenig nur hat Jens Wrede seinen Schreibtisch gedreht, um so noch mehr vom Geschehen draußen mitzubekommen. „Dort kommen häufiger Mitarbeiter der Start-ups vorbei, die Räume in unserem ISI-Zentrum für Gründung, Business und Innovation in Buchholzer Gewerbegebiet gemietet haben“, sagt Wrede. „Mit ihnen komme ich gern ins Gespräch.“ Direkt im Blick hat er noch einen Kalender aus der Wesermarsch, ein Geschenk von seinem ehemaligen Mitarbeitern in Brake. Doch der Blick des neuen Geschäftsführers der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg geht klar nach vorn.

Kein Wunder: Denn seine Aufgabe mit der höchsten Priorität hat Wrede vom 3. Stock aus direkt vor Augen. Auf 25 Hektar erstreckt sich bis hin zum Kreisel bei Dibbersen der geplante Technologie und Innovationspark (TIP). Bis Mitte des Jahres soll der Bebauungsplan dafür stehen. Im Sommer soll das Gebiet erschlossen, im kommenden Jahr soll gebaut werden.

Es soll ein Gebiet werden, in dem in Hallen und Büros gearbeitet wird und das dennoch mit seinem Grünflächen und dem zentralen Fahrradweg eine attraktive Umgebung für die Menschen bietet. So soll auf dem Nordheide Campus auch Platz für Studenten sein, die zusammen mit Firmen an Forschungsprojekten arbeiten. „Wir sehen das Projekt als Entrée für Buchholz und als Antwort des Landkreises auf die gerade in Hamburg vorgestellte Wissenschaftsstadt Science City in Bahrenfeld.“

Ansiedeln sollen sich nach den Wünschen der WLH Firmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie, Material-Designer, Elektrotechniker oder Zulieferfirmen für die maritime Industrie etwa im Bereich der Regeltechnik. Wie viele es werden, hängt davon ab, ob sie in das angestrebte Raster passen. „Es geht uns nicht darum, rasch alle Flächen zu vergeben. Wir wollen die richtigen Firmen nach Buchholz holen“, sagt Wrede. Die ersten fünf, sechs Ankerkunden stehen bereits fest. Namen nennt der neue WLH- Chef, der Wilfried Seyer zum Jahresbeginn abgelöst hat, noch nicht. Seyer gilt als Initiator des TIP und steht noch bis Ende Februar als Berater bereit.

Buchholz könnte mit dem TIP bis Mitte des kommenden Jahrzehnts von 800 bis 900 neuen, hochwertigen Jobs profitieren. Die Stadt behält aber jeden Einfluss auf die Entwicklung. Hintergrund ist der mit der WLH geschlossene städtebauliche Vertrag. „Wir werden jedes Unternehmen vorstellen“, versichert Wrede. Das Grundstück werden die Wirtschaftsförderer erwerben. Klar ist: Mit dem Park soll hochqualifizierten Arbeitnehmern die Möglichkeit geboten werden, einen Job im Landkreis zu finden und damit künftig nicht mehr nach Hamburg pendeln zu müssen.

Für den Diplom-Kaufmann Wrede, der an der TU Berlin und an der Universität Hamburg studiert hat, schließt sich mit dem Neustart in Buchholz ein Kreis. Nach Stationen bei der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, der Messegesellschaft Gima, für die er Mitte der 1990er-Jahre eine Transport- und Logistik-Messe in Moskau aufbaute und zuletzt bei Hermes, kehrte er in die Wirtschaftsförderung zurück – für 15 Jahre. Wrede war für den Landkreis Dithmarschen für den Industriepark Brunsbüttel zuständig, Projektleiter für die Süderelbe AG in Stade und zuletzt Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wesermarsch.

Doch als er aus der Branche von der Suche im Landkreis Harburg hörte, griff er zum Telefonhörer. Der eingeschaltete Personalberater war offensichtlich wenig überrascht. „Ich hätte Sie ohnehin angesprochen“, kam die Antwort von der anderen Seite. In der entscheidenden Runde für den Geschäftsführerposten musste sich der Hamburger Wrede noch gegen fünf andere Bewerber durchsetzen.

Schon seit September ist der neue Chef regelmäßig in der Nordheide, nimmt an Team-Besprechungen und Veranstaltungen teil. Sein Vorteil: Ein neues Netzwerk braucht er sich nicht aufzubauen. Seine Kontakte reichen nach seinen langjährigen Berufserfahrungen ohnehin weit in die Region und bis hin zu den WLH-Mitarbeitern. „Jetzt will ich Kontakt zu den Bürgermeistern, Räten und Wirtschaftsausschüssen im Landkreis aufnehmen.“ Auch wenn der neue Park in Buchholz das derzeit größte Projekt ist. Die WLH bleibt natürlich auch künftig für den gesamten Landkreis zuständig.

Noch wohnt die Familie Wrede, zu der neben Ehefrau Inga zwei Töchter gehören, in Hamburg. „Zu Hause machen wir viel gemeinsam,“ sagt der Vater. Dazu gehört Musik mit Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Zur aktuellen Mannschaft beim Segeln zählen mit Wrede vier Mann. „Alle arbeiten oder wohnen im Landkreis Harburg.“

Die Suche nach einem Wohnort im Landkreis hat begonnen. Es dürfte den Wredes dabei nicht schwer fallen, sich heimisch zu fühlen. Denn schon heute sind dort viele Verwandte zuhause. „Unsere Familienfeste feiern wir so immer in der Nordheide.“