Harburg
Landkreis harburg

Kreis setzt auf Fahrrad-Koordinator

Karin Sager, Kreisvorsitzende des ADFC, vor dem Infoladen des Clubs in Brackel

Karin Sager, Kreisvorsitzende des ADFC, vor dem Infoladen des Clubs in Brackel

Foto: Rolf Zamponi

Fahrradclub kritisiert fehlende und schadhafte Wege im Landkreis. Schwerpunktsitzung im Bauausschuss.

Kreis Harburg.  Der Radverkehr im Landkreis Harburg soll neuen Schub erhalten. Darauf setzt der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Das Thema dominiert den Kreis-Bauausschuss am kommenden Donnerstag. Wenige Tage später hat Landrat Rainer Rempe zu einem Treffen in das Kreishaus nach Winsen geladen, um dabei Ziele und Erwartungen vor allem mit dem Verband zu diskutieren. „Die Fahrradwege an Kreis- und Landesstraßen sind in einem unmöglichen Zustand“, sagt die ADFC-Kreisvorsitzende Karin Sager. „Darauf wollen wir am 5. Februar erneut aufmerksam machen.“

Die Liste der Kritik der Fahrrad-Lobbyisten ist lang. „Es wird viel geplant und wenig umgesetzt“, sagte Sager. Es gebe kein zusammenhängendes Netz und noch immer fehlten Bügel für das Abstellen der Räder an Bushaltestellen. „Überall im Landkreis weisen die entsprechenden Schilder auf Schäden an Radwegen hin,“ hat die ADFC-Kreisvorsitzende ermittelt. Sie kennt die Strecken. Denn Sager verzichtet seit 15 Jahren auf ein Auto und ist stets auf zwei Rädern unterwegs.

Im Bauausschuss (siehe Infokasten) wird die CDU/WG-Fraktion nun erneut einen Antrag zur Reparatur und Sanierung von sechs Straßen vorlegen. Die Arbeiten könnten auch „ohne gesonderten Planungsaufwand“ möglichst noch 2019 ausgeführt werden.

Sager, die am kommenden Montag in der Mitgliederversammlung des ADFC erneut für den Vorsitz des Kreisverbandes mit 850 Mitgliedern und sechs Ortsgruppen kandidiert, sieht ein vordringlichste Ziel darin, Pendlern aus dem Landkreis eine gute Verbindung nach Hamburg zu bieten. „Am besten wären breite Fahrradstraßen ohne oder mit auf 30 km/h gedrosselten Autoverkehr“, sagt Sager. Der Öffentlichen Personennahverkehr müsse mit Radwegen verbunden werden. Dazu gehören für den Verband auch gesicherte Fahrradparkhäuser an allen Pendler-Bahnhöfen, um so teure E-Fahrräder vor Diebstählen zu schützen. Ein solches Haus hat Winsen zuletzt am Parkhaus am Bahnhof installiert.

Um notwendige Investitionen stemmen zu können, fordert der ADFC zusätzliche Mittel. „Wir halten uns an die Empfehlungen des Nationalen Radverkehrsplans von 2010. Danach sollen jährlich zehn Euro pro Einwohner bereitstehen“, sagt Sager. Für den Landkreis Harburg kämen danach 2,5 Millionen Euro zusammen. Zuletzt hatte der Landkreis für 2018 und 2019 jeweils zusätzlich 500.000 Euro bereitgestellt. Ein Teil des Geldes floss dabei in Fahrradabstellbügel, deren Installation von der EU sowie vom Bund mit bis zu 75 Prozent gefördert wird.

Im Bauausschuss soll nun zudem über eine neue Stelle für einen Fahrradkoordinator diskutiert werden. Nach Auffassung der Verwaltung, die sich für diesen Beschluss ausspricht, soll er den Abschluss einer Fachhochschule oder einen Bachelor vorweisen können und gern Fahrrad fahren. Die Installation eines Koordinator gehört dabei zu den Kriterien, zu denen sich der Landkreis mit dem 2016 beschlossenen Einstieg in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (ADFC) verpflichtet hat.

Die Grünen wollen jedoch die Stellenbeschreibung noch einmal neu konzipieren und zunächst ein fraktionsübergreifendes Treffen anberaumen. Das soll dazu führen, eine mehrheitsfähige Beschreibung der Stelle zu finden. Ein solcher Termin scheine ein „gutes Instrument zu sein, um die Belange des Radverkehrs auch in der Kreisverwaltung neu abbilden zum können“, heißt es in dem Antrag.

„Für uns ist eine solche Stelle vor allem wichtig, um auf einen zentralen Ansprechpartner zurückgreifen zu können“, erklärt Sager. Sie hofft darauf, dass mit der neuen Stelle künftig effektiver durch die Zuständigkeiten für Straßen und Radwege steuern lässt. „Wir können die Initiative für den Koordinator nur unterstützen.“

Um die Landesregierung über die Chancen und notwendige Sanierungen zu informieren, hat sich Sager bereits mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann verabredet. Zusammen wollen sie im Sattel die Radwege erkunden. „Die Zusage vom Minister habe ich schon“, sagt Sager, „wir wollen im Frühjahr starten.“