Harburg
Ehestorf

Bürger protestieren mit Plakaten gegen Vollsperrung

Axel Krones, Ortsbürgermeister von Ehestorf-Alvesen (l.) ruft die Mitglieder der Bürgerinitiative "Verkehrsnotstand Rosengarten" zum Protest gegen die Sperrung des Ehestorfer Heuweges auf.

Axel Krones, Ortsbürgermeister von Ehestorf-Alvesen (l.) ruft die Mitglieder der Bürgerinitiative "Verkehrsnotstand Rosengarten" zum Protest gegen die Sperrung des Ehestorfer Heuweges auf.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Initiative Verkehrsnotstand Rosengarten protestiert gegen die geplanten Baumaßnahmen am Ehestorfer Heuweg. Gastwirt macht dicht.

„Protest“ steht in dicken Lettern auf den schreiend gelben Plakaten. „Protest gegen die geplante Vollsperrung im Ehestorfer Heuweg in 2019/2020“. 50 Stück haben die Mitglieder der Bürgerinitiative „Verkehrsnotstand Rosengarten“ jetzt entlang der wichtigen Verkehrsachse zwischen Ehestorf und der B 73 aufgehängt. Die Anwohner und Betriebe rund um den Ehestorfer Heuweg wollen mit der Aktion ihren Unmut gegen die geplanten Baumaßnahmen der Hamburger Verkehrsbehörde kundtun. „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um die Vollsperrung zu verhindern“, sagt Axel Krones, Ortsbürgermeister von Ehestorf-Alvesen. „Notfalls werden wir auch rechtliche Schritte prüfen, um den Beginn der Arbeiten zu stoppen.“

Wie berichtet, soll die Straße zwischen der Gemeinde Rosengarten und der B 73, die täglich von rund 9000 Autos befahren wird, modernisiert werden. Für die Bauarbeiten soll der Ehestorfer Heuweg in zwei Abschnitten gesperrt werden. Von März bis September 2019 soll der südliche Teil von Ehestorf bis zur Rudolf-Steiner-Schule saniert werden, von März bis November 2020 ist dann der nördliche Teil vom Wulmsberg bis zur B 73 dran. Für Pendler zwischen dem Landkreis Harburg und Süderelbe heißt das, dass die Durchfahrt durch den Ehestorfer Weg für 16 Monate gekappt wird.

Anwohner, Gewerbebetriebe und die am Ehestorfer Heuweg ansässige Rudolf-Steiner-Schule hatten bereits im vergangenen Jahr gegen die Pläne des Landesbetriebs für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) protestiert. Diese sahen ursprünglich eine neunmonatige Sperrung der gesamten Strecke vor. Damit hätten Schüler und Lehrer die Schule nur eingeschränkt anfahren können. Die Behörde bewertete daraufhin die Baumaßnahmen neu und schlug die Sperrung in zwei Teil-Abschnitten vor.

Der Bürgerinitiative „Verkehrsnotstand Rosengarten“ reicht dieses Entgegenkommen nicht. Sie fordern die einspurige Verkehrsführung im Blockverkehr während der Bauarbeiten, eine Beschränkung der Bauzeit auf ein Jahr, keine Einschränkung im ÖPNV, kein Schwerverkehr während der Bauphase sowie die Berücksichtigung der Bürgerinteressen aus Niedersachsen.

Die Behörde lehnt die Forderungen ab, hat jetzt auf einen Brief der Bürgerinitiative an Wirtschaftssenator Michael Westhagemann geantwortet. Darin schreibt dessen Staatsrat Andreas Rieckhof: „Die geplante Vollsperrung des Ehestorfer Heuweg ist eine unvermeidbare Randbedingung, um die arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben für das Personal der ausführenden Baufirma einzuhalten. Der oft geforderten wechselseitigen Verkehrsführung mit Lichtsignalanlagen zur permanenten Umfahrung der Arbeitsstelle kann von Seiten des LSBG nicht entsprochen werden. Dies ist der vorhandenen örtlichen Situation mit einer nicht ausreichend zur Verfügung stehenden Breite des Straßenraumes geschuldet.“

Die betroffenen Bürger können darüber nur den Kopf schütteln. „Es ist absolut unverständlich, warum der Verkehr nicht einspurig an der Baustelle vorbeigeführt werden kann“, sagt Michael Kreidenberg, Betreiber des Hochseilgartens am Kiekeberg. „Es müssten dafür einige wenige Bäume gefällt werden. Stattdessen nimmt man nun in Kauf, dass täglich 9000 Autos einen Umweg von zehn Kilometer fahren müssen. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit zwischen Baumschutz und Emissionswerten?“ Kreidenberg befürchtet nicht nur enorme Umsatzeinbußen aufgrund der Sperrungen. Er bedauert vor allem, dass dieses wichtige soziale und motorische Angebot für viele Kinder und Jugendliche nicht zu erreichen sein wird.

„Zu uns kommen Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge, gewaltbereite Jugendliche, schicksalbehaftete Kinder, die ein oder beide Elternteile verloren haben. Wir sehen hier Fünf- bis Zehnjährige im Kinderparcours, die eine Straße im Alten Teichweg bis zur vierten Klasse nie verließen. Für all diese Gruppen ist eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln dann nicht mehr möglich.“

Kreidenberg hofft wie die anderen, dass die Behörde doch noch einlenkt. Die aber schaltet auf stur. „Um einen Baustart im März zu gewährleisten, müssen jetzt Baufirmen mit der Umsetzung beauftragt werden“, sagt deren Sprecher Christian Füldner. „Die Entwicklung von Alternativen zu den zuletzt vorgestellten Planungen und dem Bauablauf ist nicht vorgesehen.“

Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen weiterkämpfen. „Wir werden einen Fackellauf von der B 73 bis zur Rudolf-Steiner-Schule organisieren“, sagt Ortsbürgermeister Krones, der hofft, dass die Zahl der Protestler noch viel größer wird und sich die Anwohner und betroffenen Unternehmen nicht so schnell geschlagen geben.

Einer, der bereits die Hoffnung aufgegeben hat, ist Malte Dubowski, der am südlichen Ende des Ehestorfer Heuwegs in Ehestorf die „Raststätte zum Dorfplatz“ betreibt. Der Gastronom wird sein Geschäft spätestens Ende Juli schließen, sucht jetzt einen Nachfolger. „Die Durststrecke während der Bauarbeiten im vergangenen Jahr haben wir gerade so überstanden“, sagt er. „Eine weitere Sperrung überleben wir nicht.“